Ein im Technion entwickeltes Kartierungssystem erhöht die Unabhängigkeit von sehbehinderten Fußgängern in städtischen Räumen

Technion-Forscher haben ein innovatives Kartierungssystem für blinde Fußgänger entwickelt. Die Studie wurde von Achituv Cohen, einem Doktoranden in der Abteilung Transportation and Geo-Information Engineering der Technion-Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwesen unter der Leitung von Asst. Professor Sagi Dalyot durchgeführt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation gibt es derzeit weltweit mehr als 40 Millionen sehbehinderte Menschen. Diese Bevölkerung meistert viele alltägliche Herausforderungen, von denen einige mit dem Reisen im städtischen Raum zusammenhängen.

Beim Gehen stellen verschiedene Umweltmerkmale eine Gefahr dar: Treppen, Fahrräder und Autos, physische Hindernisse auf dem Bürgersteig und vieles mehr. Diese schränken Mobilität und Unabhängigkeit stark ein und beeinträchtigen die Lebensqualität.

Es gibt bereits Technologien, die die Mobilität von sehbehinderten Fußgängern bis zu einem gewissen Grad verbessern, indem sie auf nahe gelegene Straßenhindernisse hinweisen. Diesen Technologien fehlen jedoch wesentliche Informationen über den umgebenden Raum.

Die Studie, die in der Zeitschrift Environment and Planning B: Urban Analytics and City Science veröffentlicht wurde, untersuchte die Möglichkeit, OpenStreetMap zu verwenden, um räumliche Daten, die für blinde Fußgänger relevant sind, zu kartografieren und gleichzeitig optimierte Gehrouten zu berechnen.

OpenStreetMap ist eine Open-Source-Kartierungsinfrastruktur, die auf einer Crowdsourcing von Geodaten basiert, die von Bürgern auf der ganzen Welt beigesteuert werden. OpenStreetMap bietet maximale Flexibilität in Bezug auf das Einfügen, Bearbeiten und Analysieren. Es integriert auch akkumulierte Kartendaten und räumliche Informationen.

In seiner Studie entwickelte Achituv eine Routenberechnungssoftware zur Generierung von Fußgängerrouten, die an die Bedürfnisse blinder Fußgänger angepasst sind. Die Studie umfasste eine eingehende Untersuchung, Beobachtungen und Interviews mit Orientierungs- und Mobilitätslehrern sowie mit blinden Personen.

Die Feldarbeit führte zu einer klaren Definition räumlicher Kriterien, die Aspekte der Mobilität, Zugänglichkeit und Sicherheit am besten widerspiegeln und durch vier Hauptparameter definiert sind: geometrische Komplexität der Route, Art der Route und wozu sie benutzt wird, Länge der Route und Orientierungspunkte entlang der Route. Auch andere Merkmale wurden integriert, wie die Zugänglichkeit von Verkehrssignalen.

Die Software wägt die Umwelt- und semantischen Daten ab, die für Sehbehinderte wichtig sind, wobei der Schwerpunkt auf sicheren, zugänglichen und befahrbaren Routen liegt. Diese Kriterien ermöglichen eine qualitative und quantitative Untersuchung der verschiedenen verfügbaren Straßenabschnitte zwischen dem Start- und dem Zielort, um den Grad der Zugänglichkeit und Sicherheit zu bestimmen und so die am besten optimierte Route zu empfehlen.

Die entwickelte Software wurde von blinden Freiwilligen und einem Orientierungs- und Mobilitätsführer an mehreren Orten getestet. Die von der neuen Software empfohlenen Routen waren nicht nur identisch mit den von einem erfahrenen Führer definierten Routen, sondern die Freiwilligen stellten auch fest, dass die von der Software gewählte Route in den meisten Fällen tatsächlich zugänglicher und sicherer zu Fuß zu bewältigen war als die von bestehender kommerzieller Software, wie z.B. Google Maps, berechneten Routen.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Software ein wirksames und nützliches Werkzeug ist, das das Leben sehbehinderter Menschen in Bezug auf Mobilität, Zugänglichkeit und Unabhängigkeit verbessert.

Quelle/Sender (gekürzt): Technion