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Augmental startet Mouthpad für Zungensteuerung digitaler Geräte in den USA

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

Augmental startet Mouthpad für Zungensteuerung digitaler Geräte in den USA Glocalist Press
Augmental startet Mouthpad für Zungensteuerung digitaler Geräte in den USA

Das US-Unternehmen Augmental hat mit dem Mouthpad ein individuell gefertigtes Eingabegerät vorgestellt, das per Zunge und Kopfbewegung gesteuert wird und Menschen mit eingeschränkter Mobilität adressiert. Einige Funktionen befinden sich noch in Entwicklung

Das US-Unternehmen Augmental hat den Verkaufsstart seines Mouthpad in den Vereinigten Staaten bekannt gegeben. Das Gerät, das äußerlich an eine Zahnspange erinnert, wird individuell angepasst und über die oberen Zähne getragen. Es richtet sich vor allem an Menschen, die herkömmliche Eingabegeräte wie Maus oder Tastatur nicht nutzen können. Die Steuerung erfolgt über ein druckempfindliches Trackpad am Gaumen, das auf Zungenbewegungen und Kopfgesten reagiert.

Technische Umsetzung und Funktionsumfang

Das Mouthpad basiert auf einem drucksensitiven Trackpad, das im Mundraum platziert wird. Nutzerinnen und Nutzer können den Cursor durch gezielte Kopfbewegungen steuern und Klick- sowie Wischgesten mit der Zunge ausführen. Die Gesten lassen sich über eine zugehörige App individuell anpassen. Nach Angaben von Augmental verwenden bereits mehr als 100 Menschen mit Mobilitätseinschränkungen das System regelmäßig, einige davon bis zu 16 Stunden täglich. Die zweite Generation des Mouthpad, die Anfang 2026 vorgestellt wurde, unterstützt zusätzlich per Zunge ausgelöste Tastaturkürzel und eine spezielle WASD-Belegung für Computerspiele.

Preisgestaltung und Leistungsdaten

Das Mouthpad wird in den USA zu einem Preis von 1.400 US-Dollar angeboten, hinzu kommen etwa 100 US-Dollar für eine notwendige zahnärztliche Untersuchung. Die Akkulaufzeit des aktuellen Modells beträgt laut Hersteller über sieben Stunden. Das Gerät kann mit mehreren Endgeräten gleichzeitig gekoppelt werden. In einem internen Test erreichte ein Nutzer eine Cursor-Genauigkeit von 10,47 Bit pro Sekunde - ein Wert, der laut Augmental mit implantierten Gehirn-Computer-Schnittstellen vergleichbar sein soll. Unabhängige Vergleichsdaten liegen bislang nicht vor. Einige Funktionen des Mouthpad befinden sich noch in Entwicklung oder in der Betaphase.

Begleitgerät Vox und geplante Weiterentwicklungen

Parallel zum Marktstart des Mouthpad bietet Augmental eine Beta-Version des Begleitgeräts Vox an. Dabei handelt es sich um einen kleinen Anhänger, der auf der Haut getragen wird und gesprochene Sprache in Text umwandelt. Vox kann Hintergrundgeräusche herausfiltern und auch leise gesprochene Befehle erkennen. Das Gerät lässt sich per Tastendruck oder Zungengeste aktivieren, sofern es mit dem Mouthpad gekoppelt ist. Die Auslieferung der Betaversion ist für die zweite Jahreshälfte 2026 zu einem Preis von 200 US-Dollar angekündigt. Langfristig plant Augmental, die akustischen Daten von Vox mit den Zungenbewegungsmustern des Mouthpad zu kombinieren, um eine lautlose Kommunikation mit digitalen Systemen zu ermöglichen. Ob und wann diese Funktion marktreif wird, ist derzeit offen.

Das Mouthpad ist bislang ausschließlich in den USA erhältlich. Für den europäischen Markt gibt es nach aktuellem Stand keine Ankündigung. Die Entwicklung zeigt, wie spezialisierte Hardwarelösungen neue Zugänge zur digitalen Welt schaffen können, insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Ob sich das Mouthpad im Alltag und im internationalen Vergleich behaupten kann, wird von der weiteren technischen Entwicklung und unabhängigen Tests abhängen.

Der Begriff Gehirn-Computer-Schnittstelle (englisch: Brain-Computer Interface, BCI) bezeichnet Systeme, die direkte Kommunikationswege zwischen dem menschlichen Gehirn und externen Geräten ermöglichen. Während implantierte BCIs chirurgische Eingriffe erfordern und bislang vor allem in der Forschung und spezialisierten medizinischen Anwendungen eingesetzt werden, bieten nicht-invasive Alternativen wie das Mouthpad einen niedrigschwelligen Zugang zu digitalen Steuerungsmöglichkeiten. Die praktische Leistungsfähigkeit solcher Systeme wird häufig anhand von Messwerten wie der Informationsübertragungsrate (Bit pro Sekunde) bewertet. Unabhängige Vergleiche zwischen invasiven und nicht-invasiven Lösungen sind jedoch methodisch anspruchsvoll und bislang selten.

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