Giesecke+Devrient entwickelt im Rahmen des europäischen Projekts uPQComing neue Technologien für Identitätskarten, die gegen künftige Quantenangriffe schützen sollen. Welche technischen Hürden bestehen, bleibt offen
Giesecke+Devrient (G+D) arbeitet im europäischen Forschungsprojekt uPQComing an der Entwicklung von Technologien für die nächste Generation quantensicherer Identitätskarten. Ziel ist es, Identitätsdokumente und digitale Identitätssysteme so auszustatten, dass sie auch gegen künftige Angriffe durch Quantencomputer geschützt sind. Die Ankündigung erfolgte im Rahmen einer offiziellen Projektvorstellung, an der neben G+D auch weitere Industriepartner, Forschungsinstitute und Universitäten aus Europa beteiligt sind.
Technologischer Hintergrund und Projektstatus
Die Entwicklung leistungsfähiger Quantencomputer stellt eine wachsende Herausforderung für bestehende kryptographische Verfahren dar. Insbesondere Systeme, die langfristig hohe Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz erfüllen müssen, wie nationale Identitätskarten, geraten dadurch unter Druck. Das Projekt uPQComing adressiert diese Problematik, indem es neue kryptographische Protokolle und Systemarchitekturen für den Einsatz in sicherheitskritischen Anwendungen entwickelt. Nach Angaben der Projektpartner liegt der Schwerpunkt auf der Integration von Post-Quanten-Kryptographie (PQC) in ressourcenbeschränkte Embedded Secure Elements, wie sie in modernen Ausweisdokumenten verwendet werden.
Integration von Post-Quanten-Kryptographie
Giesecke+Devrient konzentriert sich im Rahmen von uPQComing auf die Entwicklung quantenresistenter Technologien für Betriebssysteme von Identitätskarten. Dazu gehören die Anpassung bestehender Authentisierungs- und Sicherheitsmechanismen sowie die Entwicklung kryptoagiler Systemarchitekturen, die eine flexible Weiterentwicklung kryptographischer Verfahren ermöglichen. Ein weiterer Fokus liegt auf hybriden Ansätzen, bei denen klassische und quantensichere Verfahren parallel eingesetzt werden, um in der Übergangsphase eine möglichst hohe Sicherheit zu gewährleisten. Die entwickelten Lösungen werden prototypisch in ein Java Card Chip Operating System integriert und hinsichtlich Sicherheit, Effizienz und Interoperabilität getestet.
Technische Herausforderungen und Validierung
Die Umsetzung quantensicherer Kryptographie in Identitätskarten bringt erhebliche technische Herausforderungen mit sich. Zu den zentralen Anforderungen zählen begrenzte Rechenleistung, eingeschränkte Speicherressourcen und die Notwendigkeit, eine sichere Kommunikation zwischen Ausweisdokument und Terminal zu gewährleisten. Die Projektpartner betonen, dass die entwickelten Ansätze zunächst in Prototypen getestet und validiert werden. Unabhängige Prüfungen oder großflächige Praxiseinsätze liegen bislang nicht vor. Die Frage, wie sich die neuen Verfahren im realen Betrieb bewähren, bleibt damit offen.
Europäische Zusammenarbeit und Marktrelevanz
Das Konsortium von uPQComing vereint Unternehmen, Forschungsinstitute und Hochschulen aus mehreren europäischen Ländern. Ziel ist es, die technologische Souveränität Europas im Bereich digitaler Identitäten und Cybersicherheit zu stärken. Die Entwicklung quantensicherer Identitätskarten wird von den Projektpartnern als strategisch relevant für die Absicherung kritischer Infrastrukturen betrachtet. In einem verwandten Kontext wurde bereits berichtet, dass Unternehmen wie Circle neue Sicherheitsschichten für digitale Dienste entwickeln, um auf technologische Risiken zu reagieren - wie etwa in diesem Beitrag zu automatisierten Zahlungslösungen erläutert. Ob und wann quantensichere Identitätskarten in den regulären Einsatz kommen, hängt jedoch von weiteren technischen, regulatorischen und marktwirtschaftlichen Faktoren ab.
Post-Quanten-Kryptographie (PQC) bezeichnet kryptographische Verfahren, die auch gegen Angriffe durch Quantencomputer resistent sein sollen. Während klassische Verschlüsselungsmethoden wie RSA oder ECC durch leistungsfähige Quantencomputer potenziell gebrochen werden könnten, setzen PQC-Algorithmen auf mathematische Probleme, die auch mit Quantenrechnern als schwer lösbar gelten. Die Standardisierung solcher Verfahren ist international noch nicht abgeschlossen. Für den Einsatz in Identitätskarten müssen PQC-Algorithmen zudem so optimiert werden, dass sie auf Hardware mit begrenzten Ressourcen zuverlässig und effizient funktionieren.