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Strong by Form erhält 5,8 Millionen Euro für Holzbautechnologie im Bauwesen

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Strong by Form erhält 5,8 Millionen Euro für Holzbautechnologie im Bauwesen Glocalist Press © glocalist.press
Strong by Form erhält 5,8 Millionen Euro für Holzbautechnologie im Bauwesen © glocalist.press

Das Unternehmen Strong by Form sammelt 5,8 Millionen Euro ein, um Holz als Alternative zu Beton im Bau zu etablieren. Welche technischen und wirtschaftlichen Hürden bleiben und wie realistisch ist der Markteintritt

Mit einer Finanzierungsrunde von 5,8 Millionen Euro will das Unternehmen Strong by Form die industrielle Nutzung von Holz als tragendes Baumaterial vorantreiben. Die Mittel sollen den Markteintritt in Europa ermöglichen und die Zertifizierung der eigenen Technologie beschleunigen. Ziel ist es, Holzprodukte zu entwickeln, die in puncto Festigkeit und Preis mit Beton konkurrieren können - ohne sich auf einen Nachhaltigkeitsbonus zu verlassen.

Finanzierung und industrielle Partner

Die aktuelle Series-A-Runde wird von boisei investments, einer US-amerikanischen Family-Office-Tochter, angeführt. Beteiligt sind zudem CMPC Ventures, die bereits die Seed-Runde führten, sowie weitere Investoren aus dem Forst- und Technologiebereich. Nach Angaben von Strong by Form fließt das Kapital in den Aufbau von Produktionskapazitäten in Europa, insbesondere in Spanien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Das Unternehmen arbeitet dabei eng mit etablierten Holzverarbeitern und Baukonzernen wie Vinci Construction zusammen, um die Integration in bestehende Lieferketten zu erleichtern.

Die Marktdimension ist erheblich: Während der globale Markt für Betondecken laut Unternehmensangaben bei rund 120 Milliarden US-Dollar liegt, machen Massivholzprodukte wie Cross-Laminated Timber (CLT) bislang weniger als 1,5 Milliarden US-Dollar aus. Strong by Form setzt darauf, dass die eigene Technologie es Holzherstellern ermöglicht, in deutlich größere Marktsegmente vorzudringen und dabei die Marge zu erhöhen.

Technologieansatz und Materialnutzung

Im Zentrum steht die sogenannte Woodflow-core-Technologie, ein strukturelles Holzbauteil, das nach Angaben des Unternehmens die Festigkeit von Beton und Stahl erreichen und dabei bis zu 80 Prozent leichter sein soll. Die Besonderheit: Statt auf massive Holzbalken zu setzen, werden Holzflocken computergestützt so ausgerichtet, dass sie nur dort Material bereitstellen, wo es statisch notwendig ist. Das Verfahren orientiert sich an natürlichen Wachstumsprinzipien von Bäumen und soll den Materialeinsatz deutlich reduzieren.

Nach Angaben von Strong by Form kann die Technologie bis zu 90 Prozent eines Baumes verwerten, während herkömmliche Verfahren oft nur 40 Prozent nutzen. Zudem ist die Methode nicht auf wenige Holzarten beschränkt, sondern kann auch minderwertige oder lokal verfügbare Hölzer einbinden. Das Unternehmen betont, dass dies Monokulturen entgegenwirken und die Wertschöpfung in der Forstwirtschaft diversifizieren könnte. Die industrielle Skalierung befindet sich jedoch noch im Prototypenstadium (TRL 6), eine breite Markteinführung steht aus.

Geschäftsmodell und Marktzugang

Strong by Form verfolgt ein Lizenzmodell und will selbst nicht als Hersteller auftreten. Die Technologie soll von bestehenden Holzverarbeitern übernommen und in deren Produktionslinien integriert werden. Nach Unternehmensangaben wurden erste Prototypen und Pilotprojekte mit Unterstützung von Investoren aus der Forstwirtschaft realisiert. Die Zusammenarbeit mit Vinci Construction zielt darauf ab, hybride Gebäudekonzepte zu entwickeln, bei denen einzelne Bauteile durch Woodflow ersetzt werden, ohne dass Bauunternehmen ihre Prozesse grundlegend umstellen müssen.

Die Integration in bestehende Bauprozesse ist ein zentrales Argument: Die Woodflow-Bauteile sind so konzipiert, dass sie mit gängigen Verbindungsmitteln und Montagetechniken kompatibel sind. Damit sollen Hemmnisse bei der Einführung reduziert werden. Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit des Ansatzes bleibt jedoch offen, solange unabhängige Marktdaten und Zertifizierungen fehlen.

Technische und wirtschaftliche Unsicherheiten

Ob die Technologie von Strong by Form tatsächlich eine Alternative zu Beton im Massenmarkt werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Zertifizierung für den Einsatz in tragenden Strukturen steht noch aus, ebenso unabhängige Nachweise zur Langzeitbeständigkeit und zu den tatsächlichen Materialeinsparungen. Die industrielle Produktion befindet sich im Aufbau, eine breite Verfügbarkeit ist frühestens in den kommenden Jahren zu erwarten.

Auch die Preisentwicklung bleibt abzuwarten: Während das Unternehmen angibt, langfristig günstiger als Beton produzieren zu können, sind die Kostenstrukturen im Pilotstadium schwer vergleichbar. Die Erfahrungen aus anderen Technologiefeldern zeigen, dass Skalierung und Integration in bestehende Märkte oft langsamer verlaufen als von Anbietern prognostiziert. Ein ähnliches Bild ergab sich auch bei anderen Start-ups im Bereich nachhaltiger Materialien, wie in einem früheren Bericht dokumentiert wurde.

Die Entscheidung, auf Lizenzierung statt Eigenfertigung zu setzen, reduziert zwar das Investitionsrisiko, macht das Unternehmen aber abhängig von der Akzeptanz etablierter Hersteller. Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, ob die Technologie den Sprung aus dem Pilotstatus in den industriellen Maßstab schafft. Die Ankündigung der Finanzierungsrunde ist ein Signal für das wachsende Interesse an alternativen Baustoffen, ersetzt aber keine unabhängige Validierung der technischen und wirtschaftlichen Versprechen.

Als Venture Capital bezeichnet man Eigenkapitalinvestitionen in junge, wachstumsorientierte Unternehmen, die noch keine etablierten Geschäftsmodelle oder stabilen Cashflows aufweisen. Investoren übernehmen dabei ein hohes Risiko, erwarten aber im Erfolgsfall überdurchschnittliche Renditen. Im Technologiebereich ist Venture Capital ein zentraler Treiber für die Entwicklung und Skalierung neuer Produkte und Geschäftsmodelle. Die Bewertung eines Start-ups basiert häufig auf Zukunftserwartungen und Marktpotenzial, nicht auf aktuellen Umsätzen. Für Unternehmen wie Strong by Form ist der Zugang zu Venture Capital entscheidend, um die Phase zwischen Prototyp und industrieller Produktion zu finanzieren.Schlagwörter: Wachstumskapital, Nachhaltige Finanzierung, Industrielle KI

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