First Solar zieht vor Gericht gegen JA Solar und American Panel Solutions. Im Fokus steht die Nutzung patentierter TOPCon-Technologie. Die Folgen für den US-Markt und internationale Hersteller sind noch offen.
Am 1. Oktober 2026 landete ein neuer Patentstreit vor dem US-Bundesgericht in Delaware. First Solar reichte Klage gegen JA Solar und American Panel Solutions ein. Der Vorwurf: Beide Unternehmen sollen kristalline Siliziumsolarzellen mit TOPCon-Technik ohne Lizenz herstellen und verkaufen. First Solar verschärft damit seine Verteidigung von geistigem Eigentum bei hocheffizienten Solarzellen. Im Zentrum steht das US-Patent Nr. 9.130.074. Es schützt das Verfahren zur Herstellung von Solarzellen mit Tunnel Oxide Passivated Contact (TOPCon).
Streit um das US-Patent 9.130.074
Die Klage richtet sich gegen mehrere Gesellschaften von JA Solar. Dazu zählen JA Solar Technology Co., Ltd., JA Solar International, Ltd., JA Solar Vietnam Co., Ltd. und JA Solar Industrial Corp. Auch American Panel Solutions LLC aus den USA ist betroffen. Nach Angaben von First Solar nutzen die Beklagten die Technologie ohne Erlaubnis. Das Ziel: First Solar will seine Patentrechte im US-Markt durchsetzen und Wettbewerber zur Anerkennung des geistigen Eigentums bewegen. Das Patentportfolio von First Solar umfasst laut Unternehmen nicht nur die USA. Auch Australien, Kanada, China, die EU, Hongkong, Japan, Mexiko, Malaysia, Singapur, Südkorea, die Vereinigten Arabischen Emirate und Vietnam sind abgedeckt. Die wichtigsten Schutzrechte laufen nach aktuellen Angaben mindestens bis 2030 und teils darüber hinaus.
Bereits im Juli 2024 hatte First Solar öffentlich gemacht, dass das Unternehmen ein großes Patentportfolio im Bereich TOPCon besitzt. Die Rechte stammen aus der Übernahme von TetraSun Inc. im Jahr 2013. Sie gelten in vielen internationalen Märkten. Für weitere Regionen wie die EU und Japan laufen zusätzliche Anmeldungen. Die internationale Reichweite der Patente ist für die Branche relevant. Auch Importeure und Hersteller außerhalb der USA können betroffen sein, wenn sie Produkte in Märkte liefern, in denen die Patente gelten.
Die Sicherung von Innovationsschutz und die Durchsetzung von Patentrechten sind zentrale Voraussetzungen für einen fairen Wettbewerb im europäischen Energiemarkt.
Patentstrategie und internationale Dimension
Die Klage ist Teil einer größeren Patentstrategie. Seit 2024 geht First Solar gezielt gegen unautorisierte Nutzung seiner Technologien vor. Das Unternehmen hatte schon zuvor Untersuchungen gegen führende Hersteller kristalliner Zellen angekündigt. Jetzt folgt der Schritt vor Gericht. Die Klage gegen JA Solar und American Panel Solutions markiert den Übergang von der Prüfung zur gerichtlichen Auseinandersetzung. Ähnliche Konflikte sorgten in der Vergangenheit bereits für Aufmerksamkeit. Ein früherer Bericht dokumentiert laufende Patentklagen im Solarsektor.
Die internationale Ausweitung der Patentdurchsetzung passt zu europäischen Vorgaben. Ziel ist die Stärkung des geistigen Eigentums im Rahmen der Energiewende. Die Bundesnetzagentur hebt in aktuellen Veröffentlichungen die Bedeutung von Innovationsschutz und Standardisierung für die Wettbewerbsfähigkeit der Solarbranche hervor. Auch die EU-Richtlinie 2018/2001 zur Förderung erneuerbarer Energien betont die Rolle von Patenten als Innovationsmotor. Die wichtigsten Schutzrechte sichern First Solar bis mindestens 2030 eine rechtliche Basis für weitere Schritte.
Ungewisse Folgen für Markt und Aktie
First Solar stellt klar: Der Ausgang von Patentstreitigkeiten ist offen. Entscheidend sind Gültigkeit und Reichweite der Patente sowie Kosten und Dauer der Verfahren. Für den US-Markt könnte die Klage ein Signal an andere Hersteller sein. First Solar verteidigt seine Technologieposition aktiv. Lizenzeinnahmen oder Unterlassungsansprüche sind möglich, aber nicht garantiert. Ein schnelles Urteil ist unwahrscheinlich. Zuerst müssen die Beklagten reagieren. Erst dann zeigt sich, wie stark JA Solar die Vorwürfe bestreiten wird.
Marktbeobachter sehen die Klage wohl als Versuch, die eigene Position gegenüber chinesischen Wettbewerbern zu stärken. Die Auswirkungen auf die Aktie von First Solar sind unklar. Patentverfahren dauern oft lange und kosten viel. Die Unsicherheit über den Ausgang bleibt ein Risiko für Unternehmen mit starkem Patentfokus. Laut Bundesnetzagentur ist die Innovationsdynamik bei Solarzellen entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie.
Der Streit zwischen First Solar und JA Solar zeigt, wie wichtig der Schutz geistigen Eigentums im internationalen Solarmarkt geworden ist. Die Klage könnte First Solars Position im US-Markt stärken. Ob daraus ein dauerhafter Vorteil entsteht, bleibt offen. Entscheidend ist, ob Gerichte die Reichweite und Gültigkeit der Patente bestätigen. Auch andere Hersteller könnten ihre Strategien anpassen. Für die Branche ist klar: Technologischer Vorsprung wird immer öfter vor Gericht ausgetragen. Der Ausgang ist ungewiss.
Die TOPCon-Technologie (Tunnel Oxide Passivated Contact) ist ein Verfahren, das den Wirkungsgrad von kristallinen Siliziumsolarzellen steigert. Eine spezielle Passivierungsschicht am Kontaktpunkt zwischen Silizium und Metall senkt elektrische Verluste. Das bringt höhere Zellwirkungsgrade als herkömmliche Technologien. Die industrielle Umsetzung von TOPCon gilt als wichtiger Schritt für die nächste Generation hocheffizienter Solarmodule. Patente auf solche Verfahren sichern Unternehmen wie First Solar einen zeitlich begrenzten Schutz vor Nachahmung. Sie sind ein zentrales Werkzeug im globalen Technologiewettbewerb.