Seit Jahren eilt die Beteiligungsbranche von einem Rekord zum nächsten. So haben Finanzinvestoren laut Private Equity Trend Report 2019 der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC im vergangenen Jahr europäische Unternehmen im Gesamtwert von rund 262 Milliarden Euro erworben oder verkauft – die höchste Summe seit 2007.

Recheneffekt

„Auf den ersten Blick könnte man meinen, die europäische Beteiligungsindustrie sei frei von Sorgen“, sagt Steve Roberts, Leiter Private Equity bei PwC in Deutschland. Die Wirklichkeit aber sehe anders aus – und das liege nicht allein an der sich eintrübenden Konjunktur.

„Die Wirtschaftsdaten sind das eine“, so Roberts. „Gleichzeitig hat die Branche in den letzten Jahren stark von rechnerischen Effekten profitiert, die sich nun in ihr Gegenteil verkehren könnten.“

In Zeiten von langsamer steigenden oder gar stagnierenden Verkaufspreisen sinkt die Multiple Arbitrage zwangsläufig, da sich Private-Equity-Gesellschaften von Unternehmen trennen müssen, die sie bereits zu vergleichsweise hohen Preisen erworben haben.

Dieser Effekt droht drastisch auszufallen: Schon in diesem Jahr könnte die Multiple Arbitrage von 2,4x auf nahezu null sinken. Für 2020 prognostiziert die PwC-Analyse zwar noch einmal eine Erholung auf 0,7x – spätestens danach dürfte die positive Entwicklung der zurückliegenden Jahre jedoch endgültig ins Gegenteil umschlagen.

Für 2021 und 2022 geht das Beratungsunternehmen von einer durchschnittlichen Multiple Arbitrage von minus 0,3x beziehungsweise minus 0,4x aus, bevor es danach sogar auf minus 1,2x Ebitda hinuntergehen könnte.

Lösungsweg? Digitalisierung und Plattformökonomie

Doch welche Optionen bleiben, um in Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen und stagnierender Preise Renditen zu erwirtschaften?

„Investoren müssen in Zukunft noch deutlich tiefer in die Industrien ihrer Portfoliounternehmen einsteigen“, meint Roberts. Denn gerade die Digitalisierung biete derzeit viele Ansatzpunkte für ein Engagement. „Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, Forschung und Entwicklung, aber auch die Erschließung neuer Märkte und Kundensegmente – das alles erfordert hohe Investitionen.” Ohne Zweifel der richtige Befund und Empfehlung von PwC.

Doch leider fehlt der Mut und die Risikobereitschaft konsequent auf Innovation und Disruption zu setzen. Ein Problem, das Deutschland und Europa grundsätzlich haben.

Quelle: PwC