Das Brüsseler Unternehmen Motion sammelt 2 Millionen US-Dollar ein, um seine Humanoids-as-a-Service-Plattform auszuweiten und Pilotprojekte in die kommerzielle Nutzung zu überführen. Welche Hürden bleiben bestehen
Das belgische Robotikunternehmen Motion hat eine Pre-Seed-Finanzierung in Höhe von 2 Millionen US-Dollar bekannt gegeben. Ziel ist es, die eigene Humanoids-as-a-Service-Plattform (HaaS) weiterzuentwickeln und bestehende Pilotprojekte in die kommerzielle Anwendung zu überführen. Die Runde wurde von Extantia Capital angeführt, beteiligt war zudem Norrsken Evolve. Die Mittel sollen insbesondere den Ausbau der Robotikflotte, die Erweiterung des Teams und die Skalierung der Plattform in der Benelux-Region ermöglichen.
Finanzierung und geplante Expansion
Motion wurde 2026 in Brüssel gegründet und verfolgt das Ziel, humanoide Roboter für industrielle, logistische und lagerbezogene Anwendungen als Dienstleistung bereitzustellen. Das Unternehmen setzt auf ein Abonnementmodell, das die hohen Anfangsinvestitionen und die Komplexität der Integration für Kunden reduzieren soll. Statt Roboter zu kaufen, zahlen Unternehmen eine monatliche Gebühr, die neben der Bereitstellung auch Datenintegration, Auswahl und Training der Roboter, IT-Anbindung, Flottenmanagement, Finanzierung, Versicherung, Compliance und Wartung umfasst.
Aktuell laufen fünf Pilotprojekte mit Industrie- und Logistikunternehmen in Belgien. Die eingesetzten humanoiden Roboter werden für Aufgaben wie das Beladen von Kisten, das Verpacken von Waren und das Platzieren von Komponenten auf Förderbändern trainiert. Nach Angaben von Motion arbeiten die Systeme dabei eng mit menschlichen Beschäftigten zusammen. Die Umstellung von Pilot- auf Regelbetrieb ist für die kommenden Monate geplant, zunächst mit Fokus auf die Benelux-Staaten.
Technologischer Ansatz und Marktpositionierung
Motion verfolgt einen hardwareunabhängigen Ansatz: Die Plattform ist so konzipiert, dass verschiedene Robotermodelle unterschiedlicher Hersteller integriert werden können. Dadurch sollen Kunden flexibel auf spezifische Anforderungen reagieren, ohne sich langfristig an einen Anbieter zu binden. Die Softwarearchitektur ermöglicht es, Erfahrungen aus einzelnen Implementierungen für das gesamte Netzwerk nutzbar zu machen, während die Kontrolle über die eigenen Betriebsdaten bei den Kunden verbleibt.
Das Unternehmen sieht seine Dienstleistung als Antwort auf den zunehmenden Arbeitskräftemangel in der europäischen Industrie. Nach Einschätzung von Motion scheitert die Einführung von Robotik in vielen Betrieben weniger an der Technologie selbst als an Fragen der Finanzierung, Integration und regulatorischen Anforderungen. Die monatliche Pauschale soll diese Hürden senken und den Zugang zu humanoider Robotik erleichtern.
Partnerprogramm und europäischer Kontext
Zusätzlich zum Direktgeschäft startet Motion ein Partnerprogramm für Systemintegratoren und Automatisierungsspezialisten. Diese sollen künftig humanoide Roboter über die Plattform von Motion bei eigenen Kunden implementieren können. Damit will das Unternehmen die Verbreitung seiner Lösung über das eigene Netzwerk hinaus beschleunigen.
Die Entwicklung spiegelt einen Trend wider, der auch in anderen europäischen Technologiemärkten zu beobachten ist: Start-ups und etablierte Unternehmen suchen nach Wegen, Automatisierungslösungen als Dienstleistung bereitzustellen, um Markteintrittsbarrieren zu senken. Ein Beispiel aus dem Bereich der KI-Infrastruktur ist die jüngste Finanzierung von Velatir, das 5 Millionen Euro für den Ausbau seiner Plattform in Europa erhalten hat (weitere Details zur Entwicklung im europäischen KI-Markt).
Offene Fragen und regulatorische Herausforderungen
Obwohl die Finanzierung einen wichtigen Schritt für Motion darstellt, bleiben zentrale Fragen offen. Bislang liegen keine unabhängigen Daten zur tatsächlichen Leistungsfähigkeit der eingesetzten humanoiden Roboter im industriellen Dauerbetrieb vor. Auch die langfristige Wirtschaftlichkeit des HaaS-Modells muss sich erst im Markt beweisen. Hinzu kommen regulatorische Unsicherheiten, etwa im Hinblick auf Arbeitsschutz, Datenschutz und Haftung bei gemischten Mensch-Roboter-Teams. Die weitere Entwicklung dürfte davon abhängen, wie schnell und zuverlässig Motion die Umstellung von Pilotprojekten auf den Regelbetrieb gelingt und wie die Akzeptanz bei industriellen Kunden ausfällt.
Das Konzept "Humanoids-as-a-Service" (HaaS) beschreibt die Bereitstellung humanoider Roboter als Dienstleistung, meist im Rahmen eines Abonnementmodells. Im Unterschied zum klassischen Kauf übernimmt der Anbieter nicht nur die Hardware, sondern auch Integration, Wartung, Softwareupdates und oft die Finanzierung. Für Unternehmen kann dies die Einstiegshürden in die Robotik senken, birgt aber auch neue Abhängigkeiten und Fragen der Datenkontrolle. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit solcher Modelle hängt maßgeblich von der tatsächlichen Auslastung, den Betriebskosten und der Akzeptanz im industriellen Alltag ab.