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Cyberangriffe auf Unternehmen erreichen neuen Höchststand

Nil Bed Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nil Bed

Cyberangriffe auf Unternehmen erreichen neuen Höchststand Glocalist Press © glocalist.press
Cyberangriffe auf Unternehmen erreichen neuen Höchststand © glocalist.press

Check Point Research meldet einen deutlichen Anstieg von Cyberangriffen auf Unternehmen weltweit. Besonders betroffen ist der DACH-Raum. Welche Branchen und Regionen geraten 2026 verstärkt ins Visier und wie verändert sich das Risikoprofil?

Im August 2026 wurden so viele Cyberangriffe auf Unternehmen registriert wie nie zuvor. Laut Check Point Research gab es weltweit durchschnittlich 2.422 Angriffe pro Unternehmen und Woche - ein Anstieg von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Europa fiel der Zuwachs mit 28 Prozent besonders stark aus, dort lag der Schnitt bei 2.155 Angriffen pro Woche. Die Forscher sehen darin keinen kurzfristigen Ausschlag, sondern einen anhaltenden Trend, der sich auch in aktuellen Warnungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik widerspiegelt.

Regionale Unterschiede und deutsche Zahlen

Im deutschsprachigen Raum ist die Entwicklung besonders deutlich. In Deutschland stieg die Zahl der wöchentlichen Angriffe im August um 53 Prozent auf 1.834 pro Unternehmen. Österreich lag mit 2.468 Angriffen pro Woche und einem Plus von 41 Prozent ebenfalls deutlich über dem Vorjahr. In der Schweiz wurden 1.515 Angriffe pro Woche gemeldet, ein Zuwachs von 36 Prozent. Weltweit bleibt Lateinamerika mit 3.577 Angriffen pro Woche die am stärksten betroffene Region, gefolgt von Afrika (3.335) und der APAC-Region (3.325). In Nordamerika stiegen die Zahlen um 18 Prozent auf 1.744 Angriffe pro Woche.

In Deutschland waren im August vor allem die Bereiche Bildung, Unternehmensdienstleistungen und Telekommunikation von mehr Angriffen betroffen. Energie- und Versorgungsunternehmen verzeichneten dagegen einen Rückgang, während der Bereich Hardware und Halbleiter auf dem Niveau des Vormonats blieb. Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung und der Umsetzung von EU-Richtlinien wie NIS2, die höhere Anforderungen an die Cybersicherheit kritischer Infrastrukturen stellen.

Ransomware und Phishing als zentrale Bedrohungen

Ransomware-Angriffe haben sich im August 2026 fast verdoppelt. Insgesamt wurden 1.042 Vorfälle öffentlich gemeldet, 8 Prozent mehr als im Juli und fast doppelt so viele wie im August 2025. Besonders betroffen waren Unternehmensdienstleistungen mit 36 Prozent aller Ransomware-Opfer, gefolgt von industrieller Fertigung (13 Prozent) sowie Konsumgütern und Dienstleistungen (12 Prozent). Regional entfielen 49 Prozent der gemeldeten Ransomware-Angriffe auf Nordamerika, 27 Prozent auf Europa und 16 Prozent auf die APAC-Region. Die USA waren mit 45 Prozent aller gemeldeten Angriffe am stärksten betroffen. Deutschland und Italien lagen mit jeweils rund 5 Prozent deutlich dahinter.

  • "Die aktuelle Bedrohungslage zeigt, dass Unternehmen in Deutschland ihre Cyberabwehr kontinuierlich anpassen müssen. Die Professionalisierung der Angreifer und die Zunahme von Ransomware-as-a-Service erfordern ein Zusammenspiel aus technischer Prävention, organisatorischen Maßnahmen und regulatorischer Compliance."
    BSI, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
  • Phishing bleibt ein zentrales Einfallstor für Angreifer. Im August wurde jede 112. E-Mail als Phishing eingestuft. 72 Prozent dieser Mails enthielten schädliche Links, 14 Prozent Anhänge. Einige Angreifer setzen verstärkt auf Social Engineering, etwa durch Rückrufbitten oder direkten Kontakt, um klassische Filter zu umgehen.

    Generative KI und verändertes Risikoprofil

    Der Einsatz generativer KI-Tools nimmt im Unternehmensalltag weiter zu. Im August 2026 nutzten Mitarbeitende im Schnitt sieben verschiedene GenAI-Tools und erstellten durchschnittlich 106 Prompts pro Person. Die Rate riskanter Prompts - also solcher mit potenzieller Preisgabe sensibler Daten - fiel auf den niedrigsten Stand seit Monaten. Trotzdem waren 86 Prozent der Unternehmen, die regelmäßig GenAI-Tools einsetzen, von risikoreichen Prompts betroffen. Weltweit lag die Expositionsrate bei 2,3 Prozent. Die wachsende Vielfalt der eingesetzten Tools erschwert die Kontrolle über Daten und Governance. Laut Destatis steigt die Zahl der digitalisierten Geschäftsprozesse in deutschen Unternehmen weiter, was die Angriffsfläche zusätzlich vergrößert.

    Ransomware-Gruppen und operative Veränderungen

    Im August 2026 dominierte die Gruppe Qilin die Ransomware-Landschaft mit 15 Prozent aller veröffentlichten Angriffe. The Gentlemen folgte mit 10 Prozent. Mit Orova tauchte erstmals eine neue Gruppe unter den drei aktivsten Akteuren auf, verantwortlich für 4 Prozent der Angriffe. Qilin ist seit 2022 als Ransomware-as-a-Service-Anbieter aktiv und setzt auf ein Partnerprogramm, das zuletzt durch verstärkte Rekrutierung auffiel. The Gentlemen kombiniert Ransomware-Angriffe mit dem Verkauf von Zugangsdaten, was eine schnelle Skalierung ermöglicht. Orova, erstmals im Mai 2026 öffentlich in Erscheinung getreten, agiert opportunistisch und zielt vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen.

    Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich die Bedrohungslage für Unternehmen in Deutschland und Europa weiter verschärft. Die Kombination aus steigenden Angriffszahlen, wachsender Tool-Vielfalt und neuen Angriffsformen erhöht den Druck auf Unternehmen, ihre Sicherheitsstrategien laufend zu überarbeiten. Cybersicherheit ist längst nicht mehr nur eine Frage der Technik, sondern umfasst auch organisatorische und regulatorische Aspekte. Unternehmen, die verstärkt auf generative KI setzen, müssen ihre Data-Governance-Strukturen kritisch prüfen, um Risiken durch unsichere Prompts und unkontrollierte Tool-Landschaften zu minimieren.

    Ransomware ist eine Schadsoftware, die Daten auf IT-Systemen verschlüsselt und erst nach Zahlung eines Lösegelds wieder freigibt. Ransomware-as-a-Service (RaaS) ist ein Geschäftsmodell, bei dem Angreifer fertige Ransomware-Tools und Infrastruktur gegen Beteiligung an den Lösegeldern Dritten zur Verfügung stellen. Dadurch sind die Einstiegshürden für Cyberkriminalität gesunken und die Angriffe professioneller geworden. Für Unternehmen reicht es deshalb nicht mehr, nur auf klassische Schutzmaßnahmen zu setzen - es braucht ein umfassendes Sicherheitskonzept.

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