Am 9. November, dem Trauer- und Gedenktag zur Reichspogromnacht, ein Tag der gleichzeitig auch den Feiertag zum Mauerfall darstellt, was ich ehrlich gesagt schon immer geschmacklos fand, da beide Tage in einem kausalen Zusammenhang stehen, ließ sich der von unserem Steuergeld finanzierte und öffentlich-rechtliche Sender ZDF etwas besonders schönes einfallen.

Während des Auftritts einer Künstlerin wurde in hebräischen Buchstaben ein Statement abgesetzt, mit dem der einzige jüdische Staat dieses Planeten, auf verkürzte und besserwisserische Art und Weise, vor den Augen von Millionen deutschen Zuschauern, fundamental kritisiert wurde.

Es reicht einigen deutschen Fernsehmachern wohl nicht aus, dass, während weltweit Holocaust-Überlebende und ihre Nachfahren, die Initialzündung ihrer industriellen Vernichtung und den Mord an ihren Angehörigen betrauern, gleichzeitig von jenen Party gemacht wird, deren Vorfahren in weiten Teilen an jenem Massenmord beteiligt waren.

Nein, diese Geschmacklosigkeit reicht einfach nicht aus. Da muss noch etwas draufgesetzt werden, und zwar die vollkommen unpassende und undifferenzierte Kritik an der sogenannten “Besatzung” sowie der Anti-Selbstmordattentat-Mauer, die im Land der Nachfahren der Holocaust-Überlebenden, seit vielen Jahren unzählige Leben vor Terroranschlägen radikaler Palästinenser bewahrt hat.

Nein, das reicht einfach nicht aus. Das Recht auf “Israelkritik”, zu jeder Zeit, immer und überall, ist anscheinend ein wichtiger identitätsstiftender Fetisch in diesem Deutschland, vor Halle, nach Halle, bis zum nächsten Halle und darüber hinaus. Halleluja!

Ich frage mich nach solchen Totalausfällen immer wieder, ob ich in diesem Land noch leben möchte und ich weiß, dass ich damit längst nicht mehr allein bin