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Jan Viebig betont Bedeutung von Anleihen für langfristigen Vermögensaufbau

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Jan Viebig betont Bedeutung von Anleihen für langfristigen Vermögensaufbau Glocalist Press
Jan Viebig betont Bedeutung von Anleihen für langfristigen Vermögensaufbau

Der Ökonom Jan Viebig sieht in Deutschland ein Missverständnis beim Umgang mit Rendite und Risiko. Warum Anleihen aus seiner Sicht unterschätzt werden und welche Folgen das für die Kapitalbildung hat, analysiert Glocalist Press

In Deutschland bleibt das Verhältnis von Rendite und Risiko bei der Geldanlage ein kontrovers diskutiertes Thema. Nach Einschätzung des Ökonomen Jan Viebig, der als einer der erfahrensten Kapitalmarktexperten des Landes gilt, setzen viele Privatanleger weiterhin auf Produkte mit Garantien, obwohl diese langfristig oft geringere Erträge bieten. Viebig, der nach mehreren Jahren als Chefanlagestratege bei Oddo BHF seit Mai 2026 als unabhängiger Fondsmanager tätig ist, hat seine Sichtweise in dem Buch "Ein kleines Vermögen für alle" dargelegt. Darin analysiert er, wie Anlegerinnen und Anleger in Deutschland ihr Vermögen strukturieren und welche Rolle Anleihen dabei spielen könnten.

Rendite-Risiko-Verständnis in Deutschland

Die Präferenz für Garantieprodukte wie klassische Sparbücher, Tagesgeld oder kapitalbildende Lebensversicherungen ist in Deutschland weiterhin ausgeprägt. Nach Angaben von Viebig spiegelt dies ein tief verankertes Sicherheitsbedürfnis wider, das jedoch häufig zu Lasten der langfristigen Rendite geht. Während Aktien und Fonds in anderen Ländern einen höheren Stellenwert im Vermögensaufbau haben, bleibt der Anteil dieser Anlageklassen in deutschen Haushalten vergleichsweise gering. Die Folge ist, dass viele Sparerinnen und Sparer die Chancen auf höhere Erträge nicht nutzen und damit auch die Möglichkeiten zur Vermögensbildung begrenzen.

Anleihen als unterschätzte Anlageklasse

Viebig hebt hervor, dass Anleihen in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterschätzt werden. Dabei bieten sie, insbesondere in einem Umfeld steigender Zinsen, eine Möglichkeit, das Portfolio zu diversifizieren und das Risiko zu steuern. Im Unterschied zu reinen Garantieprodukten können Anleihen je nach Ausgestaltung eine attraktive Balance zwischen Sicherheit und Ertrag bieten. Die Auswahl geeigneter Anleihen erfordert jedoch ein Verständnis für Bonität, Laufzeit und Zinsstruktur. In Deutschland ist das Wissen über diese Zusammenhänge nach Einschätzung von Marktbeobachtern noch ausbaufähig.

Langfristige Vermögensbildung und Bildungslücken

Die Diskussion um die optimale Vermögensstruktur wird durch die demografische Entwicklung und die Herausforderungen der Altersvorsorge zusätzlich verschärft. Viebig argumentiert, dass eine breitere Streuung über verschiedene Anlageklassen, einschließlich Anleihen, notwendig sei, um langfristig Vermögen aufzubauen. Bildungsinitiativen und eine stärkere finanzielle Aufklärung könnten dazu beitragen, das Verständnis für Rendite-Risiko-Profile zu verbessern. Ohne eine solche Entwicklung droht nach Ansicht von Fachleuten eine wachsende Lücke bei der privaten Altersvorsorge, insbesondere in einem Umfeld niedriger Realzinsen und steigender Inflation.

Der Begriff "Anleihe" bezeichnet ein festverzinsliches Wertpapier, das von Staaten, Unternehmen oder anderen Institutionen ausgegeben wird, um Kapital am Markt aufzunehmen. Anlegerinnen und Anleger erhalten im Gegenzug regelmäßige Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit die Rückzahlung des Nominalbetrags. Die Bonität des Emittenten, die Laufzeit und das aktuelle Zinsumfeld bestimmen maßgeblich das Risiko und die Renditechancen einer Anleihe. Im Vergleich zu Aktien gelten Anleihen als weniger volatil, bieten aber auch geringere Ertragschancen. Ihre Rolle im Portfolio hängt von individuellen Zielen, Risikobereitschaft und Marktbedingungen ab.

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