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Berkshire Hathaway investiert Milliarden in Technologie und Aktien unter Greg Abel

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

Berkshire Hathaway investiert Milliarden in Technologie und Aktien unter Greg Abel Glocalist Press © glocalist.press
Berkshire Hathaway investiert Milliarden in Technologie und Aktien unter Greg Abel © glocalist.press

Berkshire Hathaway setzt unter CEO Greg Abel verstärkt auf Technologieaktien und KI, bleibt aber dem Value-Ansatz treu. Welche Risiken und Chancen ergeben sich aus der neuen Investitionsstrategie

Mit dem Wechsel an der Spitze von Berkshire Hathaway Anfang 2026 hat Greg Abel die Verantwortung für einen der größten Investmentkonzerne der Welt übernommen. Nach Jahrzehnten unter Warren Buffett steht das Unternehmen nun vor der Aufgabe, die unter Buffetts Führung angesammelten Rekord-Cash-Bestände von zuletzt 380,2 Milliarden US-Dollar neu zu allokieren. Während Abel angekündigt hat, den Value-Investment-Ansatz seines Vorgängers fortzuführen, setzt er zugleich neue Akzente bei der Auswahl der Zielunternehmen und Branchen.

Strategiewechsel bei Investitionen

Im zweiten Quartal 2026 investierte Berkshire Hathaway rund 19,8 Milliarden US-Dollar in Aktien und überschritt damit erstmals seit mehr als drei Jahren die Schwelle, mehr zu kaufen als zu verkaufen. Besonders auffällig ist der Ausbau der Beteiligung an Alphabet, der Muttergesellschaft von Google. Berkshire hatte erstmals im dritten Quartal 2025 in Alphabet investiert und die Position seither deutlich erhöht. Nach Unternehmensangaben wurden zuletzt rund zehn Milliarden US-Dollar in Alphabet-Stammaktien investiert, womit der Technologiekonzern nun zu den fünf größten Positionen im Portfolio zählt.

Warren Buffett selbst erklärte gegenüber CNBC, er habe die Alphabet-Investition noch initiiert und bezeichnete es als Fehler, nicht früher eingestiegen zu sein. Unter seiner Führung waren Technologiewerte lange die Ausnahme, da er wiederholt auf seine begrenzte Expertise in diesem Sektor verwies. Die aktuelle Entwicklung wird daher als strategische Anpassung an veränderte Marktbedingungen interpretiert.

KI und Technologie als neue Schwerpunkte

Greg Abel hat angekündigt, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im eigenen Konzern auszuweiten. Dazu wurden neue Entwickler und Ingenieure eingestellt, die eigene Softwarelösungen für Berkshire entwickeln sollen. Die verstärkte Fokussierung auf Technologie und KI spiegelt einen Trend wider, der auch in anderen Branchen zu beobachten ist. Gleichzeitig bleibt Abel dem klassischen Value-Ansatz verpflichtet, wie die Übernahme des US-Immobilienunternehmens Taylor Morrison Home zeigt.

Die Investitionsstrategie von Berkshire Hathaway wird von Marktbeobachtern weiterhin genau verfolgt. Über viele Jahre galten die Transaktionen des Unternehmens als Indikator für die Einschätzung der Marktlage durch Warren Buffett. Die hohe Liquiditätsreserve wurde zuletzt als Zeichen gewertet, dass auf günstigere Einstiegskurse gewartet wurde. Mit dem Strategiewechsel unter Abel stellt sich die Frage, ob das Unternehmen künftig stärker auf Wachstumsbranchen setzt.

Kritik und Bewertung der neuen Ausrichtung

Die Neuausrichtung von Berkshire Hathaway bleibt nicht ohne Kritik. Michael Burry, bekannt durch seine Rolle während der Finanzkrise 2008, äußerte auf der Plattform X die Sorge, dass Greg Abel möglicherweise nicht die gleiche Geduld und Disziplin wie Warren Buffett aufbringe. Er sieht darin ein Risiko für die langfristige Attraktivität der Aktie. Unabhängige Analysen betonen, dass die Bewertung solcher Strategiewechsel erst mittelfristig möglich ist, da die Auswirkungen auf das Portfolio und die Ertragslage von zahlreichen externen Faktoren abhängen.

Im zweiten Quartal 2026 kaufte Berkshire zudem eigene Aktien im Wert von 4,5 Milliarden US-Dollar zurück, im Juli kamen weitere 3,3 Milliarden US-Dollar hinzu. Das Unternehmen erzielte zuletzt einen Nettogewinn von 25,7 Milliarden US-Dollar, das operative Ergebnis stieg um 16 Prozent auf 13 Milliarden US-Dollar. Dennoch blieb die Kursentwicklung der Aktie mit einem Plus von knapp vier Prozent seit Jahresbeginn hinter dem S&P 500 zurück, der im gleichen Zeitraum um 13 Prozent zulegte. Erst nach Veröffentlichung der aktuellen Zahlen erreichte die Aktie den höchsten Stand seit der Rückzugsankündigung von Buffett im Mai 2025.

Relevanz für den deutschen und europäischen Markt

Die strategische Neuausrichtung von Berkshire Hathaway ist auch für europäische Investoren und Unternehmen von Bedeutung. Die verstärkte Allokation von Kapital in Technologie- und KI-Unternehmen könnte mittelbar Auswirkungen auf die Bewertung und Finanzierung entsprechender Sektoren in Europa haben. Ähnliche Entwicklungen sind auch bei deutschen Start-ups zu beobachten, wie etwa bei der Finanzierung von KI-basierten Plattformen. Ein Beispiel dafür ist das Berliner Unternehmen Zelara, das eine Seed-Finanzierung für ein KI-gestütztes CRM-System erhalten hat und damit auf die wachsende Bedeutung von KI in der Unternehmenspraxis reagiert (Bericht zu KI-Investitionen im deutschen Mittelstand).

Offen bleibt, inwieweit Berkshire Hathaway seine Strategie weiter anpassen wird und ob der Fokus auf Technologie und KI langfristig zu einer höheren Rendite führt. Die Entwicklung wird von Marktteilnehmern und Analysten weiterhin aufmerksam beobachtet, da sie Rückschlüsse auf die Kapitalallokation großer institutioneller Investoren zulässt.

Der Begriff Value-Investment bezeichnet eine Anlagestrategie, bei der gezielt unterbewertete Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten ausgewählt werden. Ziel ist es, langfristig von einer Wertsteigerung zu profitieren, sobald der Markt die tatsächliche Substanz des Unternehmens erkennt. Im Unterschied zu reinen Wachstumsstrategien steht beim Value-Investing die Bewertung des aktuellen Unternehmenswerts im Vordergrund, nicht das erwartete künftige Wachstum. Die Strategie wurde insbesondere durch Warren Buffett und Berkshire Hathaway bekannt, wird aber von unterschiedlichen Investoren unterschiedlich interpretiert und umgesetzt.

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