Der europäische Bezahldienst Wero wächst langsamer als geplant. Trotz Investitionen und Expansion bleibt die Nutzung gering. Welche Hürden bestehen und warum die Zukunft des Projekts offen ist, analysiert Glocalist Press
Der Zahlungsdienst Wero wurde als europäische Alternative zu etablierten US-Anbietern wie PayPal, Mastercard und Visa positioniert. Zwei Jahre nach dem Start zeigt sich jedoch, dass die Verbreitung und Nutzung des Dienstes deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Die European Payments Initiative (EPI), die hinter Wero steht, hatte sich zum Ziel gesetzt, eine eigenständige europäische Zahlungsinfrastruktur zu schaffen. Bislang ist dieses Ziel nur in Ansätzen erreicht.
Bekanntheit und Nutzung bleiben begrenzt
Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Innofact im Auftrag von Verivox verdeutlicht die Herausforderungen: Fast ein Drittel der Befragten hat noch nie von Wero gehört. Nur etwa 40 Prozent können den Dienst korrekt als Zahlungsdienst einordnen, während 23 Prozent zwar den Namen kennen, aber keine genaue Vorstellung vom Angebot haben. Sieben Prozent verwechseln Wero mit anderen Finanz-Apps oder Dienstleistungen. Die tatsächliche Nutzung bleibt gering: Lediglich 14 Prozent der Befragten haben ihr Girokonto für Wero freigeschaltet, und nur rund sieben Prozent nutzen den Dienst aktiv, etwa für Überweisungen an Freunde oder Online-Zahlungen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei vier Prozent. Die EPI selbst gibt an, europaweit 57 Millionen registrierte Nutzerinnen und Nutzer zu zählen, davon neun Millionen in Deutschland. Zum Vergleich: PayPal meldet allein in Deutschland 35 Millionen aktive Konten.
Technische und strukturelle Hürden
Der Zugang zu Wero erfolgt derzeit ausschließlich über die Banking-Apps der teilnehmenden Banken, was die Verbreitung einschränkt. Neue Bankpartner wie Norisbank und N26 wurden zuletzt integriert, weitere Institute wie die Targobank planen eine Einführung. Der Dienst startete im Sommer 2024 mit Handy-zu-Handy-Zahlungen, seit November 2025 sind auch Zahlungen im E-Commerce möglich. Im Laufe des Jahres 2026 soll Wero zudem für Zahlungen an der Ladenkasse bereitgestellt werden. Die Akzeptanz im Handel bleibt jedoch eine zentrale Hürde: Zwar konnten erste große Händler wie Lidl, Decathlon, Eventim und Rossmann gewonnen werden, eine flächendeckende Integration ist aber noch nicht erreicht. Händler zögern mit der Implementierung, solange die Kundenzahlen niedrig bleiben - und umgekehrt.
Europäische Ambitionen und Abhängigkeiten
Wero ist bislang in Deutschland, Frankreich und Belgien verfügbar, der Rollout in den Niederlanden und Luxemburg läuft. In Österreich ist der Start für 2027 vorgesehen. Im Juni 2026 sind die Erste Bank Österreich und die Raiffeisen Bank International als neue Gesellschafter bei der EPI eingestiegen. Die technische Infrastruktur von Wero basiert im Hintergrund auf Cloud-Diensten von Amazon Web Services (AWS), was die EPI in ihrem Geschäftsbericht als geopolitisches Risiko einstuft. Die Erträge stiegen laut EPI von 14,5 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 35,1 Millionen Euro im Jahr 2025, stammen aber fast ausschließlich von Banken und Zahlungsdienstleistern. Der Jahresverlust verringerte sich auf 71,4 Millionen Euro, nach 119,1 Millionen Euro im Vorjahr. Die EPI hat 2023 den niederländischen Bezahldienst Currence/iDEAL und dessen luxemburgischen Technologiepartner Payconiq übernommen. Im Laufe des Jahres sollen rund 15 Millionen Kundinnen und Kunden in den Niederlanden und Luxemburg auf das neue System umgestellt werden. Verzögerungen beim Marktstart, wie sie etwa in Luxemburg auftraten, wurden bereits dokumentiert - Hintergründe zu den Verschiebungen finden sich hier.
Offene Fragen zur Zukunftsfähigkeit
Die Finanzierung des Projekts bleibt ein zentrales Thema: Seit Gründung haben die EPI-Eigner rund 669 Millionen Euro investiert, zuletzt im Dezember 2025 weitere 215 Millionen Euro. Die liquiden Mittel stiegen dadurch auf 320,5 Millionen Euro. Dennoch bleibt die wirtschaftliche Tragfähigkeit offen, da die Einnahmen bislang kaum aus Endkundengeschäft stammen. In einer aktuellen Umfrage äußerten sich 58 Prozent der Befragten skeptisch, ob sich Wero gegen US-Konkurrenten durchsetzen kann. Lediglich bei den 18- bis 29-Jährigen sieht eine knappe Mehrheit Potenzial für die europäische Initiative. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingt, die Akzeptanz bei Händlern und Nutzern zu erhöhen und die technische Infrastruktur unabhängiger von US-Anbietern zu gestalten.
Die European Payments Initiative (EPI) ist ein Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister mit dem Ziel, eine eigenständige Zahlungsinfrastruktur für Europa zu schaffen. Die EPI verfolgt dabei das Konzept, verschiedene nationale Zahlungssysteme zu integrieren und eine Alternative zu internationalen Plattformen wie PayPal oder Mastercard zu bieten. Die Abhängigkeit von US-basierten Cloud-Diensten wie AWS bleibt jedoch ein strategisches Risiko, das die digitale Souveränität Europas im Zahlungsverkehr einschränkt. Schlagwörter: Fintech-Plattformen, Europäische Union, PayPal