Europa dürfte die strategische Notwendigkeit einer vitalen Raumfahrt erkannt haben, denn das Rennen um den Mond und Deep Space hat längst massiv eingesetzt, wie auf GLOCALST berichtet. Es geht um nichts weniger als die Kolonialisierung des nahen Weltraums. Wachstum und Prosperität liegen im Deep Space.

Gestern billigte Space19+, die Ratstagung der ESA auf Ministerebene, in Sevilla den bisher wohl ehrgeizigsten Plans für die Zukunft der europäischen Raumfahrt. Auf der Tagung kamen die in Europa für Raumfahrttätigkeiten zuständigen Minister zusammen. Ferner waren auch Vertreter Kanadas sowie Beobachter der EU anwesend und beschlossen ein Rekordbudget.

Das Budget der ESA, die 1975 gegründet worden ist und 22 Mitgliedsstaaten umfasst, soll künftig über ein Budget für die nächsten drei Jahre von 14,4 Milliarden Euro verfügen können, was rund 40% mehr ist als das vorangegangene.

Freilich vergleicht man es mit dem NASA Budget, dann weiß man, wo die europäische Raumfahrt tatsächlich sich befindet; in der sehr hinteren Sitzreihe im Bus.

Die NASA verfügt jährlich über ein Budget von rund 20 Milliarden Euro, also auf drei Jahre betrachtet 60 Milliarden Euro statt den da doch schmal wirkenden 14 Milliarden der ESA.

Die größten Beitragszahler werden Deutschland sein mit rund 3,3 Milliarden Euro (statt 1,9 Mrd. Euro) und Frankreich mit rund 2,6 Mrd Euro. Die operativen Ziele könnten mehr “Schmackes” aufweisen. Hier fehlen noch die großen eigenständigen, europäischen Visionen und Missionen. Die aktuellen Vorhaben sind mehr geprägt von einem Aufholen zum bestehenden Status quo.

So kommt der Löwenanteil mit rund 3 Milliarden Euro der sogenannten Erdbeobachtung zugute, wo die Frage Klimawandel im Fokus steht.

Weiters soll es um 5G, verbesserte Navigation und ja, auch um wiederverwendbare Raumschiffe gehen, das auf den Namen Space Rider hören soll: “Die ESA wird den kommerziellen Nutzen der Raumfahrt für Pioniere und Regierungen in den Mitgliedstaaten fördern und so die Wettbewerbsfähigkeit im NewSpace-Sektor stärken. Sie wird die ersten voll flexiblen Satellitensysteme zur Integration in 5G-Netze sowie optische Technologie der nächsten Generation für das „Fibre in the Sky“-Netz entwickeln, was einen Wandel in der Industrie für Satellitenkommunikation darstellt. Die Satellitenkommunikation wird ihre Kräfte mit der Navigation bündeln, um die Satellitennavigation für den Mond zu erschließen, während kommerziellen Unternehmen über das NAVISP-Programm die Finanzierung neuer Anwendungen für Navigationstechnologien ermöglicht wird. Die Minister der ESA-Mitgliedstaaten haben zudem den reibungslosen Übergang zur nächsten Generation von Raumfahrzeugträgern, Ariane-6 und Vega-C, sichergestellt und grünes Licht für Space Rider, das neue wiederverwendbare Raumschiff der ESA, erteilt.

Man sieht, die großen Visionen und neue strategische Missionen fehlen. Und man unterschätzt auch wie eine großartige europäische Raumfahrt, den Gedanken Europa beflügeln könnte. Aktuell wirkt es bürokratisch und uninspiriert. So wie halt Europa im Moment ist.