Es gibt Dinge, die glaubt man nicht. So z.B. den Kommentar der tagesschau anlässlich der Gedenkveranstaltung “75 Jahre Auschwitz-Befreiung” in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Wie dreist kann man sein und wie anmaßend kann man formulieren?

Der Gedenktag in Yad Vashem wurde von den egoistischen Auftritten Israels und Russlands überschattet. Eine vertane Chance im Kampf gegen Antisemitismus.

Liebe tagesschau-Redaktion, es geht bei diesem Gedenktag in Israel (fast) nur um Juden. Und zwar nicht weil sie egoistisch sind, sondern weil sie millionenfach umgebracht wurden. Und darum verarbeiten sie diesen Massenmord auch ganz egoistisch.

Eines der Merkmale jüdischer Kultur ist eine starke Verbundenheit mit der eigenen Geschichte. Als Nachkomme bin ich zwar selbstverständlich eine neue Generation, fühle aber wie fast alle Jüdinnen und Juden, eine enge Verbindung zu den Opfern der Shoah.

Wir trauern um die getöteten Mitglieder unserer Familien und danken den Alliierten, die diesem Grauen ein Ende gesetzt haben – darunter auch den USA und Russland.

In Jerusalem war ich nicht dabei kann daher nicht beurteilen, wer wen wie lange hat warten lassen. Aber, wenn sich da ein oder zwei Regierungschefs Ihrer Meinung nach unwürdig verhalten haben, dann schreiben Sie das auch so! Und nicht, wie Sie es tun: Sie kritisieren pauschal und mehrfach „Israel“ und verurteilen damit alle dessen Bürgerinnen und Bürger. Das ist der zweite, schändliche Aspekt Ihres Kommentars.

Und als Drittes zweifeln Sie daran, ob aus dem Erinnern konkrete Handlungen folgen werden. Damit teilen Sie einen meiner wesentlichen Kritikpunkte an deutschen „nie wieder“-Beteuerungen.

Die Verantwortung dafür haben Sie jedoch von sich weg geschoben und sehen Sie, bei wem wohl? Bei Israel! Frei nach dem Motto: „Wer sich nicht benimmt, wie ich es richtig finde, ist selbst schuld am Antisemitismus!“

Schließlich beklagen Sie den schalen Nachgeschmack, den dieser Tag nun hinterlasse. Da habenSie Recht, aber einer der wesentlichsten Verursacher dieses schalen Nachgeschmacks in Deutschland sind Sie selber.

Es gibt Jüdinnen und Juden, die fordern von Ihnen eine Entschuldigung. Das tue ich nicht, weil ich leider nicht glaube, dass Sie ernsthaft verstehen, was ich Ihnen schreibe.

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