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Digitalisierung braucht ethische Reflexion!

2018-11-30T12:01:15+00:0030 November 2018|Allgemein, Kommentar|

Die kürzlich verkündete KI-Strategie der Bundesregierung verweist wiederholt auf die Notwendigkeit ethischer Reflexion dessen, was dort entwickelt werden soll. Auch wenn heute noch nicht klar ist, was das konkret bedeutet, zum Beispiel im Hinblick auf die Bereitstellung öffentlicher Mittel, so sollte man diese Bekundungen nicht einfach als politische Rhetorik abtun.

Bei allen positiven Folgen, die der Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung zugeschrieben werden, machen sich viele Menschen Sorgen, weil Fragen nach dem zukünftigen Verhältnis von Mensch und Algorithmus sowie nach möglichem Kontrollverlust noch weitgehend ungeklärt sind. Diese Ängste werden von der Politik – und übrigens auch der Informatik – ernst genommen.

Es herrscht der Wille, die Digitalisierung auf einem guten Weg zu halten beziehungsweise sie dorthin zu bringen. Ethik ist hier zentral, zum Beispiel um zu reflektieren, was überhaupt ‚gute Wege‘ hier sind. Aber: Ethik ist nicht alles!

Die Technikfolgenabschätzung, meine Disziplin, ist eine interdisziplinäre Forschungsrichtung, in der auch die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie die Technikforschung selbst mitwirken. Dabei ist eine Erkenntnis zum Beispiel, dass komplexe Software oft eine ähnliche Wirkung wie Institutionen hat – sie reguliert unser Handeln.

In welcher Weise sie das tut, hängt von den Werten und Interessen ihrer Erzeuger ab. Wenn also Digitalisierung in ethisch reflektierter Weise gestaltet werden soll, muss erforscht werden, wie die Anforderungen an Software und ihre Realisierung aussehen müssten, um Ergebnisse im Einklang mit ethischen Standards erwarten zu lassen.

Selbst fahrende Autos sind hier ein gutes Beispiel. Hierfür ist interdisziplinäre Kooperation zwischen Technikfolgenabschätzung, Ethik, Informatik und Maschinenbau, ja sogar mit den Rechtswissenschaften erforderlich. Das ist eine große Herausforderung, der sich die genannten Disziplinen durchaus bewusst sein. Am Karlsruher Institut für Technologie sind derartige Kooperationen bereits Wirklichkeit.

Über den Autor:

Armin Grunwald
Armin Grunwald ist Philosoph und Physiker. Er ist Professor für Technikphilosophie und Technikethik und leitet das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), welches auch den deutschen Bundestag berät.

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