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CurvLabs entwickelt tragbaren Sensor zur Analyse von Rückenschmerzen

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

CurvLabs entwickelt tragbaren Sensor zur Analyse von Rückenschmerzen Glocalist Press © glocalist.press
CurvLabs entwickelt tragbaren Sensor zur Analyse von Rückenschmerzen © glocalist.press

Das britische Unternehmen CurvLabs stellt mit Curv einen tragbaren Sensor vor, der Bewegungsdaten der Wirbelsäule im Alltag erfasst. Wie fundiert ist der Ansatz und welche Rolle spielen Daten für die Behandlung von Rückenschmerzen

Das britische Start-up CurvLabs hat ein tragbares Sensorsystem entwickelt, das die Bewegungen der Wirbelsäule im Alltag kontinuierlich erfasst. Ziel ist es, Menschen mit chronischen Rückenschmerzen eine datenbasierte Grundlage für Therapieentscheidungen zu bieten. Das Produkt, genannt Curv, richtet sich an Nutzerinnen und Nutzer, die bislang vor allem auf sporadische klinische Untersuchungen und subjektive Einschätzungen angewiesen waren. Nach Angaben des Unternehmens basiert die Entwicklung auf eigenen Erfahrungen des Gründers mit unspezifischen Rückenschmerzen und einer als unzureichend empfundenen Versorgung im bestehenden Gesundheitssystem.

Technische Umsetzung und Funktionsweise

Curv ist ein Sensor, der in ein flexibles Band integriert ist und entlang der Wirbelsäule angebracht wird. Die Sensorik ist in ein Material ähnlich einem Kinesio-Tape eingebettet und soll sich der Rückenform anpassen. Über Bluetooth werden die erfassten Bewegungsdaten an eine Smartphone-App übertragen, die Parameter wie Bewegungsumfang, Geschwindigkeit und Bewegungsvariabilität analysiert. Die Hardware wird laut CurvLabs in Großbritannien gefertigt, wobei für die Prototypenentwicklung auch Standorte in Shenzhen genutzt wurden. Die App stellt den Nutzerinnen und Nutzern tägliche Auswertungen zur Verfügung und gibt Hinweise zur Verbesserung der Bewegungsgewohnheiten.

Im Unterschied zu klassischen Haltungskorrektoren oder Geräten, die bei Fehlhaltungen vibrieren, setzt CurvLabs nach eigenen Angaben auf wissenschaftliche Evidenz. Das Unternehmen verweist darauf, dass aktuelle Forschungsergebnisse einen direkten Zusammenhang zwischen statischer Haltung und Rückenschmerzen nicht eindeutig belegen. Vielmehr wird betont, dass regelmäßige Bewegung und Variabilität der Bewegungsmuster für die Rückengesundheit entscheidend seien.

Entwicklung mit Fokus auf klinische Relevanz

Für die Entwicklung des Produkts hat CurvLabs nach eigenen Angaben mit Physiotherapeutinnen, Ärztinnen und Forschenden zusammengearbeitet, um klinisch relevante Messgrößen zu identifizieren. Im Vordergrund steht dabei die Förderung von Bewegung und das Bewusstsein für eigene Bewegungsmuster. Die App soll Nutzerinnen und Nutzer dabei unterstützen, ihre Bewegungsangst abzubauen und Vertrauen in die Belastbarkeit der Wirbelsäule zurückzugewinnen. Nach Angaben des Unternehmens stammen die ersten Nutzerinnen und Nutzer vor allem aus jüngeren Altersgruppen, die bereits andere Wearables verwenden und einen hohen Anteil an sitzender Tätigkeit aufweisen.

Die erhobenen Daten werden genutzt, um individuelle Empfehlungen zu geben und den Therapieverlauf objektiv zu begleiten. CurvLabs betont, dass insbesondere die Bewegungsvariabilität als potenzieller Biomarker für die Rückengesundheit betrachtet wird. Die kontinuierliche Messung soll es ermöglichen, Veränderungen im Bewegungsverhalten frühzeitig zu erkennen und die Wirksamkeit von Behandlungsansätzen besser zu bewerten.

Finanzierung und Markteintritt

CurvLabs hat nach eigenen Angaben eine Pre-Seed-Finanzierung in Höhe von 450.000 US-Dollar eingeworben. Die Mittel stammen von privaten Investoren, die über soziale Medien angesprochen wurden. Das Unternehmen befindet sich weiterhin in einer frühen Markteintrittsphase und arbeitet eng mit einer kleinen Nutzergruppe zusammen, um das Produkt weiterzuentwickeln. Die ersten Geräte wurden teilweise persönlich an Kundinnen und Kunden ausgeliefert, um deren Erfahrungen direkt in die Produktoptimierung einfließen zu lassen.

Ein geplanter Anwendungsbereich ist die objektive Bewertung ergonomischer Produkte wie Bürostühle. CurvLabs sieht Potenzial darin, Herstellerangaben zur Rückengesundheit durch reale Bewegungsdaten zu überprüfen. Angaben zu Preis, Verfügbarkeit und regulatorischem Status des Produkts liegen bislang nicht vor. Auch unabhängige Studien zur Wirksamkeit des Systems wurden nach aktuellem Stand nicht veröffentlicht.

Perspektiven für digitale Gesundheitstechnologien

CurvLabs positioniert sich im wachsenden Markt für digitale Gesundheitstechnologien, die auf kontinuierlicher Datenerfassung und personalisierten Empfehlungen basieren. Das Unternehmen geht davon aus, dass Wearables künftig eine zentrale Rolle bei der Versorgung chronischer Erkrankungen spielen könnten, insbesondere wenn Künstliche Intelligenz zur Auswertung großer Datenmengen eingesetzt wird. Die Übertragbarkeit des Ansatzes auf andere Körperregionen oder Anwendungsfelder wird als möglich angesehen, konkrete Pläne hierzu wurden jedoch nicht veröffentlicht.

Die Entwicklung von CurvLabs verdeutlicht, wie Start-ups versuchen, Lücken in der Versorgung chronischer Erkrankungen durch technologische Innovationen zu adressieren. Ob sich der Ansatz im breiten Versorgungskontext durchsetzen kann, hängt maßgeblich von der Akzeptanz bei Nutzerinnen und Nutzern, der Integration in bestehende Versorgungspfade und der unabhängigen Überprüfung der Wirksamkeit ab.

Wearable-Technologien im Gesundheitsbereich erfassen kontinuierlich physiologische oder biomechanische Daten und ermöglichen so eine objektivere Bewertung von Therapieverläufen. Im Unterschied zu punktuellen Messungen in der Klinik liefern sie Kontextinformationen aus dem Alltag. Die Qualität und Aussagekraft der gewonnenen Daten hängt jedoch von der Validität der Sensorik, der Datenverarbeitung und der klinischen Relevanz der ausgewählten Parameter ab. Für eine breite Akzeptanz sind zudem Datenschutz, Nutzerfreundlichkeit und die Integration in medizinische Versorgungssysteme entscheidend.

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