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Europa alleine auf der Welt

2019-01-03T21:12:18+00:003 Januar 2019|Allgemein, Kommentar|

Egal welche Parameter man anlegt, Innovation, wissenschaftliche Durchbrüche finden schon lange nicht mehr in Kontinentaleuropa statt. Bisher hatte die magere Bilanz Großbritannien mit seinen beiden Powerhäusern Oxford und Cambridge auffetten können. Damit ist es nun auch vorbei.

Fakt ist, dass Europa mit Beginn des II. Weltkrieg keine wissenschaftlichen Großtaten vorzuweisen und einen nicht aufhaltbaren Niedergang im Bereich Wissenschaft und Bildung zu verzeichnen hat, der nun deutlich – nach dem Zusammenbruch des Kommunismus – zu Tage tritt.

An europäischen Universitäten und sie umgebenden Bildungs- und Wissensbetrieben waren vor dem II. Weltkrieg Titanen am Werk: Freud, Einstein, Gödel seien pars pro toto genannt. Sie wurden vertrieben oder ermordet. Nachfolgende fanden keine Schultern vor, auf welche sie steigen hätten können, um neue Horizonte auszumachen. Und nicht wenige wollten es auch nicht und wussten so manche “Rückkehr” aktiv zu verhindern. Zwerge haben sich auf große Stühle gesetzt.

Das fiel lange nicht auf, denn der Kalte Krieg übertünchte alles gnädig und man fuhr im Windschatten der USA. Mit dem Fall des Kommunismus, was man im Wissenschaftsbetrieb bis heute nicht wirklich verstanden hat, ist auch für diesen Betrieb und seinen Organisationen eine neue Zeit angebrochen. Dies sah und sieht man nicht.

Allzu bequem hat man es sich in den Komfortzonen wohlklingender Forschungsgesellschaften gemacht, die sich heute durch Trägheit, Arroganz und Bürokratismus auszeichnen und sich damals wie auch heute bestätigt sehen durch ihr Mandat der “Abwicklung”. Sie waren Richter. Und keine besonderen, was auf anderer Stelle die zahlreichen Plagiatskandale auch beweisen.

Derweil wurde “ihnen” die letzte gute Idee – das MP3-Format – aus der Hand genommen; konsequenterweise muss man sagen. Sollte heute Europa irgendwo zufällig einen ähnliche Erfindung setzen, es würde kaum anders verlaufen.

Europäische Universitäten sind in internationalen Rankings irgendwo im niergendwo, die von den USA, China, UK und Israel dominiert werden. Gute und erfolgreiche Unis zu haben, ist keine Frage der Größe, wie UK und noch viel mehr Israel beweisen. Aber sie schadet auch nicht, wie USA und China zeigen.

Europa muss zuvorderst verstehen, dass es spätestens seit Trump alleine auf der Welt ist und die Welt nicht auf Europa wartet, sondern eher überlegt wie die Beute Europa aufzuteilen ist. Noch grundsätzlicher: Wissenschaft braucht Europa nicht, umgekehrt schon.

Europa muss aus seiner Selbstgefälligkeit heraustreten und verstehen, dass sein Wohlstand ein geborgter ist, ein gewährter und sehr wenig mit dem großem Friedensprojekt zu tun hat, welches Europa als Monstranz vor sich herträgt, aber auch hier keiner Prüfung Stand hält und mehr Ideologie ist. Da sei nur an die Balkankriege im Zuge des Zerfalls von Jugoslawien erinnert. Europa wird vor eine Diskussion gestellt, die sie eigentlich hätte 1989 führen sollen und müssen.

Der Kredithahn, der Europa ein bequemes Leben erlaubte, wurde abgedreht. Europa hat nichts mehr zu bieten. Es ist heute Museum, ein Disneyland für Russland und China, wo es sich toll konsumieren lässt. Europa hat außer Konsumpower wenig zu bieten.

Darum sollte Europa das verbleibende Silber nicht aufwenden, um einen immer mehr ausuferenden weitgehend unproduktiven Etatismus mit jeder Menge sogenannter “Bull-shit-Jobs” für Elitegünstlinge zu alementieren, sondern rasch in mutige Wissenschaft investieren. Dafür braucht es neue Strukturen, neue Köpfe…und Mut. German Angst, Zögerlichkeit und Vollkaskomentalität sind da die schlechtesten aller Ratgeber. Und Gesetze, die den Fortschritt nicht hemmen und Mut zum Risiko belohnen, Scheitern inklusive, wären auch nicht schlecht! Ansonst wäre es am besten, wenn die Politik dann nicht mehr weiter im Weg herumsteht und einfach machen lässt.

Apropos, von der am 28. August 2018 mit großem Gedöns der Bundesregierung angekündigten Agentur für Sprunginnovation hört man auch nichts mehr, die man mit einem Taschengeld von 1 Milliarde Euro an den Start geschickt hat. Es würde wundern hier struktur-, partei- und staatsferne, also unabhängige, Querdenker und Innovationsmanager zu finden. Eine Website hat diese ehrgeizige Agentur bis heute nicht.

Europa braucht nicht eine neue Strategie, Europa muss sich erst erfinden und seine Rolle wie sich selbst finden, solange noch Zeit ist, denn es ist absehbar, dass Europa Ende Mai mit den EU-Wahlen in sehr unruhige Zeiten kommen wird.  Vielleicht schafft man es ja noch rechtzeitig, die wenig geschmeidigen, borstigen Geister außerhalb der Komfortzonen und Subventionsanträge an den Tisch zu holen, denn – und dazu muss man kein Prophet sein – es wird nach den EU-Wahlen kein Stein auf dem anderen bleiben. Und da kommen dann andere an die Ruder.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor:

Naftali Neugebauer
Herausgeber Glocalist und als Innovationsmanager tätig.

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