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KI Strategie der Bundesregierung bescheiden

2018-11-19T09:51:03+00:0015 November 2018|Allgemein, Investment|

Über den Befund braucht man nicht groß debattieren und er ist allgemein bekannt: Deutschland und Europa im allgemeinen haben den Anschluß zur Digitalisierung verpasst. Jetzt geht es um eine Aufholjagd, um zumindest einmal den staus quo zu erringen. Stichworte sind da fehlender Breitbandausbau, digitalisierte Verwaltung, 5G oder ein zu enges gesetzliches Korsett nebst einer kaum vorhandenen riskobereiten Investorenandschaft. In Sachen KI befindet sich Deutschland im Dornröschen-Schlaf.

Dies drückt sich in der Start-up Landschaft zu KI (Künstliche Intelligenz) deutlich aus. In den USA hat man rund 1.400 Start-ups im Bereich KI, in Israel rund 360 und Deutschland dümpelt da irgendwo bei rund 100 Start-ups herum. Andere Zahlen geben ein ähnliches Bild: Deutschland mit 175 KI-Startups, Großbritannien 445 und die USA 2594. Und die Initaitive für “Applied Artificial Intelligence” sieht rund 130 Start-ups im Bereich AI. Andere Quellen wiederum sprechen am Beispiel Israel für das Jahr 2018 kummulativ von rund 8 Milliarden USD an Investmentkapital und zählen rund 1.000 Startups im Bereich AI. Man sieht, dass hier ganz andere Dimensionen gefragt sind. Egal welche Quellen man nun heranzieht, sie unterlegen den Rückstand in Deutschand und Europa – abgesehen von Großbritannien – allgemein.

Mit Geld alleine ist es sicher nicht getan, aber gewiß hilfreich. Jedoch scheint die Bundesregierung lieber kleckern statt klotzen zu wollen: Ganze 500 Millionen will man jährlich bis 2025 investieren. Das ist eindeutig zuwenig. Im Vergleich: China gibt rund 140 Milliarden für KI im selbigen Zeitraum aus. Allein Google investierte rund 4 Milliarden in KI und betreibt rund 7.000 KI-Projekte mit rund einer Million qualifizierten Usern, wie Forbes berichtet. Da nehmen sich die geplanten 12 Kompetenzzentren wie ein Witz aus.

Dabei kann man die Bedeutung von KI nicht hoch genug veranschlagt werden. Bitkom vergleicht es gar mit der Erfindung des Rades oder Buchdrucks: “Künstliche Intelligenz bedeutet für die Weltwirtschaft eine neue Stunde null. KI ist vergleichbar mit der Erfindung von Rad, Buchdruck oder Dampfmaschine. (…) Die geplanten 3 Milliarden Euro bis 2025 aus dem Bundeshaushalt zur Förderung von KI entsprechen 500 Millionen Euro pro Jahr und damit bei Weitem nicht der erkannten und formulierten Bedeutung von KI für Wachstum und Wohlstand.“, so Bitkom-Präsident Achim Berg

Thomas Sattelberg (FDP) sieht da überhaupt nur mehr heiße Luft: “Auch drei Milliarden Euro von 2018 bis 2025 sind Digitale Peanuts, wenn man sie auf Dutzende Einzelprojekte verteilt. Unklar ist bislang zudem, ob in diesem Betrag bereits angekündigte KI-Projekte wie die Cybersicherheitsagentur aufgehen. Beschlossen hat der Bundestag für die KI-Strategie bislang nur 50 Millionen Euro für 2019. Der Rest ist heiße Luft.

Diese 500 Millionen Euro/Jahr sollen durch 100 Professuren und 12 Kompetenzzentren zu KI flankiert werden, was schön klingt, aber man wird Probleme rasch haben, diese Positionen qualifiziert zu besetzen einerseits, andererseits muss man schon hinterfragen, ob derartige Strukturen tatsächlich innovationsfördernd sind. Und die Aufgabe der Ausbildung ist gewaltig. Nach Schätzungen fehlen rund 100.000 Experten für Big Data und KI. Das Ausbilundgskorsett mit 100 Professuren ist da eindeutig zu klein dimensioniert.

Aber neben Geld, Ausbildung und Kompetenz liegt das Grundproblem in den gesetzlichen Rahmenbedingungen, wie Berg sehr klar ausführt. Es mache wenig Sinn, KI zu fördern, Weltmeister in der Grundlagenforschung zu werden, aber dann werden die Anwendungen verboten oder mit derart hohen Hürden belegt, dass sie, die KI Anwendungen, nicht umsetzbar sind: “Neben Einzelmaßnahmen zur Förderung von KI brauchen wir dazu auch einen regulatorischen Rahmen, der neben der KI-Forschung auch die KI-Anwendung ermöglicht. Niemandem ist geholfen, wenn wir vorne Milliarden in die Grundlagenforschung pumpen und dann verbieten, die neuen Technologien auch in der Praxis einzusetzen. Ohne regulatorische Flankierung besteht die ganz reale Gefahr, dass Investitionen wirkungslos verpuffen. An dieser Stelle bleibt die KI-Strategie noch zu viele Antworten schuldig.

Moniert wird auch, dass keine Vergleichsmaßstäbe gesetzt werden bis wann die Professuren und die Kompetenzzentren eingerichtet werden sollen. Jetzt oder in vielen Jahren später? Dies weist auf einen strukturellen Fehler im Verwaltungsbereich hin, denn die Zuständigkeiten sind auf drei Ministerien und zahllose Kommissionen und Räte verteilt. In Summe, Deutschland muss da deutlich mehr in die Waagschale werfen.

 

 

 

 

 

 

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