Molten Ventures meldet den ersten Abschluss eines neuen Wachstumsfonds mit 175 Millionen Pfund. Die Beteiligung der British Business Bank und die geplante Gesamtsumme von 350 Millionen Pfund zeigen, wie gezielt Kapital für europäische Tech-Scale-ups mobilisiert werden soll
Der Wettbewerb um die Verwaltung milliardenschwerer staatlicher Technologiefonds in Großbritannien verschärft sich: Molten Ventures, bekannt als Investor von Revolut, hat den ersten Abschluss seines neuen Wachstumsfonds mit 175 Millionen Pfund bekanntgegeben. Im Zentrum steht die Frage, wie britische und europäische Start-ups künftig Zugang zu Wachstumskapital erhalten, ohne auf ausländische Investoren angewiesen zu sein.
Staatliche Beteiligung und private Investoren
Die British Business Bank, eine staatliche Förderbank, hat sich mit 75 Millionen Pfund als Ankerinvestor am neuen Fonds beteiligt. Diese Rolle ist entscheidend, da sie weiteren institutionellen Anlegern den Einstieg erleichtert. Insgesamt strebt Molten Ventures ein Fondsvolumen von 350 Millionen Pfund an. Die Mittel sollen gezielt in Unternehmen aus den Bereichen Raumfahrt, künstliche Intelligenz, Fintech, Quantentechnologie, Deeptech und Hardware fließen, die sich in der Wachstumsphase ab Series B befinden.
Molten Ventures verwaltet nach eigenen Angaben derzeit rund 2 Milliarden Pfund in verschiedenen Fonds und ist neben Revolut auch an Unternehmen wie Iceye und Zopa beteiligt. Die aktuelle Initiative steht im Kontext eines verstärkten politischen Interesses, britische und europäische Technologieunternehmen im internationalen Wettbewerb zu stärken.
Fokus auf das Scale-up-Problem
Ein zentrales Problem für europäische Start-ups bleibt die Finanzierung der Skalierungsphase. Viele Gründerinnen und Gründer sehen sich gezwungen, für größere Finanzierungsrunden auf internationale Kapitalgeber zurückzugreifen. Der neue Fonds von Molten Ventures soll diese Lücke schließen und gezielt Kapital für die Expansion innerhalb Europas bereitstellen. Die British Business Bank agiert dabei nicht nur als Investor, sondern auch als politischer Akteur, der die Zusammenarbeit mit Pensionsfonds und anderen institutionellen Anlegern koordiniert.
Parallel dazu läuft das Auswahlverfahren für die Verwaltung des geplanten Scale Up Fund, der mit einem Volumen von einer Milliarde Pfund britische Wachstumsunternehmen unterstützen soll. Neben Molten Ventures bewerben sich laut Medienberichten auch M&G Investments und Schroders um das Mandat. Die Mittel stammen überwiegend aus britischen Pensionsfonds, die in Zusammenarbeit mit der British Business Bank neue Wege der Kapitalallokation für Technologieunternehmen erproben.
Marktposition und internationale Vergleiche
Die Strategie von Molten Ventures steht exemplarisch für den Versuch, europäische Kapitalmärkte unabhängiger von US-Investoren zu machen. Während in den USA große Pensionsfonds und staatliche Programme seit Jahren gezielt in Technologie-Scale-ups investieren, ist die Beteiligung institutioneller Anleger in Europa bislang begrenzt. Die aktuelle Entwicklung folgt auf eine Reihe von Initiativen, die darauf abzielen, die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Technologieunternehmen zu sichern und den Abfluss von Know-how und Wertschöpfung ins Ausland zu begrenzen.
Vergleichbare Ansätze finden sich auch in anderen europäischen Ländern, wie ein früherer Bericht über die Finanzierung von Quanten-Start-ups in Frankreich zeigt. Die Frage bleibt, ob die neuen Fondsstrukturen tatsächlich ausreichen, um den Rückstand gegenüber den USA und China im Bereich Wachstumskapital aufzuholen.
Offene Fragen und Bewertung
Die Ankündigung von Molten Ventures markiert einen wichtigen Schritt für die europäische Technologie- und Finanzierungslandschaft. Allerdings bleibt offen, wie schnell und effizient die Mittel tatsächlich bei den Unternehmen ankommen und ob die Auswahl der geförderten Start-ups transparent und nach klaren Kriterien erfolgt. Die Beteiligung der British Business Bank erhöht die politische Sichtbarkeit, birgt aber auch das Risiko, dass Förderentscheidungen stärker von industriepolitischen Zielen als von unternehmerischer Qualität geprägt werden.
Die Konzentration auf Sektoren wie künstliche Intelligenz, Raumfahrt und Deeptech ist nachvollziehbar, da hier die größten Skalierungshürden bestehen. Entscheidend wird sein, ob die Fondsmanager in der Lage sind, nicht nur Kapital, sondern auch strategische Unterstützung und internationales Netzwerk bereitzustellen. Die Erfahrung aus anderen Märkten zeigt, dass reine Kapitalzufuhr selten ausreicht, um nachhaltige Technologieführerschaft zu sichern. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die britischen und europäischen Initiativen tatsächlich zu einer strukturellen Stärkung des Innovationsstandorts führen oder ob die Abhängigkeit von ausländischem Kapital bestehen bleibt.
Wachstumskapital bezeichnet Investitionen in Unternehmen, die sich bereits über die Gründungsphase hinaus entwickelt haben und nun größere Summen für die Expansion benötigen. Im Unterschied zu klassischem Venture Capital, das vor allem in sehr frühe Unternehmensphasen investiert, zielt Wachstumskapital auf die Skalierung von Geschäftsmodellen, den Markteintritt in neue Regionen oder die Entwicklung neuer Produkte. In Europa ist der Zugang zu Wachstumskapital traditionell schwieriger als in den USA, da institutionelle Anleger wie Pensionsfonds bislang zurückhaltender agieren. Neue Fondsstrukturen und staatliche Beteiligungen sollen diese Lücke schließen und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Technologieunternehmen stärken. Schlagwörter: Wagniskapital & Investoren, Wachstumskapital, Revolut