Für Pitchbook, der größten privat geführten Crowd-Analysten Plattform für die Startup-Ecosysteme der Welt mit Sitz in den USA, hat seinen aktuellen Bericht zu Wagniskapital aka Venture Capital für “Europa” publiziert.

Es mag vielleicht eine Herausforderung für US-Analysten sein, genau zu verorten, wo denn “Europa” liege, aber es tun sich auch europäische Politiker und Medien damit schwer damit.

Ohne diese Feinheiten an dieser Stelle zu vertiefen, denn sie mögen über den Atlantik hinweg verloren gegangen sein, sind die Ergebnisse von Pitchbook hochinteressant, denn sie legen eine schwer blutende Wunde “Europas”, eigentlich EU-Europas, auf: Der Wagniskapitalmarkt hat sich aus EU-Europa de facto verabschiedet.

EU-Europa ist – durch die Inkompetenz der Politik und den kurzsichtigen Opportunismus der Wirtschaft, das nur Geschäftsmodelle sieht und angreift, wo der Staat substantiell mit Förderungen bereit steht, aber keine Visionen und Mut zum Risiko mehr hat – irrelevant.

EU-Europa hat ein Problem

Auf den ersten Blick sind die Zahlen, die da Pitchbook über “Europa” kommuniziert, schwer beeindruckend. Sie geben zumindest Hoffnung. Trotz der Pandemie habe” Europa” rund 46 Milliarden USD Wagniskapital (Venture Capital) auf sich vereinen können.

Eine rund 10% Steigerung im Vergleich zum Jahr 2019, wo es rund 42 Milliarden USD waren. Immerhin möchte man ausrufen. Doch beginnen wir mit der Subtraktion und machen die Zahlen ehrlich.

Die Subtraktion

Pitchbook rechnet das von EU-europäischen Medien und Politiker cum grano salis vielgehasste Vereinigte Königreich von Großbritannien (UK) zu “Europa”. Macht schlanke 13,7 Milliarden USD auf der Minusseite.

Weiter mit der Subtraktion: Norwegen, auch kein Mitglied von EU-Europa, performt sehr ordentlich mit rund 500 Millionen USD. Dies entspricht einer Steigerung von 2019 auf 2020 von 73,9%. Dies meint, von Norwegen ist noch einiges zu erwarten.

Und schließlich die Schweiz, die bekannterweise auch kein Mitglied der EU ist, mit rund 2,5 Milliarden USD. Sie performt ähnlich gut wie UK und Israel und sollte eigentlich die Benchmark für Österreich darstellen. Österreich wird ungefähr im Verhältis 1:10 von der Schweiz abgehängt, wie weiter unten gezeigt.

Könnte man noch argumentieren, dass diese Staaten doch Teil von “Europa” darstellen, so bleibt doch auffällig, dass der Teil, der nicht zum EU-Europa gehört, auffällig besser performt als EU-Europa. EU-Europa unter Führung Deutschlands hat ganz augenscheinlich ein schweres ökonomisches Problem. Und sollte sich vielleicht seinen moralisierenden Kasernenhofton gegenüber den Nicht-EU-Staaten sparen.

Israel: ein Teil Europas?

Weiters sieht Pitchbook Israel als Teil “Europas” mit beachtlichen 4,9 Milliarden USD an Wagniskapital (Venture Capital). Am Rande bemerkt: Eigentlich sind es im Falle Israel rund 10 Milliarden USD, wenn man alle Investments rechnet, also auch Kapitalerhöhungen bzw Investments durch CVC, Crowdfunding und private Investoren, wie auf Glocalist berichtet.

Ob nun 10 oder 5 Milliarden, bleibt ein anderes Thema. In jedem Fall sind diese rund 5 Milliarden USD abzuziehen, denn Israel gehört nicht zu EU-Europa und ist auch nicht Teil Europas.

Fakt ist, dass EU-Europa versucht, Israel politisch zu schaden, wo nur möglich, wie beispielsweise in der UNO oder bei der Finanzierung von islamistischen Terror gegen Israel oder sein massives Nichtstun gegen den rasant anwachsenden Antisemitismus in EU-Europa, ja sogar diesen auf besonders perfide und heuchlerische Art und Weise befördert.

Venture Capital aka Wagniskapital ist aber entscheidend für Innovation, wo EU-Europa gegenüber Israel mehr als nur zurückgefallen ist, wie alle einschlägigen Rankings zeigen.

EU-Europa steht mit Israel in einem Konkurrenzkampf um Wagniskapital und Innovation. EU-Europa ist zunehmend nicht nur auf die USA, sondern auch auf Israel als Innovationsmotor angewiesen. Das ist ein Fakt. Was Produktion betrifft, hat EU-Europa sich so und so schon an China “verkauft”. EU-Europa ist aktuell ein Bund von Konsumenten und Steuerzahler in einem nach Außen ziemlich abgeschotteteten Markt. Damit kann man nicht reüssieren.

Deutschland versucht aktuell mit Israel in Sachen Startups und Mittelstand in Kooperation zu kommen. Das ist verständlich aus deutscher Sicht, hat aber auch eine nicht zu unterschätzende Doppelbödigkeit und Gefahr sowohl für Israel als auch für die Diaspora in sich; doch dazu später mehr.

Einige EU-Staaten im Vergleich

Im Vergleich dazu Deutschland mit 6,8 Milliarden USD, Frankreich mit 6,1 Milliarden USD oder Italien mit rund 500 Millionen USD, was eine Blamage ist. Und auch Österreich bliebt da weit unter seinen Verhältnissen mit rund 260 Millionen USD. Das ist die Größe eines mittleren VC-Fonds in Israel.

Schweden mit rund 3,2 und Finnland mit rund 1,2 Milliarden USD liegen im EU-Europäischen Mittelfeld mit Spanien mit 1,4 Milliarden USD. Blickt man in die Details, dann fällt weiter auf, dass die Anzahl der Deals sehr stark zurückgegangen ist von 7,502 (2019) auf 5,883 (2020).

Aber ein anderes Detail sollte, besonders Deutschland, zu denken geben. Mit Qatar Investment Authority ist ein islamistischer Staat ein wichtiger Player innerhalb der deutschen VC-Szene.

Dies ist angesichts der weltpolitischen Lage und auch der sehr positiven Entwicklungen im Nahen Osten keine gute Nachricht. Deutschland und seine Unternehmen, wo Katar und Co investiert sind, haben da ein mehrfaches politisches Problem.

Die Bilanz: Statt 46 Milliarden bleiben nun 24,4 Milliarden

Von der stolzen Zahl von rund 46 Milliarden USD muss man nach der großen Übung der Ehrlichkeit nun von 24,4 Milliarden USD Venture Capital (Wagniskapital) sprechen, das EU-Europa mit rund 450 Millionen Einwohner und als stärkster Binnenmarkt der Welt, wie EU-Funktionäre und Politiker immer wieder gerne betonen, auf sich ziehen konnte.

Das ist eine Minderleistung, das ist blamabel, das ist eine underperformance. Würde man die Zahlen von Israel sehr grob hochrechnen, dann sollte EU-Europa ca 150 Milliarden USD Wagniskapital auf sich ziehen können.

Die Frage ist daher, wenn schon Israel in die Nähe von Europa gerückt wird, was können EU-Europa und Deutschland von Israel lernen?

Jedenfalls liegt es nicht an mangelhafter Transparenz des israelischen Marktes und den fehlenden Wissenszugängen über diesen, wie einige unterinformierte, staatsnahe NGO meinen – und wofür ja GLOCALIST ein Gegenbeispiel ist, denn GLOCALIST bietet ja Informations- und Wissenszugänge zur Wirtschaft Israels auf täglicher Basis und mehr an -, warum deutsche Mittelstandsunternehmen und Startups kaum einen Zugang zu den israelischen Ecosystemen finden und substantielle Kooperationen mit israelischen Startups fast inexistent sind.

Bitte keine Akteure, die Plattform- und Netzwerkaktionismus üben und Antisemitismus ausblenden

Vielmehr haben Deutschland und EU-Europa ein massives strukturelles Problem und eine zu ängstliche, risikoscheue aber auch überhebliche, arrogante Unternehmenskultur, die cum grano salis lieber den Weg zur nächsten Förderung als zum nächsten Markt sucht, dominiert.

Man wähnt sich so toll, dass man nur mehr “Befremden” ausdrücken kann, wenn der Markt nicht am Türschild “Made in Germany” anklingeln will, als pro-aktiv mit Chuzpe zu handeln. Deutschlands Wirtschaft ist cum grano salis nicht fit für Israel.

Und deutsche Unternehmen wie “ihre” – oft finanziert durch Öffentliche Hände – Netzwerke und Plattformen, vor allem jene die auf Israel fokusieren, täten gut einmal daran, den Antisemitismus in Deutschland auszukehren. Und der kommt nicht nur von “Rechts”, sondern aus dem links-grünem Milieu, der Mitte und den vielen in Deutschland hofierten islamistischen Verbände.

Der Historiker Michael Wolffsohn schreibt da zutreffend: “Wieder droht daher den Juden Gefahr von unten. Anders als seit 321 n. Chr. sind wir Juden nicht mehr auf Gnade angewiesen. Wir haben Israel. Ein „judenreines“ Deutschland verlöre aber dringend benötigtes israelisches sowie allgemein jüdisches Know-how. Deutschland hat die Wahl.”

Das wird man israelischen Unternehmen verstärkt nahe bringen müssen, dass vom deutschehn Staat finanzierte Netzwerke, Foren und Plattformen freundliche Nasenlöcher in Richtung Israel und israelische Unternehmen machen, aber zu Hause in Deutschland brav den Mund halten und zusehen, wie für die Diaspora, das jüdische Leben die Gefahr drohend wächst bzw. diese verharmlost wird bzw. engagierte Juden diskret diffamiert werden.

Über den Antisemitismus aus der christlich-demokratischen Mitte und dem staatlich finanziertem links-grünem Milieu als neue “deutsche Elite” wird gerne von diesen Plattformen, Netzwerken und Foren geschwiegen, dafür aber umso mehr gegen den Antisemitismus von “Rechts” – zu recht und richtigerweise – getobt. Im deutschen Kontext ist das freilich Gratismut. Alibi und hat auch keinerlei Effekt und Resultate. Ja, oft sind diese Netzwerke Teil bzw affin zu diesem links-grünem staatsfinanzierten Milieu.

Freie Markwirtschaft in EU-Europa und Deutschland im freien Fall

Die freie Marktwirtschaft wurde aus Deutschland und EU-Europa weitgehend ausgetrieben. Sie ist nur mehr ein Lippenbekenntnis. Es geht daher folgerichtig abwärts und schon gewinnt dere Antisemitismus in der Breite.

Es braucht so nicht noch mehr staatlich finanzierte Interessens- und Plattformakteure, die als Nicht-Unternehmer versuchen, unternehmerische Netzwerke zu “schaffen”, sondern es bedarf sehr tiefgreifende Reformen hin zu mehr Freiheit, weniger Steuern&Regulierungen und ein neues Unternehmens- und Insolvenzrecht.

An bürokratischen Hologrammen auf der großen vom Staat ausgehaltenen Akteurenbühne der Plattformen und Arbeitskreise, die Unternehmertum und Chuzpe und neuerdings Innovation und Disruption schwubbelend simulieren, haben EU-Europa und Deutschland genug. Freilich, es gilt die Unschuldsvermutung. Ausnahmen immer eingeräumt und mitgedacht.

Und so unterhalten sich staatliche Aktuere über die Grenzen hinweg und sind ganz berauscht voneinander. Gestern Vorreiter der Nachhaltigkeit, heute Disruptoren und Innovatoren. Wow. geht schon, nema problema. Sobald der Förderhahn abgedreht, der Fördertopf leer gelöffelt ist, sind diese Initiativen ohne nennenswerte Resultate auch gleich mausetot.

Von Nachhaltigkeit ist da nicht zu sprechen. Sie üben sich im Plattform- und Netzwerkaktionismus, der sich in sich selber erschöpft und sich selbst genügt. Es sind Blasen finanziert von der Öffentlichen Hand.

Resultat sind die immer gleichen Formate mit sehr geschlossenen Clubcharakter, wo sich die immer gleichen Funktionärstypen tummeln, um den nächsten Fördertopf zu erkunden oder anzuschieben.

Vielleicht sollte man mal das Undenkbare wagen und direkt private Unternehmer und Start-ups einbeziehen, um win-win Situationen zu schaffen…aber das ist ein anderes, utopisches Thema.

Anmerkung: Dieses Kommentar vom 24.12.2020 wurde um das Zitat von Wolffsohn upgedatet am 201.2021