Neue Visa-Zahlen zeigen: Immer mehr Firmen nutzen Stablecoins für Zahlungen und Kartenprogramme. Die Daten geben Einblick, wie Unternehmen digitale Währungen im Alltag einsetzen.
Im laufenden Geschäftsjahr wickelten Unternehmen rund 17 Prozent ihres Stablecoin-Kartenumsatzes über Geschäfts- und Firmenkartenprogramme ab. Das zeigen aktuelle Daten von Visa. Das Volumen dieser Zahlungen ist im Vergleich zum Vorjahr fast dreimal so hoch. Ein Plus von fast 200 Prozent. Die Entwicklung passt zu den Plänen der EU-Kommission, den Zahlungsverkehr zu digitalisieren und neue Technologien in die Finanzwelt zu holen. Die Digital Finance Strategy der EU gibt hier die Richtung vor.
Visa unterstützt inzwischen mehr als 160 Kartenprogramme mit Stablecoin-Anbindung. Darunter sind sowohl Privat- als auch Geschäftskarten. Firmen können Stablecoins für Abrechnungen, Cash-Management, Auszahlungen und internationale Zahlungen nutzen. Laut Visa setzen immer mehr Unternehmen Stablecoins für Lieferantenzahlungen, Treasury-Aufgaben und den internationalen Handel ein. Sie sind damit Teil der echten Zahlungsinfrastruktur geworden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) fordert in aktuellen Veröffentlichungen mehr Transparenz und klare Regeln, wenn digitale Währungen in bestehende Finanzprozesse eingebunden werden.
Stablecoins werden zunehmend als Instrument für Lieferantenzahlungen, Treasury-Operationen und grenzüberschreitenden Handel betrachtet - also als Teil der realen Zahlungsinfrastruktur und nicht mehr nur als Brücke zwischen Krypto-Assets.
Eine Branchenstudie von Allium schätzt das jährliche Stablecoin-Zahlungsvolumen auf 401 bis 527 Milliarden US-Dollar. Besonders im Unternehmensbereich legen die Zahlen zu: 56 Milliarden US-Dollar entfallen laut Studie auf Dienstleistungsgebühren, 43 Milliarden auf Gehaltszahlungen, 28 Milliarden auf Lieferantenzahlungen. Fast die Hälfte, nämlich 43 Prozent, betrifft grenzüberschreitende B2B-Zahlungen. Die Bundesnetzagentur sieht die Notwendigkeit, neue Zahlungswege mit Standards wie SEPA und ISO 20022 zu verbinden. Nur so sind Interoperabilität und Sicherheit gewährleistet. Mehr zu den regulatorischen Rahmenbedingungen steht im Payment-Dossier der Bundesnetzagentur.
Stablecoins sind längst mehr als ein Mittel für Einzeltransaktionen. Sie werden für Liquiditätsmanagement und Treasury-Prozesse genutzt. Firmen profitieren von schnellen Zahlungen und geringeren Kosten. Wie sich die Regeln und technischen Standards weiterentwickeln, bleibt offen. BaFin und die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) arbeiten an Leitlinien zur MiCA-Verordnung. Diese tritt 2024 in Kraft und bringt europaweit einheitliche Regeln für Stablecoins und andere Krypto-Assets.
Stablecoins verändern den Zahlungsverkehr
Früher nutzten vor allem Krypto-Trader Stablecoins auf Börsen. Heute rücken Zahlungen und Unternehmensanwendungen in den Vordergrund. Die Integration in Firmenkarten und operative Prozesse zeigt, wie sich der Markt wandelt. Auch Banken und Zahlungsdienstleister müssen reagieren. Ein Beispiel: flatexDEGIRO hat den Vorstand neu aufgestellt, um auf neue Marktbedingungen zu reagieren. Im Stablecoin-Bereich zeigt sich: Große Player wie Visa binden neue Technologien in bestehende Strukturen ein. Sie behalten dabei regulatorische und operative Risiken im Blick.
Die aktuellen Visa-Daten geben seltene Einblicke in die echte Nutzung von Stablecoins im Unternehmensumfeld. Viele Details zu einzelnen Programmen und Regionen bleiben offen. Klar ist aber: Stablecoins gewinnen an Bedeutung. Effizienz und flexible Lösungen für internationale Zahlungen treiben das Wachstum. Für Deutschland und Europa bleibt entscheidend, wie schnell klare Regeln kommen und ob Unternehmen die neuen Möglichkeiten nutzen. BaFin stellt regelmäßig aktualisierte Hinweise für Unternehmen bereit. Diese finden sich im Stablecoin-Informationsportal der BaFin.
Stablecoins sind digitale Währungen, deren Wert an den US-Dollar, Euro oder eine andere stabile Referenz gekoppelt ist. Sie laufen auf der Blockchain. So sollen Kursschwankungen wie bei Bitcoin vermieden werden. Für Unternehmen bieten Stablecoins schnelle, transparente und günstige Transaktionen. Besonders bei internationalen Zahlungen. Die Einordnung durch die Aufsicht und die technische Integration bleiben zentrale Herausforderungen.