Die Zahl der Cyberangriffe auf Unternehmen in Deutschland ist im Juli 2026 stark gestiegen. Besonders Ransomware und Risiken durch generative KI-Tools rücken in den Fokus. Was Unternehmen jetzt beachten müssen
Im Juli 2026 ist die Zahl der Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen nach Angaben von Check Point Research deutlich angestiegen. Die aktuelle Auswertung der Global Threat Intelligence zeigt, dass Unternehmen in Deutschland im Durchschnitt 1.723 Angriffe pro Woche verzeichneten. Besonders auffällig ist der Anstieg von Ransomware-Angriffen, die trotz verstärkter Schutzmaßnahmen weiterhin eine zentrale Bedrohung darstellen. Die Analyse basiert auf den von Check Point Research erhobenen Daten und gibt einen Überblick über die aktuelle Bedrohungslage im deutschen Unternehmensumfeld.
Ransomware bleibt dominierende Bedrohung
Die gemeldeten Ransomware-Vorfälle erreichten im Juli mit 964 Fällen einen neuen Höchststand. Das entspricht einem Anstieg von 49 Prozent gegenüber dem Vormonat und 87 Prozent im Vergleich zum Juli 2025. Im ersten Halbjahr 2026 lag der monatliche Durchschnitt noch bei rund 672 Vorfällen. Besonders betroffen war der Sektor Unternehmensdienstleistungen mit 32 Prozent der gemeldeten Opfer, gefolgt von Industrie (14 Prozent) sowie Konsumgüter und Dienstleistungen (13 Prozent). Zu den aktivsten Gruppen zählten im Juli "the Gentlemen" und "Qilin", die jeweils für 14 Prozent der veröffentlichten Angriffe verantwortlich waren. Die Gruppe "the Gentlemen" nutzt gezielt mit dem Internet verbundene Geräte als Einstiegspunkt und verschlüsselt nach erfolgreichem Zugriff innerhalb weniger Stunden ganze Netzwerke. "Qilin" ist für doppelte Erpressungstaktiken bekannt, bei denen neben der Verschlüsselung auch mit der Veröffentlichung sensibler Daten gedroht wird. Die Gruppe "DeadLock", erstmals im Juli 2025 beobachtet, setzt neben legitimen Fernwartungstools auch Blockchain-basierte Methoden zur Verschleierung ihrer Infrastruktur ein.
GenAI-Tools als neues Unternehmensrisiko
Parallel zu den klassischen Cyberbedrohungen rücken Risiken durch generative KI-Anwendungen (GenAI) stärker in den Vordergrund. Laut Check Point Research wurden in Unternehmen durchschnittlich acht verschiedene GenAI-Tools eingesetzt, wobei pro Nutzer im Mittel 95 Prompts generiert wurden. Jede 36. Prompt barg ein hohes Risiko für den Verlust sensibler Daten. Besonders kritisch: 22 Prozent der Prompts enthielten potenziell vertrauliche Informationen, wobei personenbezogene Daten in 70 Prozent der untersuchten Fälle betroffen waren. Finanzdaten sowie Angaben zur Netzwerk- und IT-Infrastruktur wurden jeweils in 68 Prozent der Fälle identifiziert. 88 Prozent der Unternehmen, die regelmäßig GenAI nutzen, waren von risikoreichen Anfragen betroffen. Die Governance für den Einsatz solcher Tools bleibt in vielen Organisationen unzureichend, was das Risiko für Datenabflüsse erhöht.
E-Mail bleibt Einfallstor für Angriffe
Auch klassische Angriffsvektoren wie E-Mail spielen weiterhin eine zentrale Rolle. Laut den vorliegenden Daten wurde jede 128. E-Mail als Phishing-Versuch eingestuft. Damit bleibt die E-Mail ein häufiger Ausgangspunkt für den Diebstahl von Zugangsdaten, die Verbreitung von Schadsoftware und sogenannte Business-E-Mail-Compromise-Angriffe. Die hohe Zahl unterstreicht die Notwendigkeit, technische Schutzmaßnahmen mit gezielter Sensibilisierung der Beschäftigten zu kombinieren. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass deutsche Unternehmen weiterhin besonders im Bereich kritischer Infrastrukturen, Bildungseinrichtungen und Hardware-Anbieter gefährdet sind. Die Entwicklung ähnelt den Herausforderungen, die auch andere europäische Märkte betreffen, wie sie etwa im Zusammenhang mit der zunehmenden Nutzung von KI-Tools und neuen Angriffsmethoden diskutiert werden. Ein Beispiel für die Dynamik im KI-Markt und die damit verbundenen Risiken findet sich in der Analyse zu neuen Funktionen bei Claude Cowork, die unter diesem Beitrag näher beleuchtet wird.
Veränderte Angreiferlandschaft und offene Fragen
Die Ransomware-Landschaft bleibt in Bewegung. Während "the Gentlemen" als schnell wachsender Ransomware-as-a-Service-Anbieter gilt, der seit Mitte 2025 aktiv ist, setzt "Qilin" auf ein etabliertes Partnermodell mit kontinuierlicher Rekrutierung. "DeadLock" nutzt innovative Techniken zur Verschleierung und wurde innerhalb kurzer Zeit zu einer der drei aktivsten Gruppen. Trotz der detaillierten Auswertungen bleiben viele Fragen offen: Die tatsächliche Dunkelziffer nicht gemeldeter Angriffe ist schwer zu beziffern, und die Wirksamkeit neuer Schutzmaßnahmen lässt sich bislang nur eingeschränkt bewerten. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, sowohl technische als auch organisatorische Maßnahmen kontinuierlich anzupassen, um auf die sich wandelnde Bedrohungslage zu reagieren.
Ransomware bezeichnet eine Form von Schadsoftware, die Daten auf IT-Systemen verschlüsselt und für deren Entschlüsselung ein Lösegeld fordert. Moderne Ransomware-Gruppen setzen zunehmend auf sogenannte doppelte Erpressung, bei der neben der Verschlüsselung auch mit der Veröffentlichung sensibler Daten gedroht wird. Ransomware-as-a-Service-Modelle ermöglichen es auch weniger technisch versierten Angreifern, Angriffe durchzuführen, indem sie fertige Werkzeuge und Infrastrukturen mieten. Die Abwehr solcher Angriffe erfordert eine Kombination aus technischen Schutzmaßnahmen, regelmäßigen Backups und klaren Prozessen für den Umgang mit Sicherheitsvorfällen. Schlagwörter: Cybersicherheit, Check Point, KI-Sicherheit