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AIRMO entwickelt Satellitenplattform zur Erkennung von Methanemissionen

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

AIRMO entwickelt Satellitenplattform zur Erkennung von Methanemissionen Glocalist Press © glocalist.press
AIRMO entwickelt Satellitenplattform zur Erkennung von Methanemissionen © glocalist.press

Das Start-up AIRMO arbeitet an einer Satellitenlösung, um Methanlecks in der Energiebranche effizienter zu erfassen. Welche technischen und regulatorischen Herausforderungen bestehen und wie realistisch ist der geplante Marktstart

Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass jährlich rund 200 Milliarden Kubikmeter Erdgas weltweit durch Leckagen, Abfackeln und Entlüftung verloren gehen. Diese Menge entspricht etwa zwei Dritteln des jährlichen Gasverbrauchs der Europäischen Union. Die Erfassung und Reduktion solcher Methanemissionen gilt als zentrale Herausforderung für die Dekarbonisierung der Energiebranche.

Technologieansatz von AIRMO

Das 2022 gegründete Unternehmen AIRMO entwickelt eine Plattform zur Überwachung von Methanemissionen, die Messdaten aus Drohnen, Flugzeugen und künftig auch Satelliten kombiniert. Ziel ist es, Leckagen frühzeitig zu erkennen, Emissionsquellen zu quantifizieren und Unternehmen bei der Einhaltung regulatorischer Vorgaben zu unterstützen. Nach Angaben von AIRMO werden zunächst Sensoren an speziell ausgerüsteten Flugzeugen und Drohnen eingesetzt, um die Technologie unter realen Bedingungen zu testen und die Datenqualität zu validieren. Die geplante Satellitenmission soll ab Ende 2027 starten und eine kontinuierliche, globale Überwachung ermöglichen.

Das Team von AIRMO umfasst laut Unternehmensangaben 34 Beschäftigte mit Erfahrung in Raumfahrttechnik, Optik und Energieinfrastruktur. Die technische Leitung verantwortet eine Führungskraft, die bereits an zahlreichen Satellitenstarts beteiligt war. Die Entwicklung der Sensorik konzentriert sich auf zwei Instrumente: ein kompaktes Mikrolidar zur Messung atmosphärischer Bedingungen sowie ein kurzwellenspektroskopisches System zur Detektion von Methan. Beide Komponenten sollen eine höhere Präzision bei der Emissionsmessung ermöglichen als bisher verfügbare kommerzielle Systeme.

Marktbedarf und regulatorische Anforderungen

Die größten Methanemissionen entstehen laut IEA im upstream-Bereich der Öl- und Gasförderung, insbesondere an Förderstätten und Verarbeitungsanlagen. Während großvolumige Lecks bereits mit bestehenden Satellitensystemen detektiert werden können, erfordern kleinere Leckagen entlang von Pipelines und Speichern eine höhere räumliche Auflösung. Die derzeitige Praxis der manuellen Überwachung mit tragbaren Messgeräten gilt als kostenintensiv und lückenhaft, insbesondere bei schwer zugänglicher Infrastruktur wie Offshore-Anlagen.

Regulatorisch gewinnen Methanemissionen an Bedeutung: In der EU und anderen Märkten werden strengere Berichtspflichten und Fristen zur Behebung von Leckagen eingeführt. Unternehmen stehen damit unter wachsendem Druck, Emissionen zeitnah zu identifizieren und zu reduzieren. AIRMO positioniert sich als Anbieter einer digitalen Lösung, die sowohl finanzielle Verluste durch Gasverluste als auch regulatorische Risiken adressieren soll. Die Übermittlung von Messdaten aus Flugzeugen erfolgt laut Anbieter innerhalb eines Tages, die Satellitenlösung soll eine noch schnellere und flächendeckendere Überwachung ermöglichen.

Technische und logistische Herausforderungen

Vor dem geplanten Satellitenstart testet AIRMO seine Sensorik in Zusammenarbeit mit spezialisierten Flugdienstleistern. Die Integration der Messinstrumente in Flugzeuge unterliegt umfangreichen Zertifizierungsanforderungen. Zudem gestaltet sich der Einsatz in bestimmten Regionen, etwa im Nahen Osten oder Nordafrika, logistisch aufwendig: Der Import von Drohnen und Sensorik kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Die Satellitenlösung soll diese Hürden umgehen, indem sie eine ortsunabhängige Überwachung ermöglicht. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die angestrebte Messgenauigkeit und Zuverlässigkeit im Orbit tatsächlich erreicht werden kann.

Für die Entwicklung und den Betrieb der Satellitenplattform arbeitet AIRMO mit erfahrenen Partnern aus der Raumfahrtindustrie zusammen. Die erste Mission ist gemeinsam mit EnduroSat für Ende 2027 angekündigt. Bis dahin stehen weitere Tests zur Robustheit der Instrumente und zur Integration in die Satellitenplattform aus. Die Fähigkeit, Temperatur- und Vibrationsbelastungen beim Start sowie den Betrieb im All zu überstehen, ist entscheidend für den Erfolg des Projekts.

Einordnung im europäischen Technologiekontext

Die Entwicklung spezialisierter Sensorik für die Satellitenüberwachung von Methanemissionen ist Teil eines wachsenden europäischen Marktes für Umwelt- und Klimadaten. Neben AIRMO arbeiten auch andere Unternehmen und Forschungseinrichtungen an photonischen und spektroskopischen Lösungen für die Fernerkundung, wie sie etwa im Bereich der optischen Kommunikation und Halbleiterfertigung eingesetzt werden. Ein Überblick über aktuelle Entwicklungen in der europäischen Photonik findet sich beispielsweise in diesem Beitrag zu innovativen Photonik-Scale-ups. Die Frage, ob AIRMO mit seiner geplanten Satellitenplattform einen nachhaltigen Markteintritt schafft, hängt maßgeblich von der technischen Leistungsfähigkeit, der regulatorischen Akzeptanz und der Integration in bestehende Überwachungsprozesse der Energiebranche ab.

Methan gilt als besonders klimaschädliches Treibhausgas, dessen Reduktion kurzfristig einen signifikanten Beitrag zur Begrenzung der globalen Erwärmung leisten kann. Die genaue Messung und schnelle Behebung von Leckagen ist daher nicht nur eine technische, sondern auch eine wirtschaftliche und regulatorische Herausforderung für die Energieindustrie.

Der Begriff "Upstream" bezeichnet in der Energiebranche alle Aktivitäten, die mit der Förderung und ersten Verarbeitung von Rohöl und Erdgas verbunden sind. Dazu zählen Exploration, Bohrung, Förderung und der Transport bis zur ersten Weiterverarbeitung. In diesem Segment entstehen die größten Methanverluste, da hier die Infrastruktur oft weitläufig, schwer zugänglich und technisch komplex ist. Die Überwachung und Reduktion von Emissionen im Upstream-Bereich ist daher ein zentrales Ziel aktueller Klimapolitik und regulatorischer Maßnahmen.

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