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Innovation 4.0: Innovation des Innovationsprozesses

2018-10-03T10:04:53+00:003 Oktober 2018|Allgemein, Kommentar|

Innovation ist mehr als die neue Idee, mehr als die bloße Erfindung, wenn auch eine solche neue Idee Fundament ist. Das weiß man spätestens seit Schumpeter und mit Schumpeter begann es, Innovation als sowohl unternehmerische als auch makro-ökomische Kategorie, mithin Instrument zu verstehen und einordnen zu wollen.

Es ist ein geplanter Prozess, der etwas „Neues“ schaffen soll, aber er ist zugleich unvermeidlich, weil ein Wesenszug des Kapitalismus.

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Wikipedia CCC

Innovation findet permanent statt: Innovation ist geplant wie getrieben. In Analogie kann man Innovation als „Janus-Kopf“ beschreiben, voll der Spannung und des dialektischen Widerspruches mit seiner holistischen Dimension.

Schumpeter sah Innovation in einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, denn wenn sich Produktionsfaktoren neu aggregieren, neue Produkte enstehen, dann verändern sie die Gesellschaft.

Es sei Wesen des Kapitalismus, so Schumpeter in seinem Werk „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie„: „Die Eröffnung neuer, fremder oder einheimischer Märkte und die organisatorische Entwicklung vom Handwerksbetrieb und der Fabrik zu solchen Konzernen wie dem U.S.-Steel illustrieren den gleichen Prozess einer industriellen Mutation – wenn ich diesen biologischen Ausdruck verwenden darf –, der unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft. (…) Diese Revolutionen sind nicht eigentlich ununterbrochen; sie treten in unsteten Stößen auf, die voneinander durch Spannungen verhältnismäßiger Ruhe getrennt sind. Der Prozess als ganzer verläuft jedoch ununterbrochen – in dem Sinne, dass immer entweder Revolution oder Absorption der Ergebnisse der Revolution im Gange ist.

Dieser Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ ist für den Kapitalismus eines der wesentlichen, weil konstituierenden Drehmomente, ein kontinuierlicher Prozess.

Dieser Ansatz wurde durch verschiedenste Managementlehren und entsprechenden Wissenschaften „zivilisiert„, operativ gemacht und der unvermeidliche Geruch von Wildheit und Zerstörung mit vielen Studien und Slidecharts parfümiert, denn man versprach sich Wettbewerbsvorteile.

An machen Ecken fand der Begriff fast schon esoterische Wendung und bediente den Albtraum der gesteuerten, der geplanten Gesellschaft. Viele bunte Schirme werden aufgespannt unter denen dann bärtige junge Männer und aufgeregte Mädchen gehen, die unter dem Schutz der bunten Schirme über awesome innovations plappern..

Heute spricht man von einer Innovation, wenn eine neue Idee als konkretes Produkt, Prozess oder Dienstleistung realisiert wird und beim Kunden, am Markt Durchsetzung (Diffusion) findet.

Aber es bleibt. Innovation hat tatsächlich diese Dimension der Zerstörung, des Umbruchs, der Radikalität, des Wagnis, des Risikos und dies als Teil und Grundbedingung der freien Markwirtpexels-photoschaft. Und ja, es kann schief gehen.

Innovationen sind Auslöser, getrieben und gewünscht von Unternehmen, um sich Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten, für grundlegende Umbrüche. Heute werden diese dann gerne als „Disruption“ bezeichnet.

Die erste soziale, grundlegende Innovation war die Idee der Freiheit. Sie, die Idee der Freiheit, führt zwangsläufig zu Ideen wie freie Meinungsäußerung, freie Religionsausübung oder eben freie Marktwirtschaft.

Es liegt nahe, sich mit den Ursachen, mit den Quellen der Innovation in Hinblick ihrer wirtschaftlicher Dimension zu beschäftigen.

Das ist der Moment, wo man den Namen Peter Drucker nennen muss, dessen Werke am 10. Mai 1933 von den Nazis öffentlich verbrannt worden sind. Seine Überlegungen sind aus meiner Sicht bis heute entscheidend und paradigmenhaft.

Drucker nennt „sieben Quellen“ (Unerwartetes, Unstimmigkeit, Prozessoptimierung, strukturelle grundsätzliche Veränderungen, Demographie, Wertsystem und neues Wissen) der Innovation, die ihre jeweilige Ursache planvoll versucht zu transzendieren.

Über den Erfolg entscheidet dann der Markt und die gesellschaftliche Praxis, wo Unternehmertum weder eine Wissenschaft noch Kunst, sondern eine erfolgreiche Praxis sei. Marketing und Innovation seien die beiden Kräfte, die ein Unternehmen erfolgreich machen oder eben nicht. Sie sind Schlüssel zum Unternehmenserfolg.

Gemeinsam, sehr am Rande bemerkt, ist beiden – Schumpeter wie Drucker – dass sie die ganz großen Fragen stellen und die ganz großen Antworten wagten.

Innovation 4.0. – Innovation des Innovationsprozesses

 

Vor diesen Hintergründen macht sich aktuell der Begriff Innovation 4.0. auf, der sich von der Idee – andere meinen Transformationsnotwendigkeit, andere wiederum von der unternehmerischen Wirklichkeit –  von „Industrie 4.0.“ herleitet.pexels-photo-433077

Hier wird dann Innovation 4.0. mit der neuen Dimension bzw. Idee von Vernetzung, Partizipation, lernende Organisation und der Mittelpunktstellung des Menschen verschlagwortet.

Ohne Zweifel lässt sich „Innovation 4.0.“ auch sehr gut in die sieben Quellen der Innovation als achte hinzufügen. Man hätte damit potentiell ein theoretisches Setting und Sprachmuster, auf das man aufbauend zurückgreifen kann.

Innovation 4.0. eröffnet aber auch die Denkräume, um Innovation und Innovationsprozesse per se neu zu denken.

Also Innovation selbst der Innovation, der Disruption auszusetzen, denn die Innovation braucht heute wieder ihren alten, eigentlichen Geruch der Wildheit.

Man könnte dies – akademisch betrachtet – auch als „Meta-Innovation“ bezeichnen.

 

Drei Hinweise

 

1. Innovation und Crowdfunding: Durch die Implementierung von Crowdfunding/investment können Innovationsprozesse optimiert werden, der Innovationsprozess wird selbst integraler Teil einer Diffusion.

2. Innovation und KI+Big Data: Es erscheint mir nur mehr eine Frage der Zeit bis man auf Grundlage von Big Data und KI beginnt, Innovationen planvoll, rasch und effizient herzustellen. Die Idee der willentlich, planvoll hergestellten Innovation könnte so industriell, digital realisiert werden. Freilich wird dies nicht gehen, wenn man nur bei den 4 Stakes von Big Data bleibt: Es wird den 5.ten Stake, den „philosophical turn“, brauchen.

3. Innovation ohne Grundlagenforschung geht nicht. Sie, die Grundlagenforschung, ist der Rohstoff, man kann auch sagen Treibstoff jeder Innovation. Denn ohne neue Ideen, Erfindungen gibt es keine Innovation. Sie ist die Henne, um es für manche politische Entscheidungsträger einfacher auszudrücken. Ja, und Grundlagenforschung ist per se kompliziert und für den Laien unverständlich. Erst der Meta-Prozess der Praxis macht daraus eine Innovation.

Die Debatte und Findung von Innovation 4.0. steht am Anfang, aber sie ist unvermeidlich, da sie den Beginn einer neuen, sehr entscheidenden Transformation von Geselllschaften weltweit markiert. Dazu braucht es eine kommunikative Vernetzung.

Über den Autor:

Naftali Neugebauer
Herausgeber Glocalist

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