Neue Forschungsergebnisse der NYU Stern, der Freien Universität Bozen und der Università Bocconi zeigen, dass Investitionen in nicht-börsennotierte Betriebe entgegen bisheriger Annahmen zuverlässigere Erträge bringen als jene in börsennotierte Unternehmen.

Das Ergebnis beruht auf einem neunjährigen Forschungsprojekt, in dem die Ertragsqualität von fast 400.000 europäischen Unternehmen in elf Ländern untersucht wurde.

Börsennotierte Unternehmen bieten potenziellen Investoren dank Marktdisziplin und Transparenz zuverlässigere Finanzdaten als nicht notierte Unternehmen: Diese weit verbreitete Überzeugung wird nun von einer Studie der NYU Stern School of Business, der Freien Universität Bozen und der Università Bocconi widerlegt. Ein internationales Forscherteam zeigt darin auf, dass in Europa Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind, im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen bei vergleichbaren Organisationsstrukturen eine höhere „Ertragsqualität“ (Earnings Quality oder EQ) erzielen. Diese ist ein wichtiges Maß für die Zuverlässigkeit von Finanzberichten.

Anhand von Daten, die über einen Zeitraum von neun Jahren (2005-2014) gesammelt wurden, untersuchten Paul Zarowin, Professor an der NYU Stern, Massimiliano Bonacchi, Professor an der Freien Universität Bozen und Gastprofessor an der NYU Stern, sowie Antonio Marra, Professor an der Università Bocconi, die EQ von fast 400.000 europäischen Unternehmen in elf Ländern.

Um die Ertragsqualität der beiden Unternehmensformen zu vergleichen, haben die Autoren nicht-börsennotierte Unternehmen zunächst in zwei Kategorien eingeteilt: (1) eigenständige Unternehmen und (2) Unternehmensgruppen. Da alle börsennotierten Unternehmen als Unternehmensgruppen strukturiert sind, verglichen die Autoren die Jahresabschlüsse von börsennotierten Unternehmen mit jenen nicht-börsennnotierter Unternehmensgruppen, um so herauszufiltern, wie nicht markbedingte Größen wie zum Beispiel Steueranreize oder der Druck der Stakeholder auf die Ertragsqualität von börsennotierten bzw. nicht-notierten Unternehmen wirken.

Die Co-Autoren kommen zu dem Schluss:

• Beim Vergleich von börsennotierten mit nicht-notierten Unternehmen (sowohl Einzelunternehmen als auch Unternehmensgruppen) weisen börsennotierte Unternehmen eine höhere EQ auf. Werden dagegen börsennotierte Unternehmen mit nicht-notierten Unternehmensgruppen verglichen, erzielen die nicht-börsennotierten Unternehmensgruppen eine höhere EQ.

• Eine bemerkenswerte Ausnahme von der Regel ist Großbritannien, der am weitesten entwickelte Markt in Europa, wo sich auch bei diesem Vergleich börsennotierte Unternehmen als zuverlässiger erweisen als nicht-notierte Unternehmen.

„In weniger anspruchsvollen Kapitalmärkten sind die Anreize für das Erstellen hochwertiger Finanzberichte nicht stark genug”, erklärte Prof. Zarowin. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass börsennotierte Unternehmen oft überhöhte Gewinne ausweisen, um ihre kurzfristige Performance zu verbessern. Aufgrund dieses Trends sollten Anleger auf vielen europäischen Märkten diese öffentlich zugänglichen Finanzdaten kritischer hinterfragen.“

Quelle: NYU und Universität Bozen