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Aflabox erhält 1,35 Millionen Euro für KI-gestützte Lebensmittelsicherheit

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Aflabox erhält 1,35 Millionen Euro für KI-gestützte Lebensmittelsicherheit Glocalist Press © glocalist.press
Aflabox erhält 1,35 Millionen Euro für KI-gestützte Lebensmittelsicherheit © glocalist.press

Das italienische Unternehmen Aflabox sammelt 1,35 Millionen Euro ein, um seine KI-basierte Plattform für die schnelle Mykotoxin-Analyse im Agrarsektor zu skalieren. Was steckt hinter dem Ansatz und welche Märkte sind betroffen

Das italienische Agritech-Unternehmen Aflabox hat eine Seed-Finanzierung in Höhe von 1,35 Millionen Euro abgeschlossen. Ziel der Kapitalrunde ist es, die Kommerzialisierung und industrielle Skalierung einer KI-gestützten Plattform zur Überwachung der Lebensmittelsicherheit voranzutreiben. Die Finanzierung erfolgte über den FoodSeed-Accelerator, der Teil des National Accelerator Network von CDP Venture Capital ist und von Eatable Adventures verwaltet wird. Weitere Mittel stammen vom Farming Future Hub, einer Initiative von CDP Venture Capital in Zusammenarbeit mit ToSeed & Partners. Die Runde wurde im ersten Halbjahr 2026 bekannt gegeben.

Technologie für schnelle Mykotoxin-Tests

Aflabox entwickelt eine Plattform, die es ermöglicht, Mykotoxine direkt im Feld oder entlang der landwirtschaftlichen Lieferkette zu testen. Das System kombiniert tragbare Hardware mit UV- und Weißlicht-Bildgebung, künstlicher Intelligenz zur Auswertung sowie geolokalisierter Datenerfassung. Die Ergebnisse werden innerhalb von weniger als 90 Sekunden digital bereitgestellt und können über eine Cloud-Plattform geteilt werden. Nach Unternehmensangaben entsteht so eine Datenbasis, die nicht nur einzelne Testergebnisse, sondern auch regionale Kontaminationsmuster und Qualitätsprofile abbildet.

Im Unterschied zu herkömmlichen Verfahren, die auf Laboranalysen mit teurer Ausrüstung und längeren Bearbeitungszeiten angewiesen sind, soll die Lösung von Aflabox eine unmittelbare Entscheidungsgrundlage für Landwirte, Sammelstellen, Verarbeiter und Exporteure bieten. Die Plattform ist darauf ausgelegt, die Rückverfolgbarkeit und Qualitätssicherung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verbessern.

Finanzierung und geplante Expansion

Die Seed-Runde in Höhe von 1,35 Millionen Euro wurde als Eigenkapitalfinanzierung strukturiert. Die Mittel sollen laut Unternehmensangaben in die Validierung und Zertifizierung des Geräts, die Weiterentwicklung der KI-Plattform sowie die Verbesserung der Detektionsgenauigkeit fließen. Zudem ist der Aufbau einer Mikro-Fabrik zur Fertigung der Geräte vorgesehen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der Marktpräsenz in Kenia, Nigeria und Italien sowie dem Ausbau des Vertriebsnetzes in Afrika und Europa. Die Zahl der Beschäftigten soll im Zuge der Expansion steigen. Angaben zu Umsatz oder Bewertung wurden nicht veröffentlicht.

Die Gründer Luca Alinovi und Fabrizio Cardillo verfolgen mit dem Ansatz das Ziel, die Lebensmittelsicherheit insbesondere in Regionen mit begrenztem Zugang zu Laborinfrastruktur zu verbessern. Die Plattform richtet sich an verschiedene Akteure der Agrarwirtschaft, darunter auch öffentliche Institutionen, die auf schnelle und skalierbare Testverfahren angewiesen sind.

Potenzial und offene Fragen

Die technische Machbarkeit des Systems wurde bislang vor allem durch interne Tests und Pilotprojekte demonstriert. Unabhängige Validierungen oder Zertifizierungen durch externe Stellen liegen nach aktuellem Stand nicht vor. Auch zur tatsächlichen Marktdurchdringung und zur Akzeptanz bei landwirtschaftlichen Betrieben gibt es bislang keine veröffentlichten Daten. Die Skalierbarkeit der Produktion und die Integration in bestehende Lieferketten bleiben zentrale Herausforderungen.

Für den europäischen Markt ist relevant, inwieweit die Plattform regulatorische Anforderungen an Lebensmittelsicherheit und Rückverfolgbarkeit erfüllt. Die weitere Entwicklung hängt unter anderem von der erfolgreichen Zertifizierung und der Akzeptanz bei institutionellen Kunden ab. Die Expansion nach Afrika adressiert Regionen, in denen Mykotoxin-Belastungen ein erhebliches Problem für die Lebensmittelsicherheit darstellen.

Mykotoxine sind giftige Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die in landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Getreide, Nüssen oder Gewürzen auftreten können. Sie stellen weltweit eine Herausforderung für die Lebensmittelsicherheit dar. Die schnelle und dezentrale Erkennung solcher Kontaminationen ist insbesondere für Länder mit begrenzter Laborinfrastruktur von Bedeutung. Systeme wie das von Aflabox zielen darauf ab, die Lücke zwischen Laboranalytik und Feldanwendung zu schließen und so die Entscheidungsgrundlagen für Akteure entlang der Lieferkette zu verbessern.

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