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Anthropic plant angeblich Börsengang mit Bewertung bis zu zwei Billionen Dollar

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

Anthropic plant angeblich Börsengang mit Bewertung bis zu zwei Billionen Dollar Glocalist Press © glocalist.press
Anthropic plant angeblich Börsengang mit Bewertung bis zu zwei Billionen Dollar © glocalist.press

Der KI-Entwickler Anthropic bereitet laut Medienberichten einen Börsengang im Herbst vor. Die angestrebte Bewertung sorgt für Diskussionen, da Unsicherheiten beim Geschäftsmodell bestehen

Der US-amerikanische KI-Anbieter Anthropic, bekannt für die Entwicklung des Sprachmodells Claude, rückt mit seinen Börsenplänen in den Fokus internationaler Finanz- und Technologiemärkte. Nach übereinstimmenden Medienberichten hat das Unternehmen bereits Anfang Juni einen vertraulichen Antrag auf einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Offiziell bestätigt sind weder ein konkreter Zeitplan noch eine Zielbewertung, doch in Finanzkreisen wird eine mögliche Bewertung von bis zu zwei Billionen US-Dollar diskutiert. Damit würde Anthropic zu den höchstbewerteten Technologieunternehmen an der Börse zählen.

Bewertungsdiskussion und Prognosen

Die kolportierte Bewertung basiert vor allem auf Prognosen zum künftigen Umsatzwachstum. Investoren erwarten laut Berichten, dass Anthropic bis Ende 2026 einen annualisierten Umsatz zwischen 100 und 120 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Im Mai hatte das Unternehmen selbst einen hochgerechneten Jahresumsatz von über 47 Milliarden US-Dollar angegeben. Die aktuelle Bewertung von zwei Billionen US-Dollar würde demnach etwa dem 20-Fachen des erwarteten Umsatzes entsprechen. Zum Vergleich: Bei der letzten Finanzierungsrunde im Umfang von 65 Milliarden US-Dollar wurde Anthropic noch mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet.

Die Führung von Anthropic trifft derzeit Investoren, um die eigene Wachstumsstrategie zu erläutern und auf Bedenken hinsichtlich des Geschäftsmodells einzugehen. Zu den diskutierten Risiken zählen die Konkurrenz durch günstigere KI-Systeme aus China, politische Unsicherheiten in den USA sowie Widerstand gegen den Ausbau von Rechenzentren. Um das Vertrauen der Investoren zu stärken, plant Anthropic nach Medienangaben, verstärkt Anwendungen im Bereich Gesundheit und Biologie zu entwickeln.

Regulatorische und geopolitische Herausforderungen

Anthropic sieht sich nicht nur mit wirtschaftlichen Unsicherheiten konfrontiert, sondern auch mit regulatorischen und geopolitischen Hürden. Das Unternehmen ist in einen Rechtsstreit mit dem Pentagon verwickelt. Zudem wurde der internationale Vertrieb der neuesten Modelle Fable 5 und Mythos 5 zeitweise gestoppt, nachdem das US-Handelsministerium im Juni Exportkontrollen verhängt hatte. Diese Maßnahmen betreffen insbesondere den Zugang zu internationalen Märkten und könnten das Wachstumspotenzial einschränken.

Auch die politische Lage in den USA bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Medien berichten von Spannungen mit der Trump-Regierung, die sich auf die Rahmenbedingungen für KI-Unternehmen auswirken könnten. Widerstand gegen den Bau neuer Rechenzentren erschwert zudem die notwendige Infrastruktur für das weitere Wachstum von Anthropic.

Vergleich mit OpenAI und Marktdynamik

Anthropic steht mit seinen Börsenplänen nicht allein. Auch der Konkurrent OpenAI hatte im Juni einen vertraulichen Börsenprospekt bei der SEC eingereicht. Allerdings sollen sich die IPO-Pläne von OpenAI verzögern, da Zweifel bestehen, ob die angestrebte Bewertung von rund einer Billion US-Dollar erreicht werden kann. Die Entwicklung erinnert an den Börsengang von SpaceX, dessen Aktie nach dem Handelsstart im Juni zunächst unter den Ausgabepreis fiel, sich aber inzwischen wieder erholt hat.

Im Rahmen einer sogenannten Tender Offer kaufte OpenAI zuletzt Anteile von Mitarbeitenden im Wert von sieben Milliarden US-Dollar zurück. Dabei wurde eine Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar zugrunde gelegt. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass OpenAI einen Börsengang möglicherweise erst für das Jahr 2027 anstrebt, um den Druck auf Mitarbeitende mit Beteiligungen zu verringern.

Relevanz für den europäischen Markt

Die geplanten Börsengänge von Anthropic und OpenAI markieren einen Wendepunkt für den globalen KI-Markt. Europäische Unternehmen und Investoren beobachten die Entwicklung aufmerksam, da die Bewertung und Kapitalausstattung der US-Anbieter die internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen. Auch für deutsche und europäische Anbieter von KI-Plattformen und Infrastruktur ergeben sich daraus neue Herausforderungen und Chancen. Die Dynamik im KI-Sektor zeigt sich nicht nur bei den großen US-Anbietern: So hat etwa das Schweizer Unternehmen BLP Digital kürzlich eine bedeutende Wachstumsfinanzierung erhalten, wie Glocalist Press über die Expansion von BLP Digital berichtete.

Ob Anthropic tatsächlich eine Bewertung von zwei Billionen US-Dollar am Markt durchsetzen kann, bleibt angesichts der Unsicherheiten offen. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von der Akzeptanz der Produkte, regulatorischen Rahmenbedingungen und der internationalen Marktdynamik ab.

Ein Börsengang, auch Initial Public Offering (IPO) genannt, bezeichnet die erstmalige Platzierung von Unternehmensanteilen an einer Börse. Die Bewertung eines Unternehmens beim IPO ergibt sich aus dem Angebotspreis der Aktien multipliziert mit der Gesamtzahl der Anteile. Sie spiegelt die Erwartungen der Investoren an das künftige Wachstum und die Profitabilität wider, ist jedoch keine Garantie für den tatsächlichen Unternehmenswert. Insbesondere bei Technologieunternehmen mit hohem Wachstumspotenzial, aber unsicherem Geschäftsmodell, können die Bewertungen stark schwanken und unterliegen erheblichen Marktrisiken.

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