• 5 Minuten Lesezeit
  • Veröffentlicht

Nokia rückt mit optischer KI-Infrastruktur in den Fokus internationaler Analysten

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Nokia rückt mit optischer KI-Infrastruktur in den Fokus internationaler Analysten Glocalist Press © glocalist.press
Nokia rückt mit optischer KI-Infrastruktur in den Fokus internationaler Analysten © glocalist.press

Ein aktueller Bericht von Rosenblatt Securities bewertet Nokia als strategisch wichtigen Anbieter für KI-Infrastruktur und optische Netzwerke. Welche Annahmen und Unsicherheiten prägen die Einschätzung?

Rosenblatt Securities hat Nokia mit einem Kursziel von 15 US-Dollar und einer Kaufempfehlung neu bewertet. Damit rückt die Rolle des finnischen Telekommunikationsausrüsters im KI-Zeitalter wieder stärker in den Blick. Die Analysten gehen davon aus, dass Nokia sich im Bereich Infrastruktur für künstliche Intelligenz und optische Netzwerke eine solide Position erarbeitet hat - ein Thema, das bisher wenig öffentlich diskutiert wurde.

Analyse von Rosenblatt Securities

Am 14. September nahm Rosenblatt Securities Nokia Oyj in die Beobachtungsliste auf und veröffentlichte eine ausführliche Analyse. Die Analysten sehen Nokia im Segment optischer Netzwerklösungen, insbesondere bei sogenannten "Scale-Across"-Architekturen, im Aufwind. Solche Architekturen gelten als schwer austauschbar, sobald sie in bestehende Systeme integriert sind. Die Bewertung von 15 US-Dollar je Aktie basiert auf einer Aufteilung des Geschäfts: Ein Drittel wird der KI-Infrastruktur zugerechnet, zwei Drittel dem klassischen Telekommunikationsgeschäft. Zum Zeitpunkt der Analyse lag der US-Schlusskurs der Nokia-Aktie bei 9,65 US-Dollar.

Die Analysten bezeichnen diese Bewertung als konservativ, da sich der Geschäftsmix von Nokia künftig weiter in Richtung KI verschieben könnte. Im zweiten Quartal 2026 wuchs Nokias Bereich Optical Networks um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während sich die Umsätze im Segment AI & Cloud mehr als verdoppelten. Rosenblatt zufolge lagen die Bestellungen im Bereich AI & Cloud bei 2,8 Milliarden Euro, etwa die Hälfte davon dürfte innerhalb von zwölf Monaten als Umsatz verbucht werden. Optical Networks machen inzwischen rund 45 Prozent des Umsatzes der Network Infrastructure-Sparte und etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes der Gruppe aus.

Die Einschätzung bleibt eine Annahme, gestützt auf die aktuelle Marktposition und die beobachtete Entwicklung im Bereich optischer Netzwerke. Die Zuordnung eines Drittels des Unternehmenswerts zur KI-Infrastruktur ist eine interne Schätzung der Analysten und bislang nicht durch veröffentlichte Segmentzahlen von Nokia belegt. Auch wie sich die Nachfrage nach optischen Netzwerken im Zuge der KI-Expansion tatsächlich entwickelt, ist offen.

Die sichere und KI-native Netzwerkinfrastruktur von Nokia ist darauf ausgelegt, die Skalierung von KI-Diensten in großem Maßstab zu ermöglichen und die Anforderungen moderner Datenübertragung zu erfüllen.

NokiaOffizielle Mitteilung

Technologische Einordnung und Marktposition

Nokia ist seit Jahren ein etablierter Anbieter von Netzwerktechnologien für Telekommunikationsunternehmen und Rechenzentren. Mit dem Ausbau von KI-Anwendungen steigt die Nachfrage nach leistungsfähigen optischen Netzwerken, die große Datenmengen mit möglichst geringer Latenz übertragen. Die "Scale-Across"-Architekturen, auf die sich Rosenblatt Securities bezieht, verbinden verschiedene Netzwerkelemente flexibel und effizient. Für Betreiber von Rechenzentren und Telekommunikationsnetzen ist die Austauschbarkeit solcher Systeme ein wichtiger Faktor, da ein Wechsel mit hohen Kosten und Risiken verbunden ist.

Auch deutsche Behörden wie die Bundesnetzagentur betonen die Bedeutung sicherer und leistungsfähiger Netzwerkinfrastrukturen, besonders im Zusammenhang mit Digitalisierung und KI-Anwendungen in kritischen Infrastrukturen. Die jüngste Live-Demonstration der Netzwerktomographie mit Orange France zeigt, dass Nokia nicht nur klassische Telekommunikationsnetze, sondern auch KI-fähige Infrastrukturen für den europäischen Markt bereitstellt.

Für Investoren und Marktbeobachter bleibt die Frage, ob Nokia die erwartete Verschiebung des Geschäftsmodells in Richtung KI-Infrastruktur tatsächlich umsetzen kann. Ohne detaillierte Segmentberichte oder unabhängige Marktdaten bleibt die Einschätzung von Rosenblatt Securities eine plausible, aber nicht abschließend belegte These. Die Entwicklung der nächsten Quartale wird zeigen, ob sich die Annahmen über Marktanteile und Umsatzverschiebungen bestätigen.

Die aktuelle Bewertung von Nokia durch Rosenblatt Securities zeigt, wie stark Analysten die Bedeutung von KI-Infrastruktur und optischen Netzwerken für die nächste Phase der Digitalisierung einschätzen. Gleichzeitig wird deutlich, dass selbst etablierte Anbieter wie Nokia mit Unsicherheiten bei der Zuordnung von Geschäftsbereichen und der Bewertung neuer Marktsegmente umgehen müssen. Für den europäischen Technologiemarkt bleibt entscheidend, ob Unternehmen wie Nokia ihre technologische Basis in nachhaltige Wachstumsfelder überführen können - und ob die Kapitalmärkte diese Entwicklung frühzeitig honorieren oder erst auf nachweisbare Ergebnisse warten.

Optische Netzwerkinfrastruktur ist das Rückgrat moderner Datenübertragung und für KI-Anwendungen zentral. "Scale-Across"-Architekturen verbinden verschiedene Komponenten flexibel und ermöglichen so Ausfallsicherheit und Skalierbarkeit. Für Betreiber von Rechenzentren und Telekommunikationsnetzen ist die Wahl solcher Architekturen ein strategischer Faktor, da sie die Leistungsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der gesamten Infrastruktur beeinflusst.

Ähnliche Artikel