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FRYTE Mobility erhält 3,5 Millionen Euro für Software zur eTruck-Ladeplanung

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

FRYTE Mobility erhält 3,5 Millionen Euro für Software zur eTruck-Ladeplanung Glocalist Press © glocalist.press
FRYTE Mobility erhält 3,5 Millionen Euro für Software zur eTruck-Ladeplanung © glocalist.press

Das Münchner Unternehmen FRYTE Mobility sammelt 3,5 Millionen Euro ein, um eine Plattform für die Koordination von Ladevorgängen bei elektrischen Lkw zu entwickeln. Was das für Logistik und Energiebranche bedeutet

Die zentrale Herausforderung für den Betrieb elektrischer Lkw bleibt die zuverlässige Planung und Nutzung von Ladeinfrastruktur. FRYTE Mobility aus München will mit einer neuen Softwareplattform genau diese Lücke schließen und hat dafür eine Seed-Finanzierung in Höhe von 3,5 Millionen Euro erhalten. Die Runde wurde von 4impact capital und Rethink Ventures angeführt, beteiligt waren auch Revent, F-LOG, accilium ventures sowie mehrere Angel-Investoren. Damit steigt das insgesamt eingesammelte Kapital des Start-ups auf 5 Millionen Euro.

Technische Lösung für fragmentierte Systeme

Im europäischen Markt für elektrische Nutzfahrzeuge treffen zwei bislang weitgehend getrennte Welten aufeinander: Logistikunternehmen planen ihre Routen meist ohne Echtzeitdaten zur Verfügbarkeit von Ladestationen, während Betreiber von Ladepunkten (CPOs) kaum wissen, wann und mit welchem Energiebedarf Lkw tatsächlich ankommen. FRYTE Mobility setzt hier an und entwickelt eine offene Software-Infrastruktur, die Logistikplattformen mit Charge Point Management Systemen (CPMS) verbindet. Grundlage sind etablierte Schnittstellenstandards wie OCPI, die eine Integration verschiedener Anbieter ermöglichen.

Nach Angaben des Unternehmens ist die Plattform bereits an mehreren Standorten mit unterschiedlichen Ladepunktbetreibern im Einsatz. Über 200 Buchungen von der Disposition bis zur Bestätigung durch den CPO wurden laut FRYTE Mobility bislang abgewickelt. Die Software soll es Flottenbetreibern ermöglichen, Ladezeiten im Voraus zu reservieren und so Planungssicherheit zu gewinnen, während CPOs eine bessere Auslastung ihrer Infrastruktur erhalten.

Finanzierung und Markthintergrund

Die aktuelle Seed-Runde folgt auf eine erste Finanzierungsphase und soll vor allem den Ausbau des Vertriebsteams sowie die technische Integration mit weiteren CPOs und deren Managementsystemen ermöglichen. Zu den Pilotpartnern zählen nach Unternehmensangaben TRATON Charging Solutions mit MAN Charge & Go, FIEGE, Fraport AG, Energie Südbayern und Dettendorfer Energy. Die Investoren verweisen auf eine erwartete Marktdynamik: In mehreren europäischen Ländern könnten elektrische Lkw laut aktuellen Berechnungen bald die gleichen Betriebskosten wie Dieselmodelle erreichen. Die EU-CO2-Vorgaben erhöhen den Druck auf Logistikunternehmen, ihre Flotten zu elektrifizieren.

Im Vergleich zu anderen Start-ups, die meist vertikale Einzellösungen für spezifische Teilprobleme entwickeln, positioniert sich FRYTE Mobility als horizontaler Koordinationslayer zwischen Logistik, Ladeinfrastruktur und Energiesystemen. Die Plattform soll grenzüberschreitende Buchungen und eine einheitliche Steuerung ermöglichen. Ein ähnlicher Ansatz, verschiedene Akteure einer fragmentierten Branche über eine zentrale Plattform zu verbinden, wurde auch bei anderen europäischen Energie- und Mobilitätsunternehmen verfolgt, wie etwa in einem früheren Bericht zu Automatisierungssoftware für erneuerbare Energien.

Offene Fragen und nächste Schritte

Ob die technische Integration und die Akzeptanz bei Flottenbetreibern und CPOs im geplanten Tempo gelingt, bleibt offen. Die Plattform von FRYTE Mobility ist nach eigenen Angaben bereits für den Ladevorgang im Echtbetrieb nutzbar, die vollständige Anbindung an Transportmanagementsysteme steht jedoch noch aus. Die weitere Entwicklung hängt davon ab, wie schnell sich offene Schnittstellen und gemeinsame Standards in der Branche durchsetzen. Auch regulatorische Vorgaben und die tatsächliche Geschwindigkeit der Elektrifizierung im Schwerlastverkehr werden den Erfolg des Modells beeinflussen.

Die Finanzierung von FRYTE Mobility zeigt, dass Investoren in Europa bereit sind, in Infrastruktur- und Softwarelösungen für die Dekarbonisierung des Verkehrs zu investieren, sofern diese einen klaren Mehrwert für mehrere Marktteilnehmer schaffen. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen die technische Komplexität der Integration verschiedener Systeme und die Interessenlage der beteiligten Akteure dauerhaft ausbalancieren kann. Die Erfahrung anderer Plattformanbieter im Energiesektor legt nahe, dass offene Standards und Interoperabilität zwar notwendig, aber allein nicht ausreichend sind, um einen fragmentierten Markt zu koordinieren. Die nächsten Monate werden zeigen, ob FRYTE Mobility über die Pilotphase hinaus eine tragfähige Marktposition aufbauen kann.

Der Begriff Charge Point Management System (CPMS) bezeichnet die Software, mit der Betreiber von Ladeinfrastruktur ihre Stationen steuern, überwachen und abrechnen. CPMS-Lösungen sind zentral für die Integration von Ladepunkten in größere Netzwerke und ermöglichen Funktionen wie Reservierung, Lastmanagement und Abrechnung. Die Interoperabilität zwischen verschiedenen CPMS und Logistiksystemen ist eine Voraussetzung für die effiziente Nutzung von Ladeinfrastruktur im gewerblichen Einsatz. Schlagwörter: Unternehmen & Produkte, Elektromobilität, Lieferketten & Logistik

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