„Never again“ – dieser Spruch, welcher von Juden formuliert wurde und eigentlich an Juden überall auf der Welt gerichtet ist, sollte Juden dazu ermutigen, sich wehrhaft zu zeigen und sich dahingehend zu emanzipieren.

Und das konkret im Alltag, insbesondere auch, wenn #Nichtjuden unsere Vergangenheitsbewältigung hijacken, aber anstatt sie einfach nur mitzunutzen, gestalten sie dieses #NeverAgain in ihrem Sinne aus.

Diese #Diskussionen unter Juden kennt wohl jeder von uns in jenen kalten Novembertagen im familiären Kreis: man diskutiert, wie für uns Juden eine gesunde #Erinnerungskultur aussehen und wie gesundes, normales jüdisches Leben in #Deutschland funktionieren könne.

Und wir fragen uns, ob sich deutsche Nicht-Juden so eine Frage am Esstisch auch stellen. Wir diskutieren wild gestikulierend und auch ziemlich laut. Mit vielen unterschiedlichen Meinungen und Positionen. Wir sagen oft #Israel und #Integration und ganz oft #Desintegration und noch öfter #Jude.

Schnell landet man mit diesen Worten bei Frage, was uns hier eigentlich am meisten stört: Es ist die Bevormundung, die seit tausenden von Jahren vorherrschende Bevormundung und der Wunsch, sie möge endlich aufhören. Denn auch das kennt jeder von uns, es wird viel zu oft erzählt, wie wir zu fühlen, zu schreiben, zu denken und zu handeln haben.

Wir wünschen uns dabei eigentlich nur recht triviale Dinge: dass uns Nicht-Juden z.B. nicht mehr erklären, warum wir nicht #Holocaust sagen dürfen, sondern #Shoah sagen müssen; inklusive der Erklärung mit dem bildlichen Transport worin der Unterschied liege.

Dass es sich beim „Holocaust“ aufgrund seiner Wortherkunft eher um eine #Opferverbrennung handle, der Begriff „Shoah“ jedoch schon vor dem Versuch der Vernichtung der Juden durch die Nazis unter Juden ein gebräuchlicher war.

Oder, dass wir Juden Nazi-Jargon verwenden würden, wenn wir zum Beispiel bei Erzählungen zu familiären Erlebnissen während der #Reichskristallnacht eben diese als Reichskristallnacht bezeichnen; eben wie sie zu dieser Zeit hieß. Aber der Nicht-Jude entscheidet, wir mögen doch bitte #Reichspogromnacht sagen.

Ja, all das wissen wir, lieber Korrektor, vieles davon weißt Du eben von uns, mir ist aber gerade danach, denn schließlich versetzt mich das emotional in das Deutschland 1933-1945 zurück, wo ich eigentlich nicht und nie hin möchte.

Bei all diesen lehrmeisterlichen „Korrekturen“ kommt nämlich der Wesenskern zum Vorschein, der die Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden – besonders in Deutschland – problematisch werden lässt.

Denn wer lässt sich schon gerne korrigierend Beurteilen, ob die gewählte Sprache oder das gewählte Mittel der Erzählung richtig sei und vor allem darüber, ob die Art und Weise, wie man persönlich damit umgeht, gar nicht „typisch jüdisch“ sei und wenn doch, dass das noch lange nicht heiße, dass sie die richtige Art und Weise wäre, um mit den Gefühlen, die einen begleiten, die richtige Art und Weise sei. Und damit wurde auch ein Totschlagargument erreicht.

Ich kann mich noch erinnern, dass ich nach einem solchen Erlebnis erst einmal eine Zigarette rauchen musste, die Treppen hinabstieg und mich auf eine der untersten Stufen vor dem Hauseingang setzte und minutenlang auf einen dort im Boden versenkten, bronzen-glänzenden Stolperstein starrte, auf dem “Meta Katz. Deportiert 1942.” stand.

Und ich floh im Gedanken an den Pool in Eilat und erinnerte mich daran, wie schön es da doch ist, wenn man von Menschen umgeben ist, die einfach wissen, wie man sich fühlt, so als Jude in Deutschland – zuhause und trotzdem ausgeschlossen, glücklich und traurig zugleich, weil alles einem an die eigene Familiengeschichte erinnert – und wenn sie es nicht wissen, es dann doch zumindest wissen wollen.

„Never Again“, liebe Freunde, heißt für mich nicht, dass man die Vergangenheit immer und immer wieder aufwärmt und sich daran erinnert. „Never again“ schliesst eigentlich mit dieser Epoche ab. Man verändert das, was einem erst zum wehrlosen Opfer machte und lässt sich das „nie wieder“ nehmen.

Lieber Freund, denke in den nächsten Tage darüber nach, wenn Du in den Medien wieder überall von heuchelnder #Anteilnahme überrannt wirst.

Denke dann an mich, wie ich in Eilat am Pool mit einem Glas Whiskey in der Hand sitze und dabei genieße, die Gravur auf diesem Glas zu lesen, wenn ich meinen Schluck absetze und das Glas gegen die Sonne drehe: “Nothing Says Never Again Like An Armed Jew” – Le Chaim.

Never again is now.

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