GLOCALIST ist ein junges Medium und erst seit dem 4. Oktober am Start und es mag vieleicht etwas verfrüht erscheinen, erste – und zugegebener Weise subjektive – Erfahrungen gleich auf Europa und Israel zu übertragen, was aber aber vor meinem jahrzehntelangen Hintergrund in Wirtschaft, Politik und Innovation wie Nachhaltigkeit doch zulässig erscheint.

GLOCALIST berichtet täglich über Innovationen aus Europa mit den beiden zusätzlichen Channels Israel und Silicon Valley (als Chiffree für USA) als Fernrohre über den europäischen Tellerrand hinaus und auch, weil Innovation eben in diesen beiden Staaten besonders markant stattfinden.

Wie branchenüblich informiert man die jeweilige Pressestelle über einen Bericht oder hat eben Nachfragen, die man meist schriftlich ausführt. Es gehört auch zum Mediengeschäft zu Gastbeiträgen und Kommentare einzuladen.

Hier kommt es nun zu Paradoxien der Trägheit, wenn man Trägheit als “Beharrungsvermögen, ist das Bestreben von physikalischen Körpern, in ihrem Bewegungszustand zu verharren, solange keine äußeren Kräfte oder Drehmomente auf sie einwirken..” versteht. Fakt ist, dass auf europäische Unternehmen, Organisationen, Parteien sehr massive Kräfte von außen einwirken, so wie auf Israel auch, wenn nicht mehr. Man könnte nun erwarten, dass der Bewegungszustand Änderung erfahre, denn die Kräfte sind gewaltig. Im Falle Europas scheint dieses “Gesetz” außer Kraft zu sein. Man kann allerorten nicht nur nicht Trägheit sondern seine metaphysische Transzendenz und entropischen Endzustand ausmachen: Stillstand.

Der Befund lässt sich durch Erfahrungen im ganz kleinen Bereich unterlegen: Bisher wurden alle Unternehmen, über die GLOCALIST berichtet hat, darob informiert. Die Reaktionen aus Europa und Israel konnten nicht unterschiedlicher sein: Aus Europa haben lediglich zwei Unternehmen reagiert und verstanden, dass ein Teilen des Links zum Bericht ihnen Vorteile bringe. PR-Agenturen scheinen sich überhaupt durch Inakrtivität auszuzeichnen und einige halten ihre Zusagen nicht ein und stellen sich dann tot. Israelische Unternehmen, und nicht wenige noch bevor ich sie informiert habe, haben die Berichtslinks geteilt, haben reagiert und grundsätzlich verstanden, jeder Bericht bringt ihnen was. Ähnlich die Lage, wenn man Nachfragen setzt. Aus Europa haben nur zwei Pressestelle Antwort gegeben, aus Israel 100%. Beide Pressestellen waren aus dem staatlichen Bereich und sind gesetzlich gezwungen zu antworten.

Schließlich Ministerien und Politik, die oft Kandidaten für Gastbeiträge sind und auch entsprechend Einladungen erhielten. Hier kamen ebenfalls kaum Reaktionen und wenn, dann erklärten sie, warum es nicht gehe bzw. erst sehr spät gehe, sprich irgendwann im Frühjahr, und überhaupt. Der Grund war und ist stets, Überlastung. Egal welche Partei oder politiknahe Organisation. Man möchte es glauben wollen. Dies kann ich schwer in Vergleich zu Israel setzen, da ich bis dato keinen Ansatz oder Grund sah, israelische Parteien oder Ministerien zu europäischer Innovation und damit verschränkten Themen zu befragen. Da gibt es schlicht keine Anküpfungspunkte für ein Medium, das über Innovation in Europa schwerpunktmäßig berichtet. Meine Vermutung aus den bisherigen Erfahrungen geht aber dahin, dass man sehr wohl reagieren würde. Man hat den Eindruck, dass sich alle Parteien Deutschlands durch das Thema Innovation pflichschuldigst schleppen. Wird ihre Karte aufgerufen, passiert genau nix.

Resumée: Im schlechten Falle kann man diese paradoxe Trägheit in kommunikativen Fragen als Ausdruck wie Mitursache für den Innovations- und Reformstau in Europa erachten, im besseren Falle als Ausdruck brässiger Ignoranz, wenn auch höflich und freundlich vorgetragen, gegenüber Start-ups, was aber auch nicht gut ist. Egal wie es nun sein mag, eines ist sicher, weder der eine noch der andere Fall geben Anlaß für Optimismus und Aufbruchstimmung. Und das ist auf keinen Fall gut für Innovation und Start-ups.