Deutschland verfehlt den Großteil seiner selbstgesteckten Ziele für die Energiewende bis 2020.

Gleichzeitig ist mittelfristig nach dem beschlossenen Atom- und Kohleausstieg die Versorgungssicherheit gefährdet, wenn die abgeschalteten Kapazitäten nicht rechtzeitig flexibel ersetzt werden und der Ausbau der Transportnetze schneller vorankommt.

Zu diesem Fazit kommt der Energiwende-Index, in dem McKinsey seit 2012 halbjährlich den Status der Energiewende in Deutschland beurteilt.

Mit 866 Mio. Tonnen lagen die CO2-Emissionen (gemessen in Mio. Tonnen CO2e -Äquivalent) 2018 trotz einer Reduktion um 4,5% gegenüber dem Vorjahr immer noch 116 Mio. Tonnen über dem anvisierten Ziel von 750 Mio. Tonnen CO2e.

Am langfristigen Trend ändert die vorübergehende, vor allem witterungsbedingte Verbesserung im Vorjahr nichts. McKinsey-Seniorpartner Thomas Vahlenkamp warnt: „Laufen die Emissionseinsparungen im gleichen Tempo weiter wie im vergangenen Jahrzehnt, werden die CO2e-Ziele für 2020 erst acht Jahre später erreicht und die Ziele für 2030 sogar erst 2046.“

Deutschland drohen ohne Ausgleichsmaßnahmen Versorgungsengpässe

Der beschlossene Kohleausstieg sieht die Abschaltung von 29 Gigawatt (GW) Kohlekapazität bis 2030 und weiteren 17 GW bis 2038 vor. „In den nächsten zehn Jahren gehen somit im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs rund 43% der gesamten gesicherten Leistung des Jahres 2018 vom Netz“, stellt McKinsey-Experte Vahlenkamp fest.

Ohne ausgleichende Maßnahmen sei die Versorgungssicherheit in Deutschland in Gefahr. Bis 2030 würden Modellrechnungen zufolge zusätzliche Kapazitäten von 17 GW benötigt, um die Stilllegungen zu kompensieren, um Schwankungen bei den Erneuerbaren auszugleichen und Spitzenlasten abzufedern. Sonst könnten schon ab Mitte des kommenden Jahrzehnts erste Engpässe auftreten, die sich bis 2030 verschärfen könnten.

Sender/Quelle: McKinsey