Das britische Unternehmen Kinematic Trees hat eine Vorfinanzierung in Höhe von 585.000 Pfund erhalten, um seine Softwareplattform für flexible Robotik weiterzuentwickeln und das Team auszubauen. Was steckt hinter dem Ansatz
Das britische Softwareunternehmen Kinematic Trees hat im Juni 2026 eine Vorfinanzierungsrunde in Höhe von 585.000 Pfund abgeschlossen. Ziel der Kapitalaufnahme ist die Weiterentwicklung einer Softwareplattform, die den Einsatz fortschrittlicher Robotik über verschiedene Hardwaretypen hinweg vereinfachen soll. Die Finanzierung wurde von Haatch über den SEIS Fund, dem D2N2 Early-Stage Angel Investment Fund sowie dem British Business Bank Syndicate Fund bereitgestellt. Die Mittel sollen insbesondere in die Produktentwicklung und den Ausbau der kommerziellen und technischen Teams an den Standorten London, Nottinghamshire und Sheffield fließen.
Fokus auf modulare Softwarearchitektur
Kinematic Trees wurde 2025 von Dr Stuart Wilson und Daniel Camilleri gegründet. Das Unternehmen entwickelt eine Integrationsschicht für Robotiksoftware, die unabhängig von der eingesetzten Hardware funktionieren soll. Nach Angaben des Unternehmens basiert die Plattform auf Prinzipien der natürlichen Intelligenz und setzt auf modulare Softwarekomponenten. Diese Module sollen es ermöglichen, spezifisches Robotik-Know-how flexibel zu kombinieren, wiederzuverwenden und an neue Anwendungsfälle anzupassen. Zielgruppe sind Anbieter von Robotiksystemen, Hersteller und Softwareentwickler, die komplexe Robotiklösungen effizienter implementieren möchten.
Die Plattform ist darauf ausgelegt, die Entwicklung und Skalierung von Robotersystemen zu beschleunigen, indem sie eine Wiederverwendung von Steuerungslogik und Fachwissen über verschiedene Robotertypen hinweg ermöglicht. Nach Unternehmensangaben ist die Software so konzipiert, dass sie sich für unterschiedliche Branchen eignet, darunter Fertigung, Gesundheitswesen, Bildung und kreative Industrien.
Geplante Anwendungen und Forschungsschwerpunkte
Aktuell arbeitet Kinematic Trees mit verschiedenen Robotikanbietern an integrierten Lösungen für industrielle und dienstleistungsorientierte Anwendungen. Neben der Produktentwicklung engagiert sich das Unternehmen auch in Forschungsprojekten zu verkörperter künstlicher Intelligenz und kognitiven Architekturen. Diese Forschungsaktivitäten sollen dazu beitragen, die Akzeptanz und den praktischen Nutzen von Robotiksystemen in unterschiedlichen Umgebungen zu erhöhen.
Nach Angaben von Kinematic Trees ist die Softwareentwicklung weiterhin ein zentrales Hindernis für die breite Einführung von Robotik, obwohl die Kosten für Hardware und KI-Komponenten in den vergangenen Jahren gesunken sind. Das Unternehmen sieht in der Portabilität und Modularität von Software einen entscheidenden Hebel, um die Integration von Robotik in bestehende Prozesse zu erleichtern.
Finanzierung und nächste Schritte
Die aktuelle Vorfinanzierung in Höhe von 585.000 Pfund (umgerechnet rund 690.000 Euro) ist für ein britisches Frühphasen-Startup im Robotikbereich ein typisches Volumen. Die Investorenstruktur umfasst sowohl spezialisierte Frühphasenfonds als auch öffentliche Fördermittel. Mit dem Kapital plant Kinematic Trees, die internationale Markteinführung der Plattform vorzubereiten und die Zusammenarbeit mit weiteren Robotikanbietern und Softwareentwicklern auszubauen. Für die zweite Jahreshälfte 2026 sind erste Pilotprojekte in Fabrikumgebungen sowie neue Partnerschaften angekündigt.
Unabhängige Bewertungen zur tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Plattform liegen bislang nicht vor. Auch Angaben zu bestehenden Kunden, Umsatz oder konkreten Marktanteilen wurden nicht veröffentlicht. Die weitere Entwicklung bleibt daher von der erfolgreichen Umsetzung der angekündigten Pilotprojekte und der Akzeptanz im Markt abhängig.
Die Entwicklung von robotikunabhängiger Software gilt als ein zentrales Thema für die Skalierung von Robotiklösungen in Europa. Insbesondere für deutsche und europäische Unternehmen, die auf Interoperabilität und flexible Integration setzen, könnten solche Plattformen mittelfristig an Bedeutung gewinnen. Die tatsächliche Marktdurchdringung und der Einfluss auf bestehende industrielle Softwarelandschaften werden sich jedoch erst mit den kommenden Pilotanwendungen und Partnerschaften zeigen.
Der Begriff "robotikunabhängige Software" bezeichnet Softwarelösungen, die nicht an eine bestimmte Roboterhardware gebunden sind. Statt individueller, herstellerspezifischer Programmierung ermöglichen solche Plattformen die Entwicklung und den Einsatz von Steuerungs- und Intelligenzmodulen, die auf unterschiedlichen Robotertypen und in verschiedenen Branchen genutzt werden können. Dies soll die Wiederverwendbarkeit von Software erhöhen, Integrationsaufwände senken und die Einführung neuer Robotiklösungen beschleunigen. Für Unternehmen bedeutet dies potenziell mehr Flexibilität bei der Auswahl von Hardware und eine Reduktion von Abhängigkeiten gegenüber einzelnen Anbietern.