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Eterno kauft Doc Cirrus und baut größte Cloud-Praxissoftware auf

Nil Enri Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nil Enri

Eterno kauft Doc Cirrus und baut größte Cloud-Praxissoftware auf Glocalist Press © glocalist.press
Eterno kauft Doc Cirrus und baut größte Cloud-Praxissoftware auf © glocalist.press

Eterno übernimmt Doc Cirrus und schafft damit die größte cloudbasierte Praxissoftware Deutschlands. Währenddessen ringen Startups wie everstox und WorkMotion weiter um nachhaltige Gewinne.

Eterno aus Berlin übernimmt Doc Cirrus. Damit verschiebt sich der Wettbewerb um digitale Praxissoftware in Deutschland. Doc Cirrus nennt den Zusammenschluss die "nächste Stufe" für ambulantärztliche Software. Eterno bringt Cloud-, Automatisierungs- und KI-Technik ein. Künftig läuft alles unter der Marke Eterno Cloud. Nach Angaben der Ärzte Zeitung entsteht so die größte cloudbasierte Praxissoftware-Lösung Deutschlands. Die Marktkonzentration im Bereich digitaler Gesundheitsinfrastruktur nimmt damit weiter zu.

Der Kaufpreis liegt im zweistelligen Millionenbereich. Eterno betreibt bereits digitalisierte Praxisstandorte in Hamburg, Frankfurt und Berlin. Im Sommer 2026 bekam das Unternehmen über 100 Millionen Euro frisches Kapital vom norwegischen Investor Verdane. Auch Fußballprofi Mario Götze unterstützt Eterno. Mit mehr als 100 Mitarbeitenden nimmt Eterno gezielt die Platzhirsche CompuGroup Medical und Medatixx ins Visier. Gründer Maximilian Waldmann will in zwei Jahren zu den Top-3-Anbietern für Praxissoftware in Deutschland gehören. Das Ziel: Angriff auf die Marktführerschaft.

Die neue Firma bringt eine große installierte Basis mit. Eterno betreut rund 2.000 Praxen. Die Software von Doc Cirrus läuft in etwa 8.000 Arztpraxen. Zusammen erreichen sie eine Reichweite, die im deutschen Markt für Praxisverwaltungssysteme neue Maßstäbe setzt. Die Übernahme ist auch strategisch wichtig: Doc Cirrus hat Eterno bisher über eine Partnerstruktur mit Zertifizierungen, Schnittstellen und Infrastruktur versorgt. Das ist entscheidend im streng regulierten deutschen Gesundheitsmarkt, der hohe Anforderungen an Datenschutz (nach BSI IT-Grundschutz und DSGVO) und Interoperabilität nach DIN EN ISO 13606 stellt.

Die Integration von Cloud- und KI-Technologien in der ambulanten Versorgung muss höchsten Anforderungen an Datenschutz und Interoperabilität genügen. Die Einhaltung von Standards wie DIN EN ISO 13606 und die Zertifizierung nach BSI IT-Grundschutz sind für die digitale Gesundheitsinfrastruktur in Deutschland unerlässlich.

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)Fachreferat Gesundheits-IT

Waldmann vergleicht die Übernahme mit dem Schritt von einer Partnerbanklizenz zur Vollbank. Eterno will Doc Cirrus organisatorisch und technisch komplett unter die eigene Marke holen. Das soll die Produktentwicklung beschleunigen und die regulatorische Eigenständigkeit stärken. Das ist wichtig wegen der Vorgaben der Bundesnetzagentur und der laufenden Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die Marktkonsolidierung läuft vor dem Hintergrund der Digitalstrategie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Ziel ist eine sichere, interoperable und skalierbare Infrastruktur für Gesundheitsdaten.

Finanzierungsdruck und Profitabilität

Während Eterno mit der Übernahme wächst, stehen andere deutsche Startups weiter unter Druck. Das Münchner Logistics-as-a-Service-Unternehmen everstox hat seit 2019 rund 23 Millionen Euro von Investoren wie Acton Capital, Capnamic Ventures und Global Founders Capital bekommen. Trotz Automatisierung und KI-gestützter Prozesse machte everstox 2024 einen Jahresfehlbetrag von knapp 5 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 6,5 Millionen. Ob der Sprung von Wachstum zu Gewinn gelingt, ist offen. Gründer Boris Bösch sieht das Unternehmen trotzdem am Anfang einer neuen Phase.

Auch das Berliner HR-Startup WorkMotion macht Fortschritte, bleibt aber in den roten Zahlen. 2025 stieg der Umsatz von 189,4 auf 213,7 Millionen Euro und lag damit über der eigenen Prognose. Das EBITDA verbesserte sich von -4,2 auf -2,6 Millionen Euro, blieb aber unter dem Zielwert. Der Konzernjahresfehlbetrag sank von 5,8 auf 4,3 Millionen Euro. Ende 2025 hatte WorkMotion liquide Mittel von 43 Millionen Euro. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit 243,1 Millionen Euro Umsatz und einem EBITDA von -1,1 Millionen Euro. Ein nachhaltiger Gewinn ist auch im kommenden Jahr nicht eingeplant.

Marktaustritte und Liquidationen

Nicht alle Startups halten sich im aktuellen Umfeld. Das Münchner DeepTech-Unternehmen Cargokite, das an emissionsfreien Mikrofrachtschiffen mit automatisiertem Kitesystem arbeitete, wird abgewickelt. Trotz Investitionen von SOSV und dem Fraunhofer Technologie-Transfer Fonds blieb es beim Prototyp. Die Vision eines emissionsfreien Frachtschiffs kam nicht auf den Markt. Auch andere junge Firmen kämpfen, wie das Beispiel der Deutschen Sanierungsberatung (dsb) zeigt. Das Berliner Startup hat schon mehr als 10.000 Eigenheimbesitzer als Kunden und strebt 100 Millionen Euro Umsatz an. Doch geplatze Finanzierungsrunden und harte Lektionen haben Spuren hinterlassen.

Bei der Startup-Finanzierung setzt die Bundesregierung mit der WIN-Initiative neue Impulse. Bis 2030 sollen 25 Milliarden Euro für Startups und das Venture-Capital-Ökosystem mobilisiert werden. Bis Ende 2025 wurden im Rahmen der Initiative 2,64 Milliarden Euro investiert. Ziel ist, mehr institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen zu gewinnen. Die offiziellen Zahlen und Ziele stehen im BMWK-Portal zur WIN-Initiative.

Weitere Übernahmen und Beteiligungen

Auch bei Übernahmen bleibt der Markt in Bewegung. Main Capital Partners, ein niederländischer Private-Equity-Investor, übernimmt die Mehrheit am 2020 gegründeten Startup qbees. Das Unternehmen aus Ohlstadt entwickelt Managed Services und Software für die Finanzbranche und war bisher profitabel ohne externe Investoren. Nach der Übernahme sind Investitionen in neue Produkte und eine internationale Expansion geplant.

Im Umfeld der Gründershow "Die Höhle der Löwen" gab es mehrere Deals: Ralf Dümmel investierte 60.000 Euro in Dekadome für 30 Prozent. Carsten Maschmeyer und Johannes Kliesch stiegen mit 40.000 Euro bei Poppy`s Eis (40 Prozent) ein. Dagmar Wöhrl bot 180.000 Euro für 15 Prozent an CompactGreens, der Deal kam nach der Sendung aber nicht zustande.

Neue Startups und Branchentrends

Der deutsche Startup-Markt bleibt trotz Rückschlägen lebendig. Neue Firmen wie LaMa Recycling, EVOVO, Gastroflex, Minimomente und AQLS gehen an den Start. Die Entwicklung erinnert an die jüngsten Impulse, die auch in anderen Branchen sichtbar sind, wie früher berichtet wurde. Die Bereitschaft zu Innovation und Anpassung ist weiter hoch, auch wenn der Zugang zu Kapital selektiver geworden ist.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Der deutsche Startup-Sektor bleibt dynamisch, aber der Selektionsdruck steigt. Übernahmen wie die von Doc Cirrus durch Eterno zeigen, wie scharf der Wettbewerb um digitale Infrastruktur im Gesundheitswesen geworden ist. Gleichzeitig bleibt nachhaltige Profitabilität für viele Firmen schwierig. Wachstum und Investitionen allein reichen oft nicht. Staatliche Initiativen und mehr institutionelle Investoren könnten mittelfristig neue Möglichkeiten schaffen. Doch die Marktbedingungen verlangen von Gründern und Investoren eine realistische Einschätzung von Chancen und Risiken.

Eine Übernahme ist der Kauf eines Unternehmens oder Unternehmensteils durch eine andere Firma. Anders als bei einer Fusion bleibt das übernommene Unternehmen meist als rechtliche Einheit bestehen, wird aber in die Steuerung und das Produktportfolio des Käufers eingebunden. Übernahmen können mit Bargeld, Aktien oder beidem bezahlt werden. Der Abschluss hängt meist von regulatorischen Prüfungen und der Zustimmung der Behörden ab. Im Technologiesektor dienen Übernahmen oft dazu, Marktanteile zu sichern, Technik zu bündeln oder neue Kunden zu gewinnen.

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