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Der kranke Mann Europa: Direktinvestionen in Deutschland und Europa brechen ein

2019-06-04T20:12:12+00:004 Juni 2019|Allgemein, Investment|

Keine gute Nachrichten für Europa und Deutschland im besonderen, aber auch kaum überraschend. Der neue Bericht zum Investitionsklima in Europa in Bezug auf ausländische Investoren von EY spricht eine deutliche Sprache. So hört man auch von immer mehr deutschen Start-ups, die sich außerhalb Europas orientieren.

Im Detail sind die Zahlen ernüchternd, der europäische Wirtschaftsraum wird immer mehr abgehängt und auch deutsche Investoren vertrauen nicht mehr wirklich dem Standort Europa und Deutschland.

Unbeindruckt vom anstehende Brexit setzen ausländische Unternehmen weiter auf den Standort Großbritannien: Mit insgesamt 1.054 Investitionsprojekten von ausländischen Unternehmen belegte Großbritannien im Jahr 2018 erneut den ersten Platz im europäischen Standortvergleich; aber im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Investitionen allerdings um 13 Prozent, jedoch auf sehr hohem Niveau.

Überspitzt formuliert: In London sammelt sich soviel Venturecapital wie in Berlin und Paris zusammen. Blickt man in das aktuelle “Investprogramm” der Bundesregierung in Künstliche Intelligenz von lächerlichen 3 Milliarden Euro, weiß man woran es krankt.

Deutschland: -13%

Ebenfalls einen Rückgang von 13 Prozent verzeichnete der Investitionsstandort Deutschland: Nach 1.124 Projekten im Vorjahr wurden 2018 nur noch 973 Investitionsprojekte in Deutschland gezählt – der erste Rückgang seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005. Im europäischen Investitionsranking fällt Deutschland vom zweiten auf den dritten Rang hinter Frankreich, das einen Anstieg der Investitionen um 1 Prozent auf 1.027 verzeichnete.

Deutsche Unternehmen erwiesen sich im vergangenen Jahr erneut als sehr investitionsfreudig: Insgesamt 695 Investitionen führten sie im europäischen Ausland durch – fünf Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie nie zuvor. Damit waren deutsche Firmen erneut die zweitwichtigsten Investoren in Europa – hinter US-Konzernen, die ihr Engagement in Europa um 3 Prozent auf 1.418 Projekte steigerten.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) zur Attraktivität des Wirtschaftsraums Europa und zu tatsächlichen Investitionsprojekten ausländischer Unternehmen in Europa.

Dass die ausländischen Investitionen in Deutschland sinken, ist ein Warnsignal – Deutschland ist nicht mehr der Wachstumsmotor der europäischen Wirtschaft“, sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY in Deutschland. „Mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent belegte Deutschland im vergangenen Jahr nur Rang 24 unter den 28 EU-Mitgliedstaaten. Und auch für 2019 sind die Aussichten alles andere als rosig. Wir brauchen dringend wieder eine positive Dynamik und neue Wachstumsimpulse.

Die Knebel sind rasch aufgelistet: Verfehlte Energiepolitik, zu hohe Steuern, die die Binnenkonsum erwürgen und ein Wust an Bürokratie und Regelungen. Die EU in ihrre derzeitigen Verfassung ist ein Wachstumshindernis.

 

Deutsche Konzerne nach US-Konzernen sind die größten europäischen Investoren

Deutsche Unternehmen spielen nach wie vor eine wichtige Rolle für die europäische Wirtschaft und für den europäischen Arbeitsmarkt: Gut 57.000 neue Arbeitsplätze wurden im vergangenen Jahr von deutschen Unternehmen bei ihren Investitionsprojekten im europäischen Ausland geschaffen – zu mehr Stellen führten nur die Investitionen von US-Unternehmen (72.900). Vielleicht sollte man sich in Europa das US-Bashing einmal genauer überlegen.

Hauptinvestitionsziele deutscher Unternehmen im Ausland waren im vergangenen Jahr Frankreich (187 Projekte, plus 26 Prozent), Großbritannien (71 Projekte, minus 30 Prozent) und Polen (54 Projekte, plus 74 Prozent). Rückläufig waren die Investitionen in der Türkei (minus 14 Prozent), in Österreich (plus 20 Prozent) und in Russland (minus 14 Prozent).

 

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