Es geht um nicht weniger als die Innovation von Innovation und Wissenschaft. Die gezielte Öffnung von Wissenschaft (Open Science) und von Forschung in der Wirtschaft (Open Innovation) ist eine große Chance, das Wissenschafts- und Innovationssystem in Deutschland leistungsfähiger zu machen und seine Wirksamkeit für die Gesellschaft zu erhöhen. Das zeigt die Stifterverbands-Studie “Was gewinnen wir durch Open Science und Open Innovation?”

Bei der gezielten Öffnung von Wissenschaft und Innovation hat Deutschland im europäischen Vergleich enormen Aufholbedarf. Zwar ist die Hälfte aller Fachbeiträge deutscher Autoren frei zugänglich, bei Forschungsdaten ist die Veröffentlichung aber eher eine Ausnahme.

Wie eine strategische Öffnung von Wissenschaft und Innovation gelingen kann, zeigt ein dreigliedriges Modell der Studie. Die Autoren führen dafür die Prinzipien von Open Science und Open Innovation zusammen. Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft würden davon profitieren.

Nach Einschätzung der Autoren hat die Wirtschaft mit neuen, bisher unüblichen Forschungspartnern die Möglichkeit, radikale Innovationen voranzutreiben. Unbürokratische Partnerschaften in offenen Innovationsnetzwerken würde vor allem das Potenzial von Forschung und Entwicklung in klein- und mittelständischen Unternehmen heben.

Die Wissenschaft kann durch neue Innovationskollaborationen die Wiederverwertung ihrer Ergebnisse ausbauen. Bürger und andere Akteursgruppen könnten sich durch die neu gewonnene Transparenz aktiv an Forschungs- und Innovationsprozessen beteiligen – ein wichtiger Beitrag, um in Zukunft Investitionen in Wissenschaft und Forschung zu legitimieren.

Für die erfolgreiche Umsetzung des Modells definieren die Autoren vier Handlungsempfehlungen an Wissenschaft, Wirtschaft und Politik:

1. Entwicklung eines nationalen politischen Handlungsrahmens für strategische Offenheit; in dem Prozess der Strategiebildung sollten Wirtschaft, Wissenschaft sowie Gesellschaft Potenziale und Handlungsfelder gemeinsam definieren.

2. Erweiterung des nationalen Forschungs- und Innovationsmonitorings, um die Wirkung offenen Forschens besser messen zu können.

3. Einbindung unüblicher Akteure in Forschungs- und Innovationsprojekte, vor allem an Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Hier bestehe eine große Chance, neue Lösungen und Erkenntnisse zu schaffen, die stärker gesellschaftliche Werte und Nutzen berücksichtigen.

4. Weiterentwicklung der Transferstrukturen zu Kooperationszentren, um wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur in die Wirtschaft und Gesellschaft zu tragen, sondern auch mit dem Wissen aus Wirtschaft und Gesellschaft neue Forschungsfragen in die Wissenschaft zu transferieren.

Offenes Forschen und Entwickeln bedarf klarer Regeln. Es darf keineswegs bedeuten, dass wir Wissenschaft und Innovation schrankenlos öffnen“, sagt Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes. „Es muss eine strategische Öffnung, das heißt, den jeweiligen Gegebenheiten der Branche angepasste Offenheit geben. So können globale Wettbewerbsvorteile geschaffen werden, um auch im digitalen Zeitalter erfolgreich zu bleiben.

Denn durch Digitalisierung und Globalisierung habe sich die Art und Weise, wie in Wissenschaft und Wirtschaft geforscht und entwickelt wird, grundlegend geändert. Durch höhere Geschwindigkeiten und das interdisziplinäre Arbeiten über internationale Plattformen werden Formate offener Wissenschaft und Innovation immer mehr grundlegende Voraussetzung für langfristigen wirtschaftlichen Erfolg.

 

 

 

 

(Quelle/Sender: Stifterverband)