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Videostreaming überholt klassisches Fernsehen in Deutschland laut Bitkom-Studie

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Videostreaming überholt klassisches Fernsehen in Deutschland laut Bitkom-Studie Glocalist Press © glocalist.press
Videostreaming überholt klassisches Fernsehen in Deutschland laut Bitkom-Studie © glocalist.press

Die Bitkom-Trendstudie 2026 zeigt: Videostreaming wird in Deutschland häufiger genutzt als klassisches Fernsehen. Gleichzeitig sinken die Umsätze mit Unterhaltungselektronik weiter. Was steckt hinter dem Wandel

Streamingdienste haben in Deutschland erstmals einen deutlichen Vorsprung gegenüber dem klassischen Fernsehen erreicht. Nach aktuellen Zahlen der Bitkom-Trendstudie 2026 greifen 89 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren zumindest gelegentlich auf Videostreaming zurück, während das klassische Fernsehprogramm über Kabel, Satellit oder Antenne nur noch von 81 Prozent genutzt wird. Besonders auffällig: In der Altersgruppe ab 65 Jahren bleibt das klassische Fernsehen mit 94 Prozent zwar dominant, doch in allen anderen Altersgruppen hat Streaming die Führung übernommen.

Marktentwicklung und Umsatzrückgang bei Unterhaltungselektronik

Der Wandel im Medienkonsum spiegelt sich auch in den Umsätzen der Unterhaltungselektronik wider. Für das Jahr 2026 prognostiziert Bitkom einen Rückgang des Gesamtumsatzes in Deutschland um 2,4 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Damit setzt sich der seit dem pandemiebedingten Hoch von 9,3 Milliarden Euro im Jahr 2020 anhaltende Abwärtstrend fort. Besonders betroffen sind Flat-TVs, die mit 2,81 Milliarden Euro zwar weiterhin den größten Anteil am Markt halten, aber einen Umsatzrückgang von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen. Auch bei Spielekonsolen und Audiogeräten werden Rückgänge von 9 beziehungsweise 4 Prozent erwartet.

Einzelne Segmente zeigen jedoch gegenläufige Tendenzen: Die Umsätze mit Audio- und Videozubehör steigen um 1,9 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro. Digitalkameras, die jahrelang rückläufig waren, legen 2026 um 2 Prozent auf 580 Millionen Euro zu. Der Effekt sportlicher Großereignisse wie der Fußball-Weltmeisterschaft bleibt laut Bitkom begrenzt und kann den allgemeinen Rückgang nicht aufhalten.

Streaming-Nutzung und Zahlungsbereitschaft

Die Bitkom-Studie belegt, dass Streaming nicht nur häufiger genutzt, sondern auch zunehmend bezahlt wird. 61 Prozent der Streaming-Nutzerinnen und -Nutzer geben an, für Inhalte zu zahlen. Dabei entfallen 46 Prozent auf einmalige kostenpflichtige Abrufe von Filmen mit durchschnittlich 12,80 Euro pro Monat, während 44 Prozent kostenpflichtige Abonnements nutzen und dafür im Schnitt 18,50 Euro monatlich ausgeben. Im Vergleich zum Vorjahr sind die durchschnittlichen Ausgaben pro Nutzer gestiegen.

Werbung in neuen Abo-Modellen stößt auf Skepsis: 59 Prozent der Befragten stört es, mehr zahlen zu müssen, um werbefrei zu streamen. 17 Prozent haben bereits sogenanntes "Abo-Hopping" betrieben, also ein Abonnement gezielt für einzelne Inhalte abgeschlossen und danach wieder gekündigt. Die Zahlungsbereitschaft für Streaming bleibt damit hoch, doch die Akzeptanz für zusätzliche Werbeeinblendungen ist begrenzt.

Künstliche Intelligenz und Transparenzwunsch bei Filmen

Mit dem Einzug von Künstlicher Intelligenz in die Filmproduktion wächst der Wunsch nach Transparenz. 91 Prozent der Befragten fordern eine klare Kennzeichnung, wenn Serien oder Filme mithilfe von KI erstellt wurden. Gleichzeitig sehen 72 Prozent KI-generierte Inhalte als Bedrohung für die klassische Filmindustrie. Dennoch zeigt sich ein Drittel offen dafür, dass auch KI-Filme bedeutende Preise wie einen Oscar gewinnen könnten.

Die Individualisierungsmöglichkeiten durch KI stoßen auf Interesse: 24 Prozent der Deutschen würden sich selbst als Heldin oder Held in einen Lieblingsfilm einfügen lassen, 17 Prozent möchten bestehende Filme oder Serien mit KI verändern oder weiterschreiben. Rund ein Viertel kann sich vorstellen, mit KI einen Film über das eigene Leben erstellen zu lassen. Die Forderung nach Transparenz bleibt jedoch zentral, um Akzeptanz für KI-Inhalte zu schaffen.

Langfristige Verschiebungen und strukturelle Folgen

Die Bitkom-Studie deutet auf einen nachhaltigen Strukturwandel im Medienkonsum hin. Während der Markt für Unterhaltungselektronik weiter schrumpft und einzelne Segmente wie Digitalkameras oder Zubehör nur punktuell wachsen, verschiebt sich die Nutzung von klassischen zu digitalen Angeboten. Die Generationenfrage bleibt entscheidend: Mit dem absehbaren Generationswechsel dürfte sich das Verhältnis weiter zugunsten des Streamings verschieben.

Die Entwicklung ist Teil eines umfassenderen Trends, bei dem technologische Innovationen wie Künstliche Intelligenz nicht nur neue Produkte ermöglichen, sondern auch bestehende Märkte und Konsumgewohnheiten verändern. Ähnliche Dynamiken zeigen sich auch in anderen Technologiebereichen, wie etwa bei den jüngsten Investitionen in KI-Plattformen. Für Unternehmen und Verbraucher bedeutet das: Selektiver Konsum, höhere Zahlungsbereitschaft für digitale Inhalte und ein wachsender Bedarf an Transparenz werden die Branche in den kommenden Jahren prägen. Die Zahlen der Bitkom-Studie liefern dafür eine belastbare Grundlage, doch die tatsächlichen Auswirkungen auf die Medienlandschaft werden erst mit zeitlichem Abstand vollständig sichtbar.

Streamingdienste und klassische Fernsehanbieter stehen damit vor der Herausforderung, ihre Geschäftsmodelle an veränderte Nutzererwartungen und technologische Entwicklungen anzupassen. Wer auf Transparenz, flexible Angebote und technologische Offenheit setzt, kann von der aktuellen Dynamik profitieren. Die kommenden Jahre werden zeigen, welche Akteure die strukturellen Veränderungen in nachhaltige Marktpositionen umwandeln können.

Die Plattformökonomie beschreibt digitale Geschäftsmodelle, bei denen Anbieter und Nachfrager über eine zentrale Plattform zusammengebracht werden. Im Medienbereich ermöglichen Plattformen wie Streamingdienste den direkten Zugang zu Inhalten, während klassische Anbieter auf lineare Ausstrahlung setzen. Die Verschiebung hin zu Plattformmodellen verändert nicht nur die Wertschöpfungsketten, sondern auch die Anforderungen an Transparenz, Datenschutz und Nutzerbindung. Für Unternehmen bedeutet das eine stärkere Abhängigkeit von digitalen Infrastrukturen und eine kontinuierliche Anpassung an technologische Innovationen.

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