Jede Nacht schwimmen unzählige kleine Meeresbewohner – vom Tintenfisch bis zum Krill – unter dem Deckmantel der Dunkelheit aus den Tiefen des Ozeans, um sich an der Oberfläche zu ernähren.

Diese riesige Tiermigration – die größte auf dem Planeten und ein kritischer Teil des Klimasystems der Erde – wurde dank des unerwarteten Einsatzes eines weltraumgestützten Lasers erstmals weltweit beobachtet.

Forscher beobachteten dieses vertikale Migrationsmuster mit dem 2006 gestarteten Satelliten Cloud-Aerosol Lidar and Infrared Pathfinder Satellite Observations (CALIPSO) – einem Joint Venture zwischen der NASA und der französischen Weltraumbehörde Centre National d’Etudes Spatiales. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Nature Wednesday.

Die Studie untersucht ein Phänomen namens Diel Vertical Migration (DVM), bei dem kleine Meerestiere nachts aus dem Tiefsee schwimmen, um sich oberflächennah von Phytoplankton zu ernähren, und kurz vor Sonnenaufgang in die Tiefe zurückkehren.

Wissenschaftler erkennen diese natürliche tägliche Bewegung um die Welt als die größte Migration von Tieren auf der Erde, gemessen an der Gesamtzahl.

Klimaeffekt

Der kumulative Effekt der täglichen vertikal wandernden Tiere auf das Klima der Erde ist signifikant.

Tagsüber wird das ozeanische Phytoplankton photosynthetisiert und dabei erhebliche Mengen an Kohlendioxid absorbiert, was dazu beiträgt, dass das Meer das Treibhausgas aus der Atmosphäre aufnehmen kann.

Tiere, die einem DVM unterzogen werden, kommen an die Oberfläche, um sich von Phytoplankton in der Nähe der Meeresoberfläche zu ernähren und schwimmen dann wieder nach unten, dabei nehmen sie den Phytoplankton-Kohlenstoff mit.

Ein Großteil dieses Kohlenstoffs wird dann in der Tiefe ausgeschieden, wo er effektiv tief im Ozean eingeschlossen wird, womit seine Freisetzung in die Atmosphäre verhindert wird.

Die Forscher, die sich auf tropische und subtropische Ozeanregionen konzentrierten, fanden heraus, dass es zwar weniger vertikal wandernde Tiere in nährstoffärmeren und klareren Gewässern gibt, dass sie aber einen größeren Teil der gesamten Tierpopulation in diesen Regionen ausmachen. Dies liegt daran, dass die Migration ein Verhalten ist, das sich in erster Linie entwickelt hat, um visuelle Raubtiere während des Tages zu vermeiden, wenn visuelle Raubtiere ihren größten Vorteil in klaren Meeresregionen haben.

In dunkleren und nährstoffreicheren Regionen ist die Häufigkeit der DMV-Tiere höher, aber sie machen einen kleineren Teil der gesamten Tierpopulation aus, da visuelle Raubtiere im Nachteil sind. In diesen Regionen bleiben viele Tiere Tag und Nacht in der Nähe der Oberfläche.

Dieses tiervermittelte Kohlenstoff-Förderband gilt als wichtiger Mechanismus im Kohlenstoffkreislauf der Erde.

Quelle/Sender: NASA