Seit dem Mittelalter wurden Juden oft als von Habgier getriebene Verbrecher dargestellt. Christen beschuldigten Juden oft des schlimmsten aller Morde, des Mordes an Jesus. Während diese Anschuldigungen unbegründet waren, waren in anderen Fällen Anschuldigungen gegen Juden wegen Kriminalität nicht immer ganz unbegründet.

Prof. Ephraim Shoham-Steiner vom Department of Jewish History der BGU und Direktor des Center for the Study of Conversion and Inter-Religious Encounters, arbeitete mehrere Jahre an dem Buch Jews and Crime in Medieval Europe, das die Gründe für die Beteiligung an Verbrechen, das soziale Profil von Juden, die Verbrechen verübten, und die Wege und Mechanismen untersucht, die von der juristischen und kommunalen Instanz eingesetzt wurden, um mit jüdischen Kriminellen und mit von Juden begangenen Verbrechen umzugehen.

Die Haltung einer Gesellschaft gegenüber Individuen, die von anderen oder von sich selbst als Kriminelle identifiziert wurden, kann als Fenster in die Sitten dieser Gesellschaft dienen und einen Einblick geben, wie Übertreter sich selbst und die Haltung der Gesellschaft ihnen gegenüber verstanden“, sagt Shoham-Steiner.

Das Buch ist in drei Hauptabschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt untersucht Shoham-Steiner Diebstahl und Verbrechen finanzieller Natur. Im zweiten Abschnitt bespricht er physische Gewalt und Mord, vor allem unter Juden, aber auch Vorfälle, in denen Juden andere angriffen und Fälle, in denen Juden Nicht-Juden aufforderten, Gewalt gegen Mitjuden zu begehen.

Im dritten Abschnitt nähert sich Shoham-Steiner der Rolle der Frauen in der Kriminalität und untersucht die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, indem er die Art der Verbrechen untersucht, an denen Frauen sowohl als Täterinnen als auch als Opfer beteiligt waren, sowie die Reaktion auf ihre Beteiligung an kriminellen Aktivitäten unter den europäischen Juden des Mittelalters.

Während die Erforschung von Verbrechen und sozialen Einstellungen gegenüber Kriminellen in den Sozialwissenschaften fest etabliert ist, ist die Geschichte des Verbrechens und der sozialen Einstellungen gegenüber Verbrechen und Kriminellen relativ neu, besonders im Bereich der Mediävistik und erst recht in der mittelalterlichen Judaistik. Jews and Crime in Medieval Europe beschreitet einen neuen Weg, um Alltagsgeschichte aus äußerst widerspenstigen Quellen freizulegen.

Jews and Crime in Medieval Europe ist ein außergewöhnlich reichhaltiges Werk von tadelloser Gelehrsamkeit. Mit seinem Blick auf ein breites Spektrum von Verbrechen, das Gewalt, wirtschaftliches Fehlverhalten und sexuelle Übertretungen umfasste, bietet Ephraim Shoham-Steiner eine wichtige neue Perspektive auf die mittelalterliche jüdische Gesellschaft. Diese gelehrte Studie über kriminelle Aktivitäten, die in den breiten Kontext von Geschichte, Kultur und Mentalitäten eingebettet ist, verbindet methodische Raffinesse, interdisziplinäre Wissenschaft und eine sehr zugängliche Sprache. Dieses Werk wird zu Recht ein breites Publikum von Gelehrten, allgemeinen Lesern und Studenten ansprechen“, so Jay R. Berkovitz, Distinguished Professor (Emeritus) für Judaic and Near Eastern Studies, University of Massachusetts Amherst

Titel: Jews and Crime in Medieval Europe

Autor: Ephraim Shoham-Steiner
ISBN: 9780814348239
Seiten: 476

Quellen/Sender (ausgewählt, red. überarbeitet, gekürzt/endübersetzt von Glocalist): BGU und Wyne State University Press