Es ist ja nicht so, als hätte die Bundeskanzlerin unrecht. Selbstverständlich ist in diesen Zeiten Solidarität gefragt und selbstverständlich ist die Lage ernst.

Frau Merkel hat ihre Rede auch gut rübergebracht, es darf allerdings bezweifelt werden, dass ihre Worte tatsächlich Veränderungen mit sich bringen. Informierte Bürger hätten die Rede nicht gebraucht, die Fakten liegen für sie schon längst auf der Hand, Neuigkeiten gab es für sie nicht.

Egoisten, die immer noch meinen, dass sie das alles nichts angeht, werden der Kanzlerin nicht zuhören. Diejenigen wird man morgen wieder feiernd im Park sehen und in langen Schlangen vor der Eistheke.

Die letzten Tage haben eindrucksvoll bewiesen, dass man sich auf das Herz und den Verstand eines Großteils der Bürger nicht verlassen kann. Da wäre es für ein Staatsoberhaupt an der Zeit, Konsequenzen zu ziehen. Wer nicht hören will, muss fühlen und darf die Gesundheit seiner Mitmenschen nicht aufs Spiel setzen. Es wäre höchste Zeit, eine Ausgangssperre einzuläuten, leider ist dies nicht geschehen.

Wie glaubwürdig die Politik für Menschen ist, denen man gerade alles abverlangt, die zum Teil den finanziellen Ruin vor Augen haben, wenn man sich nicht an Versprechungen hält, wenn man nachwievor Menschen aus dem Iran oder China ohne Quarantäne-Maßnahmen ins Land lässt, kann man sich vorstellen.

Politiker, die so unverantwortlich, schon fast kriminell agieren, nimmt man nicht ernst. Die Dümmsten unter uns werden dieses politische Versagen als Verharmlosung der Pandemie mißinterpretieren.

Dass diese „historische“ Rede ein Umdenken bewirkt, davon kann man nicht ausgehen, ich hätte mir mehr erhofft. Schade.