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Kazimi erhält 2,2 Millionen Euro für Ausbau von Cybersicherheitslösung im App-Markt

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Kazimi erhält 2,2 Millionen Euro für Ausbau von Cybersicherheitslösung im App-Markt Glocalist Press © glocalist.press
Kazimi erhält 2,2 Millionen Euro für Ausbau von Cybersicherheitslösung im App-Markt © glocalist.press

Das Berliner Start-up Kazimi sammelt 2,2 Millionen Euro ein, um seine Technologie zur Erkennung von Bot-Aktivitäten in mobilen Apps weiterzuentwickeln. Was das für Marketingdaten und den Schutz vor Betrug bedeutet

Das Berliner Unternehmen Kazimi hat eine Finanzierungsrunde im Umfang von 2,2 Millionen Euro abgeschlossen. Die Mittel stammen aus einer überzeichneten Pre-Seed-Runde, angeführt von Market One Capital. Weitere Investoren sind IBB Ventures sowie mehrere erfahrene Führungskräfte aus der Mobil- und Technologiebranche. Ziel der Finanzierung ist es, die Entwicklung und Skalierung einer Sicherheitslösung für mobile Apps voranzutreiben, die insbesondere auf die Verifizierung von Nutzersignalen und den Schutz vor automatisierten Bot-Aktivitäten abzielt.

Technologie zur Erkennung von Bot-Aktivitäten

Kazimi entwickelt eine Software, die es App-Entwicklern ermöglichen soll, zwischen echten Nutzerinteraktionen und automatisierten Zugriffen zu unterscheiden. Nach Angaben des Unternehmens basiert die Lösung auf kryptografischen Verfahren, die Interaktionen prüfen, ohne personenbezogene Daten offenzulegen. Damit sollen App-Betreiber in die Lage versetzt werden, die Qualität ihrer First-Party-Daten für Marketing, Analytik und KI-Anwendungen zu sichern und gleichzeitig Datenschutzanforderungen einzuhalten.

Die Relevanz solcher Technologien nimmt zu, da laut aktuellen Daten von Cloudflare der Anteil automatisierter Bot-Aktivitäten im Internet bereits 2026 den menschlichen Traffic überstiegen hat. Auch AppsFlyer berichtet, dass betrügerische Aktivitäten durch Bots weiterhin ein zentrales Problem im mobilen Marketing darstellen. Kazimi adressiert damit eine wachsende Herausforderung für Unternehmen, die auf digitale Kanäle zur Kundengewinnung und -bindung setzen.

Finanzierung und Investorenstruktur

Die Pre-Seed-Runde wurde von Market One Capital angeführt, einem auf technologieorientierte Start-ups spezialisierten Investor. IBB Ventures, ein Berliner Frühphaseninvestor, beteiligte sich ebenfalls. Ergänzt wird das Investorenkonsortium durch erfahrene Branchenvertreter, darunter der ehemalige CTO von Rovio, Petri Hyökyranta, der frühere Supercell-Datenwissenschaftler Janne Peltola und der ehemalige CFO von Birkenstock Group und Sportradar, Erik Massmann. Die genaue Unternehmensbewertung wurde nicht veröffentlicht.

Das Kapital soll laut Unternehmensangaben vor allem in die Weiterentwicklung der Technologie und den Ausbau der Marktpräsenz fließen. Kazimi richtet sich mit seinem Angebot insbesondere an App-Anbieter aus den Bereichen Mobile Gaming, Belohnungsplattformen und Fintech, die einen hohen Anteil ihres Geschäftsmodells auf Marketingausgaben stützen.

Marktumfeld und technologische Einordnung

Die zunehmende Automatisierung im Internet stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen bei der Datenerhebung und -auswertung. Während viele Anbieter auf externe Datenquellen und Tracking-Lösungen angewiesen sind, setzt Kazimi auf die Sicherung und Verifizierung von First-Party-Daten direkt in der App. Das Unternehmen betont, dass die eingesetzten kryptografischen Methoden darauf ausgelegt sind, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen und gleichzeitig die Integrität der gesammelten Daten zu gewährleisten.

Die Gründer von Kazimi verfügen über Erfahrung im Bereich Betrugserkennung und Sicherheitssysteme für mobile Anwendungen. Sie waren zuvor unter anderem bei Adjust tätig, einem Anbieter von Mobile Measurement-Lösungen, der 2021 von AppLovin übernommen wurde. Die technische Ausrichtung von Kazimi unterscheidet sich von klassischen Anti-Betrugs-Tools, da der Fokus auf der Signalverifizierung innerhalb der App und nicht auf externen Blacklists oder Verhaltensanalysen liegt.

Relevanz für den deutschen und europäischen Markt

Mit der aktuellen Finanzierungsrunde positioniert sich Kazimi als Anbieter einer spezialisierten Sicherheitslösung für den europäischen App-Markt. Die Einhaltung von Datenschutzvorgaben wie der DSGVO spielt dabei eine zentrale Rolle. Unternehmen, die auf verlässliche Marketingdaten angewiesen sind, könnten von einer verbesserten Datenqualität profitieren, sofern die Technologie im Praxiseinsatz hält, was sie verspricht. Die Entwicklung reiht sich ein in eine Serie von Investitionen in KI- und Sicherheitslösungen aus Deutschland, wie sie zuletzt auch bei anderen Plattformanbietern zu beobachten war. Ein Beispiel für die Dynamik im Markt ist die jüngste Kapitalaufnahme von Flip, das seine KI-Plattform für den Arbeitsalltag ausbaut (mehr dazu im Überblick zu aktuellen Finanzierungsrunden).

First-Party-Daten gewinnen im Zuge verschärfter Datenschutzregulierung und zunehmender Einschränkungen beim Tracking von Drittanbietern weiter an Bedeutung. Ob sich die von Kazimi entwickelte Lösung im breiten Markt durchsetzen kann, hängt von der tatsächlichen Wirksamkeit im Alltag und der Akzeptanz bei App-Entwicklern ab. Unabhängige Tests oder großflächige Implementierungen wurden bislang nicht veröffentlicht.

First-Party-Daten bezeichnen Informationen, die Unternehmen direkt von ihren Nutzerinnen und Nutzern erheben - etwa durch Interaktionen in einer App oder auf einer eigenen Website. Im Unterschied zu Third-Party-Daten, die von externen Anbietern stammen, gelten First-Party-Daten als besonders wertvoll für zielgerichtetes Marketing und Analytik. Ihre Qualität und Integrität sind jedoch nur dann gewährleistet, wenn sie nicht durch automatisierte Bot-Aktivitäten oder Manipulationen verfälscht werden. Die Verifizierung solcher Daten wird durch neue technische Ansätze wie kryptografische Prüfverfahren zunehmend zum Wettbewerbsfaktor im digitalen Marketing.

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