Die ESA-Astronautin Sophie Adenot testet auf der ISS das System EasyMotion-2, um neue Trainingsmethoden gegen Muskelschwund im All zu erforschen. OHB liefert die dafür qualifizierte Ausrüstung. Die Ergebnisse bleiben abzuwarten
Die französische ESA-Astronautin Sophie Adenot hat auf der Internationalen Raumstation ISS ein neues Experiment zur Bekämpfung von Muskelschwund unter Schwerelosigkeit gestartet. Im Mittelpunkt steht das System EasyMotion-2, das auf Elektromuskelstimulation (EMS) basiert. Ziel ist es, die Wirksamkeit dieser Technologie als ergänzende Trainingsmaßnahme für Astronautinnen und Astronauten wissenschaftlich zu bewerten. Die für das Experiment eingesetzten EMS-Trainingsanzüge wurden von der OHB System AG speziell für den Einsatz im Weltraum qualifiziert. Die Durchführung der Studie erfolgt im Auftrag der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR, mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Charité - Universitätsmedizin Berlin. Weitere Partner sind die Europäische Weltraumorganisation ESA und die EMS GmbH, Hersteller des EasyMotionSkin-Systems.
Experimenteller Ansatz und technische Umsetzung
Während der sechswöchigen Versuchsreihe trägt Sophie Adenot einen EMS-Anzug, dessen integrierte Elektroden gezielt bestimmte Muskelgruppen stimulieren. Ergänzend werden mit dem Messsystem MyotonPRO, das ebenfalls von OHB für die ISS qualifiziert wurde, Veränderungen der Muskelspannung und Muskelbeschaffenheit dokumentiert. Die Kombination aus aktiver Stimulation und präziser Messung soll es ermöglichen, den Effekt des Trainings unter den besonderen Bedingungen der Schwerelosigkeit systematisch zu erfassen. Die Studie baut auf einer früheren Technologiedemonstration auf, bei der das System bereits von ESA-Astronaut Matthias Maurer während der Mission Cosmic Kiss getestet wurde. Nun steht die wissenschaftliche Validierung im Vordergrund.
Rolle von OHB und beteiligten Institutionen
Die OHB System AG ist für die Qualifizierung und Bereitstellung der Trainingsausrüstung verantwortlich. Nach Unternehmensangaben wurden insgesamt acht Sets für künftige Astronautenmissionen beschafft und für den Einsatz auf der ISS zertifiziert. Die Einweisung der Astronautin in das System erfolgte vor Missionsbeginn in der Luft- und Raumfahrtmedizinischen Forschungsanlage des DLR in Köln. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei der Charité, während die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR als Auftraggeber fungiert. Die ESA koordiniert das Experiment im Rahmen ihrer laufenden Forschungsprogramme auf der ISS.
Potenzielle Auswirkungen und offene Fragen
Die Ergebnisse des Experiments könnten Einfluss auf künftige Trainingsprogramme für Langzeitmissionen im All haben, insbesondere im Hinblick auf Missionen zum Mars oder längere Aufenthalte auf der ISS. Elektromuskelstimulation gilt als potenziell zeitsparende und ressourcenschonende Ergänzung zu herkömmlichen Trainingsmethoden. Ob und in welchem Umfang sich der zusätzliche Trainingseffekt unter realen Weltraumbedingungen bestätigt, bleibt jedoch abzuwarten. Bislang liegen keine veröffentlichten Resultate der aktuellen Studie vor. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Besatzungsmitglieder und längere Missionen ist ebenfalls noch offen.
Elektromuskelstimulation (EMS) bezeichnet die gezielte Aktivierung von Muskelgruppen durch elektrische Impulse. Im medizinischen und sportlichen Kontext wird EMS seit Jahren zur Rehabilitation und Leistungssteigerung eingesetzt. Im Weltraum stellt Muskelschwund durch fehlende Schwerkraft eine zentrale Herausforderung dar. Die wissenschaftliche Validierung von EMS als Trainingsmaßnahme unter Schwerelosigkeit ist daher von besonderem Interesse für die bemannte Raumfahrt. Die Übertragbarkeit von Laborergebnissen auf den Langzeiteinsatz im All bleibt jedoch eine offene Frage, die weitere Forschung erfordert.