Mit rund 20 Millionen Euro will die Israel Innovation Authority (IIA) 40 Startups möglich machen, wie Calcalist und Times of Israel berichten. Vor dem Hintergrund der Pandemie und dem nun vierten Wahlgang sieht sich die IIA in guter Position, da das Finanzministerium die neuen Programme von IIA bereits budgettechnisch integriert hat.

Gesamt blickt die IIA auf ein solides Jahr 2020 zurück, da die IIA maßgeblich während der Pandemie, die in Israel absehbar ein Ende finden wird aufgrund der besten Impfkampagne der Welt gegen das Covid19 Virus. In Summe stand der IIA rund 700 Millionen Euro zur direkten Förderung von Startups zur Verfügung.

Mit diesen Programmen will man dem Rückgang von Neugründungen seit 2017 um rund 25% begegnen. Israel hat die höchste Startupquote der Welt, aber sie ist im Sinkflug.

Dies hat vorranging seine Ursache darin, dass die bestehenden Startups sich zu Scaleup Unternehmen entwickeln und den Arbeitsmarkt an innovativen Kräften leerfegen, die sonst gegründet hätten. Sprich, es besteht ein struktureller Wettbewerb zwischen Scaleups und Startups. Ein Prima AProblem, aber dennoch ein Problem.

Die IIA wendet sich so der Förderung von Startups, die sich in der Peripherie Israels ansiedeln, damit ist vorranging der Süden Israels in der Negev gemeint. Weiters will man Gründer fördern, die aus jenen Bevölkerungssegmenten kommen, die aktuell unterrepräsentiert sind im High-Tech Sektor Israels.

Dies sind arabische Israelis und Haredi, worüber Glocalist anlässlich der Präsentation des Haredi Techreport 2020 berichtet hat. Und schließlich sollen besonders jene Branchen gefördert werden, die keinen guten Zugang zu Investoren haben, aber dem High-Tech Bereich zuzuordnen sind.

Startups, die an dem neuen Programm teilnehmen, können einen Zuschuss in Höhe von 40 % der Investitionsrunde gedeckelt mit rund 1 Million Euro erhalten. Für Startups, die in der geografischen Peripherie Israels angesiedelt oder deren Gründer aus Bevölkerungsgruppen stammen, die in der High-Tech-Industrie unterrepräsentiert sind, beträgt der Zuschuss 50 % der gesamten Investitionsrunde.

Gegenüber Calcalist führt Anya Eldan (IIA) aus: “Das Unternehmen erhält die Investition sofort, während der Investor nur 60 % riskiert und eine Option erhält, seinen Anteil in der Zukunft zu erhöhen. Wir erhalten eine viel schnellere Rendite als beim F&E-Programm, bei dem wir nur dann eine Rendite erhalten, wenn es tatsächlich Verkäufe gibt. Der Investor muss die Option nicht zurückkaufen, und sollte er sich dagegen entscheiden, verwandelt sie sich in einen Zuschuss, der durch Verkäufe zurückgezahlt wird.”

IIA will weiters das sehr erfolgreiche Inkubatorprogramm für “New Technology” neu auflegen, da das aktuell dritte nun ausläuft. An diesem Programm haben 317 Startups teilgenommen und 212 haben es erfolgreich absolviert. Rund 150 Startups existieren heute noch und haben in Summe frisches Wagniskapital von rund 720 Millionen USD auf sich ziehen können. Teilnehmer- und Erfolgsquoten, von welchen man in EU-Europa nur träumen kann.

Auf Deutschland grob umgelegt würde dies bedeuten rund 1.500 Startups, die ein Wagniskapital von rund 8 Milliarden Euro auf sich ziehen konnten. Das neue Inkubatorenprogramm der IIA soll je Startup bis zu 1,5 Millionen Euro an Unterstützung mit dem “Hybrid Seed”-Ansatz eröffnen.

Eine der vielen Ursachen des Erfolges sind nicht nur die unkonventionellen Förderansätze, die nicht vom bürokratischer Kleingeisterei und ausbordenden Antragswesen erschlagen werden, die allgemein sehr positive Gründerkultur – so wird man in Israel nicht bedauert und mitleidig abschätzig betrachtet, wenn man gründet, statt sich in die Büsche der sicheren staatlichen Anstellung zu schlagen -, sondern dass man sehr kantige Köpfe an den Spitzen des IIA sieht, die nicht durch den politbürokratischen Mainstream glattgebügelt sind.

Schließlich ist Gewährung von Mitteln und Unterstützung nicht politisiert und weitgehend unabhängig von den sogenannten guten politischen Beziehungen. Ganz anders also wie man es in Berlin, München, Köln oder Wien kennt, wo man doch sehr oft Amigoseilschaften, Freunderl/Familien- und Parteibuchwirtschaft erkennen kann. Sprich, die Auswahlvektoren haben wenig bis nichts mit Innovation und Gründergeist zu tun, sondern das Rittern um Subventionen ist das eigentliche Geschäftsmodell.