Die antisemitsche Einschläge in Deutschland nehmen mehr und mehr zu und sie stammen schon lange nicht mehr vorranging aus einem rechtsextremen Milieu.

Sie sind beipielsweise deutlich bei deutschen Mainstreammedien oder bei der “deutschen Kulturelite” wahrnehmbar; ohne damit erschöpfend die Herkunftsmilieus von Antisemitismus aufzulisten noch zu beschreiben. Nun auch innerhalb der “deutschen” Wirtschaftselite.

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Es vergeht fast kein Tag mehr, wo die verschiedenen “deutsche” Eliten, Meinungsmacher und Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Kirchen, Gewerkschaften oder Verbänden nicht antisemitisch entgleisen.

Diese “Entgleisungen” sind keine Einzefälle, sondern tief strukturell. Da helfen auch keine Antisemitismusbeauftragten und irgendwelche staatlich finanzierte Foren, Plattformen und Vereine mehr.

Und es hilft auch kein Jubeljahr zu 1.700 Jahre Judentum innerhalb der heutigen Grenzen Deutschlands. Warum so sperrig gesagt? Weil die Wahrheit oft sperrig ist und nur selten in Agentur- und Politsprechblabla paßt.

Vor 1.700 Jahre gab es kein Deutschland. Fakt. Was aber nicht Abbruch tut, dass sich hier durch die Hintertür Deutschland versucht, wieder einmal, sich mit dem Slogan “1.700 Jahre Judentum in Deutschland” aufzublasen, besser zu machen und rein zu waschen. Kein Moralanspruch ist perfider und doppelbödiger als der “deutsche”.

So kommt es, wie es kommen muss. Mit fiktionaler Geschichtesbewußtsein lässt sich eben nur schwer der eigene Hass auf Juden, auf Israel aufarbeiten. Er bricht dann halt imemr wieder durch. Mal über die Hintertüre bei Links- und Rechtsextremen und Islamisten, oder mal durch die Vordertüre, wie die Unterstützung der antisemitischen BDS durch die “deutsche” Kulturelite oder wie der Tage ans Licht gekommen, durch eine “deutsche” Wirtschaftselite, die zentral über die Finanzwirtschaft wacht: Die Bafin.

Jüdische Sündenböcke für die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)?

So fragt die WerteInitiative jüdisch-deutsche Positionen e.V. (Berlin) in ihrer aktuellen Pressemitteilung in Richtung BaFin, deren Gebahren im Zusammenhang mit dem Kriminalfall “Wirecard AG” der Bundestag aktuell untersucht.

Dabei kamen Dokumente ans Licht, wonach die BaFin augenscheinlich das Gespenst einer “jüdischen Weltverschwörung” gejagt habe, statt den mutmaßlich verbrecherischen Manipulationen der “Wirecard AG” frühzeitig und energisch nachzugehen.

Die WerteInitiative führt in ihren Befund, dass augenscheinlich die Wahnidee einer “jüdischen Weltverschwörung” die BaFin als oberste Bankenaufsichtsbehörde umtreibe: “Der Zusammenbruch der betrügerischen Wirecard AG im Jahr 2019 hat deutsche Kleinanleger Milliarden mühsam ersparter Euro gekostet und viele von ihnen um die Existenz gebracht. Dabei hätte die BaFin, gemäß Presseberichten, bereits im Jahr 2016 einschreiten und Milliarden vor der Vernichtung retten können. Der Report der Beratungsfirma Zatarra und Berichte der Financial Times hatten über dubiose Firmenkäufe zu überhöhten Preisen und Luftbuchungen mit nicht existierenden Kunden im großen Stil berichtet.

Die BaFin wurde zwar tätig, vermutete jedoch eine gezielte Marktmanipulation durch Aktienleerverkäufer, sog. Shortseller. Zu dieser Einschätzung gelangte die Behörde auch aufgrund eigener Untersuchungen. In einem Papier, welches von der BaFin an das Bundesfinanzministerium übermittelt wurde, werden die Leerverkäufer wie folgt beschrieben: Dass sie „dem Anschein nach einen recht einheitlichen kulturellen Hintergrund haben – überwiegend israelische und britische Staatsangehörige“ seien, und weiter: „Daher ist nicht auszuschließen, dass es sich um eine netzwerkartige Struktur handelt.“ Im Klartext: hier liegt eine Verschwörung vor, und zwar eine jüdische.

Anstatt Wirecard auf Herz und Nieren zu durchleuchten, schob die BaFin Ermittlungen wegen Insiderhandels an und verbot den Leerverkauf von Wirecard-Aktien, obwohl selbst die Bundesbank dagegen war, auf diese Weise in das Marktgeschehen einzugreifen.

Dreiklang der Täterflucht

Die weiteren Ausflüchte aka Erklärungen der BaFin sind unerheblich und auch erwartbar. Es handle sich um unglückliche Formulierungen, alles sei (sinngemäß von mir interpretiert) nicht so gemeint gewesen und es könne eben leicht fehl interpretiert werden. Also, das Opfer ist mal wieder schuld. Ein Klassiker.

Diesen Dreiklang der Täterflucht hört man auch der Tage wieder, wenn der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Haseloff sich hinstellt und meint, der Impferfolg in Israel sei nur möglich, weil Israel kein Rechtsstaat sei.

Schnell folgten die Beschwichtungen: Aus dem Kontext gerissen, nicht so gemeint, fehl interpretiert und eine unglückliche Formulierung. Halt mal wieder.

So stellt die WerteInitiative mit Blick auf die BaFin richtig fest: “Es handelt sich, unserer Auffassung nach, um ein Beispiel von institutionellem Salonantisemitismus, der den Juden als Feind einer deutschen Firma erkannt haben will. Der Verfasser des Papiers musste sich nicht einmal die Mühe machen „kulturelle Hintergründe“ weiter zu erläutern, da er meinte annehmen zu dürfen, sein Adressat verstünde ihn ohnehin. Dabei schwingt auch das klassische antisemitische Bild mit, Juden als Sündenböcke, vor allem in Finanzkontexten, zu missbrauchen.

Statt die eigentlichen Täter – die Vorstände und Exekutive der Wirecard AG – in den Blick zu nehmen und Vordergrund zu setzen, werden wieder einmal Juden als die eigentlichen Mißetäter vorgestellt und verfolgt.

Und dann feiert man schön und bequem 1.700 Jahre Judentum in “Deutschland”.

English Summary

The collapse of the fraudulent Wirecard AG in 2019 has cost German small investors billions of painstakingly saved euros and deprived many of them of their livelihood. According to press reports, BaFin, as highest authority for the financial sector, could have intervened as early as 2016 and saved billions from destruction. The Bafin can therefore be fairly regarded as part and parcel of a “german” business elite. The report by the consulting firm Zatarra and reports by the Financial Times had reported on dubious company purchases at inflated prices and air bookings with non-existent customers on a grand scale. The BaFin took action, but suspected targeted market manipulation by short-sellers. The authority came to this conclusion on the basis of its own investigations. In a paper submitted by BaFin to the Federal Ministry of Finance, the short sellers are described as follows: That they “appear to have a fairly uniform cultural background – being predominantly Israeli and British nationals”, and further: “Therefore, it cannot be ruled out that it is a network-like structure.” In plain language: there is a conspiracy here, and a Jewish one at that.