Wie bei jeder Großveranstaltung blieb auch nach den Events der Berlin Fashion Week im Sommer jede Menge Baumaterial aus Messeständen und Bühnenbauten einfach mal liegen. Ihr Weg in den Container schien sicher und unvermeidlich. Eine massive Verschwendung von wertvollen Materialien, die gerade bei Modeshows eher hochwertig sind. So auch bei der Neonyt, der Plattform für nachhaltige Mode, die im Juli noch unter den Namen Ethical Fashion Show Berlin und Greenshowroom lief.

Gemeinsam mit vier Leipzigern und ihrem Projekt „Trash Galore“ überführte der Veranstalter, die Messe Frankfurt, überschüssiges Material in sinnvolle Zwecke.

Im Auftrag der Messe Frankfurt sicherte das Team um Lukas Binner, Fabian Höffner, Anne-Sophie Müller und Tim Stollberg aus Leipzig während des Abbaus der Neonyt im Kraftwerk Berlin im Juli insgesamt rund eine Tonne an Molton, Farbresten, Holzbalken und -latten, Holzfaserplatten, Kunststoffplanen, Malerzubehör und Teppich. Das Material ging im Anschluss als Spende an soziale und gemeinnützige Initiativen.

Vom Pilotprojekt zur Gründung

Dass „Trash Galore“ das Potenzial hat, zu wachsen, sahen auch die Juroren des Social Impact Lab Leipzig. Hier überzeugten Lukas, Fabian, Anne-Sophie und Tim kürzlich in einem Gründerpitch und erhalten nun ein Gründerstipendium im Gegenwert von 12.500 Euro. Damit verbunden ist unter anderem eine professionelle Begleitung in der Start- und Implementierungsphase der Neugründung.

Unser mittelfristiges Ziel ist es, einen gemeinnützigen Bau- und Kunstmarkt in Leipzig aufzubauen, der Secondhand-Materialien anbietet. Damit möchten wir in erster Linie soziale, kulturelle und kreative Initiativen unterstützen, denen es an Material und Budget mangelt, um Projekte umzusetzen. Das kann das kleine Theater um die Ecke sein, das Holz für ein neues Bühnenbild braucht oder die soziale Werkstatt, die mit Menschen mit Behinderung zusammenarbeitet“, so Fabian Höffner.

Material geht an Kunstschaffende und Kreative

Das im Abbau der Neonyt gesammelte Material ging unter anderem an die offene Werkstatt der Alten Gießerei in Berlin, die einen Druckraum, Ateliers, ein Näh- und Tonstudio sowie Maschinen zur Holz- und Metallbearbeitung bietet. Der Verein nutzt das gespendete Material, um neue Regale und Pflanzkübel für seine Terrasse zu bauen.

Ein Teil ging zudem an Kunst-Stoffe Berlin, die verschiedenste Materialien und Gegenstände sammeln, sortieren und für einen geringen Preis an Kunstschaffende und Bildungseinrichtungen abgeben.

Auch die Werkstatt des Vereins JiM Jugend im Museum erhielt eine Materialspende, die in Kunst-Workshops für Kinder und Jugendliche in Zusammenarbeit mit Museen einfließt. Man darf sich wundern, dass eine Selbstverständlichkeit bei einer sich als nachhaltig definierenden Modeschau erst nach Jahren auf diese Idee kommt, aber besser spät als nie. Grund zum Feiern und Schulterklopfen ist es nicht, aber das Projekt an-sich ist ohne Zweifel sinnvoll und richtig.