Mind the Bridge – eine 2007 von Marco Marinucci mit der Unterstützung einer Gruppe von Unternehmern gegründete gemeinnützige Stiftung, die sich leidenschaftlich der Erziehung zum Unternehmertum widmet – hat einen aktuellen Report über das Geheimnis der Start-up Nation Israel herausgegeben. Im Selbstverständnis beschreibt sich Mind the Bridge als “…eine Innovationsberatungsfirma (…) an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und Start-ups”.

Ohne Zweifel kann man viele Faktoren und Gründe benennen. Mind the Bridge hat einen besonders in den Blick genommen: Die Rolle und Bedeutung von Konzernen oder dem Corporate Venture Capital (CVC). CVC stellt nun neben klassischen Venture Capital (VC) einen weiteren treibenden Faktor dar und beide stehen so in einer tendenziellen Konkurrenz, um die Ressource Start-up.

(c) Mind the Bridge

Ein Verhältnis, was man sich in EU-Europa kaum vorstellen kann, wo ja nach wie vor Start-ups als Bittsteller gelten, die man gut und gerne mit ein paar Coachingrunden und Mikrobeträge im niedrigen Millionenbereich abspeist und den universitären Mittelbau in Dauerprekariate hält.

Die Rolle globaler Unternehmen sei entscheidend für den Erfolg des israelischen Ökosystems, so der neue Bericht “Corporate Innovation in Israel”, der von Mind the Bridge anlässlich des Digital Scaleup Summit Israel 2020 und des Climate Policy Forum (organisiert von der Europäischen Kommission – GD Forschung und Innovation und der EU-Delegation in Israel) vorgestellt wurde.

Mind the Bridge führt in seiner Pressemitteilung aus: “Eine “Armee” von über 40.000 Tausend Menschen ist in Israel auf der Jagd nach Innovationen. Unsere neue Untersuchung zeigt, dass 155 multinationale Unternehmen mit einem oder mehreren Innovationsvorposten in Israel aktiv sind.

Die Gründe für eine solche Präsenz sind leicht zu erklären, wenn man sich die Zahlen ansieht, die das israelische Innovations-Ökosystem in der Lage war, über 1.600 Scale-ups zu produzieren, die kumulativ 39 Milliarden Dollar und mehr einbringen konnten.

Das entspricht 18,4 Scale-ups pro 100.000 Einwohner. Abgesehen von Silicon Valley gibt es keine anderen Orte auf der Welt mit einer so hohen Scaleup-Dichte. Auch die Scaleup-Investitionsquote (Kapitalbeschaffung im Vergleich zum BIP) ist die zweithöchste der Welt.

Das bedeutet, dass Israel zunehmend an Reife gewinnt, wie die Zahl der Scalers (d.h. der Technologieunternehmen, die in der Lage sind, mehr als 100 Mio. USD aufzubringen) zeigt. Das nächste Ziel für Israel ist die Produktion von Tech-Giganten, zumindest was die Kapitalbeschaffung betrifft (derzeit gibt es keine Super-Scaler).

Die Rolle der globalen Konzerne ist für den Erfolg des israelischen Ökosystems von entscheidender Bedeutung. Globale Unternehmen sind seit Jahrzehnten in Israel tätig, meist durch einen F&E-Ansatz. In den letzten Jahren haben wir eine starke Verlagerung hin zu einem schlankeren Ansatz und dem Einsatz offener Innovationsmechanismen erlebt.

Immer mehr Unternehmen experimentieren zunehmend mit verschiedenen Partnerschaftsmodellen, wodurch Innovation kosteneffizienter wird. Dieser Trend ähnelt dem, was wir seit 2010 im Silicon Valley beobachten.

Allerdings sind die israelischen Innovationsvorposten nach wie vor im Durchschnitt größer als die im Silicon Valley, wo trotz einer breiteren Präsenz die Gesamtzahl der Innovationsleiter um 30% niedriger ist. Dies bestätigt, dass die israelischen Innovationsvorposten einen stärker auf Forschung und Entwicklung ausgerichteten Ansatz verfolgen, während der Grund für die Präsenz im Silicon Valley eher auf Transaktionen (Investitionen und Fusionen und Übernahmen) zurückzuführen ist. Infolgedessen ist das Volumen der CVC-Deals in der Bay Area um eine Größenordnung höher.

Jedes zweite Unternehmen mit einer Außenstelle in Israel stammt aus den USA (79 von 155, was 53% entsprich), was die starke Verbindung zwischen den beiden Ländern in Bezug auf Innovationspraktiken deutlich macht. Europa (mit 50 Unternehmen, was 32% entspricht) und APAC (23 Unternehmen, was 15% entspricht) folgen, wobei deutsche und japanische Unternehmen an der Spitze stehen. Noch begrenzt, wenn auch im Steigen begriffen, ist die Präsenz Chinas (4%). Elektronik sowie IT und Software bilden den Kern der Unternehmensvorposten in Israel, im Gegensatz zu Automotive, Telekommunikation und Finanzen im Silicon Valley.”

So ist es wenig überraschend, dass Israel eigentlich nur mehr mit Silicon Valley vergleichbar ist und beide eine eigene Liga für sich darstellen. EU-Europa ist da vollständig abgehängt und beschäftigt sich lieber damit, Israel abzumahnen und seine Feinde zu ko-finanzieren und politisch zu schützen.

Nach dem Report nach haben lediglich 14 Deutsche Konzerne eine Search&Find Repräsentanz in Israel und wirkt so sehr bescheiden. Von entscheidenden Investitionen wie von Boeing oder Intel Lichtjahre entfernt. Da ist noch sehr sehr viel Luft nach oben. Aber man wird in Israel sicherlich bald sehr genau bemerken, wie sich die Deutsche Bundesregierung gegen Israel positioniert, und entsprechend reagieren. Sicher nicht offiziell, aber will man gerne mit jemanden sprechen, der auf der anderen Seite einen maßregelt, wie gestern der Deutschen Bundestag?

(c) Mind the Bridge

Und Mind the Bridge führt weiter aus: “Israel ist bekannt für seine große Anzahl qualifizierter Fachkräfte in einem breiten Spektrum von Sektoren, und internationale Unternehmen nutzen diesen Pool an Talenten seit Jahrzehnten, um ihre Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen voranzutreiben. Es ist daher keine Überraschung, dass mehr als die Hälfte der Repräsentanzen, die wir gefunden haben, F&E-Zentren sind.

Zusätzlich zu den 107 F&E-Zentren verfolgte der Bericht 45 Corporate Innovation Labs, 39 CVCs und 7 Corporate Innovation Antennas. Etwa die Hälfte hat strukturierte Operationen mit Teams von mehr als 50 Personen, 58 davon mit mehr als 200 Personen.

Umgekehrt ist etwa ein Drittel der sogenannten “Außenstellen” (62) in kleinen und schlanken Teams von weniger als 10 Personen organisiert, entweder in Form einer Corporate Innovation Antenna (7), CVC (39) und kleinen Innovation Labs (15). Etwa die Hälfte der Corporate Innovation Labs haben sich für ein Team von 10-50 Personen entschieden, und nur 5 Labore sind zu größeren Teams herangewachsen.

Vor allem die F&E-Zentren haben sich seit dem Jahr 2000 alle 10 Jahre fast verdoppelt, was bestätigt, dass Israel seit Jahrzehnten als strategisches Ökosystem anerkannt ist, in dem Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten etabliert werden können.

Die Innovationslabors, die ein breiteres Spektrum von Aktivitäten im Zusammenhang mit Unternehmensinnovationen verwalten, sind sogar besonders interessant, da sich ihre Zahl nur in den letzten 5 Jahren verdoppelt hat. Darüber hinaus haben auch die Corporate Innovation Antennas begonnen zu wachsen, wobei 6 von 7 Außenstellen dieser Art in den letzten 5 Jahren eingerichtet wurden. Und schließlich weiten auch die CVCs ihre Präsenz aus, deren Zahl sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht hat, von 13 auf 39 Außenstellen.

Der größte Cluster für Unternehmensinnovation in Israel ist, was nicht überrascht, Tel Aviv, wo mehr als ein Drittel der Innovationsposten (74, oder 37% der Gesamtzahl) und 5 von 7 Antennen für Unternehmensinnovation angesiedelt sind. Die innovationsbezogenen Aktivitäten sind jedoch über die gesamte Startup Nation verteilt und konzentrieren sich in einer Reihe von pulsierenden Zentren wie Herzliya (26 Außenposten oder 13%) und Ra’anana (13%), Petah Tikva (11%) und Haifa (8%).”

Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass in der Wirtschaft Deutschlands kaum ein breiteres Interesse am Ecosystem Israel besteht, wie auch oft irritierende Reaktionen von Unternehmen auf Anfragen von GLOCALIST zeigen, wo ja der Berichtsfokus auf dem Ecosystem Israel liegt, oder man von subtil mobartigen Lobbyismus hört, um Investitionen in Israel zu hintertreiben. Dies gereicht ohne Zweifel zum Schaden des Standortes Deutschland. Mit 14 Unternehmen ist Deutschland am zweitstärksten Standort für Innovation einfach zu schwach vertreten. Da gibt es Handlungsbedarf.

Quellen: Mind the Bridge, Glocalist