beyondCare Labs nimmt den Betrieb auf, everyone energy meldet Insolvenz an. Furo entscheidet sich für München statt USA, Juit testet Automatenrestaurants. Was diese Entwicklungen für den deutschen Startup-Markt bedeuten
Der deutsche Startup-Sektor verzeichnet zum 18. August 2026 mehrere relevante Entwicklungen: Während mit beyondCare Labs ein neues Venture Studio für digitale Pflegeunternehmen startet, muss das Berliner Unternehmen everyone energy Insolvenz anmelden. Parallel dazu setzen Startups wie Furo und Juit auf alternative Strategien, um sich im zunehmend kompetitiven Marktumfeld zu behaupten.
Neugründung: beyondCare Labs fokussiert digitale Pflege
Mit beyondCare Labs entsteht ein neues Venture Studio, das sich auf digitale Lösungen im Pflege- und Gesundheitsbereich konzentriert. Gegründet wurde das Unternehmen von Lars Kilchert, bekannt durch pflege.de, gemeinsam mit dem Digital-Health-Unternehmer Tobias Lorenz. Ziel ist es, neue Unternehmen zu entwickeln, die insbesondere den Fachkräftemangel, die Bürokratie und die Digitalisierung im Gesundheitswesen adressieren. Nach Angaben der Gründer werden derzeit mehrere Projekte geprüft, erste Startups befinden sich bereits in Vorbereitung. Für Gründerinnen und Gründer im HealthTech-Bereich könnte beyondCare Labs damit eine neue Anlaufstelle bieten.
everyone energy: Insolvenz trotz Investitionen
Das Berliner Startup everyone energy, das digitale Vertriebslösungen für Photovoltaik, Speicher und Wärmepumpen entwickelt hat, hat Insolvenz angemeldet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Jesko Stark bestellt. Das Unternehmen, gegründet 2021 von Céline Göhlich, Fabian Reetz und Florian Gmeiner, hatte zuletzt eine siebenstellige Finanzierung unter anderem vom High-Tech Gründerfonds und neoteq ventures erhalten. Ursprünglich richtete sich das Angebot an Bewohnerinnen und Bewohner von Mehrparteienhäusern, zuletzt lag der Fokus auf Beratungsdiensten für Stadtwerke und Energiedienstleister. Die genauen Gründe für die Insolvenz sind bislang nicht öffentlich bekannt. Die Entwicklung steht im Kontext einer Konsolidierungswelle im Bereich GreenTech und ClimateTech, in der zahlreiche Startups mit veränderten Marktbedingungen konfrontiert sind. Ähnliche Herausforderungen und strategische Neuausrichtungen wurden auch bei anderen deutschen Startups beobachtet, wie ein Bericht zu Twaice, Omio und stroya aufzeigt: Neue Entwicklungen bei deutschen Startups.
Furo und Juit: Standort- und Vertriebsexperimente
Das Münchner KI-Startup Furo, gegründet von Lena Voß, Leonie Wagner und Simon Wittner, hat sich bewusst gegen einen Firmensitz in den USA entschieden. Trotz Erfahrungen in der US-Startup-Szene und bei internationalen Technologiekonzernen sieht das Team für seine Software zur Optimierung von Batteriespeichern den deutschen Markt als attraktiver an. Auch US-Investoren akzeptierten diese Standortwahl. Furo, vormals unter dem Namen Lumera bekannt, steht damit exemplarisch für eine wachsende Zahl von Startups, die Deutschland als Innovationsstandort priorisieren.
Das Food-Startup Juit, Teil von Oetker Digital, testet in Berlin ein Automatenrestaurant, in dem Gäste tiefgekühlte Gerichte selbst erwärmen. Mit diesem Ansatz sucht das Unternehmen nach neuen Vertriebskanälen jenseits des Onlinegeschäfts und positioniert seine Produkte verstärkt im Bereich Fitness und proteinreiche Ernährung. Der Versuch spiegelt die Suche vieler Startups nach alternativen Geschäftsmodellen und Vertriebsmöglichkeiten wider.
ewigbyte und neue Startups im Fokus
Das Team von ewigbyte arbeitet an einer Technologie, um digitale Daten langfristig in Glas zu speichern. Gründerin Ina von Haeften berichtet von ersten Erfolgen und weiteren Entwicklungsschritten in den kommenden Monaten. Daneben treten weitere junge Unternehmen wie Generative Robotics, nestermind, Datasphere Analytics, Merlin und Riemann Robotics in den Markt ein, die unterschiedliche technologische Ansätze verfolgen und damit die Vielfalt der deutschen Startup-Landschaft unterstreichen.
Im Bereich Investments und Übernahmen gab es zuletzt mehrere relevante Transaktionen: amber sicherte sich 7 Millionen Euro, Aisot Technologies erhielt 2 Millionen Euro, Qodia sammelte 1,2 Millionen Euro ein. Zudem übernahm adesso das Unternehmen omni:us, Expedia kaufte Layla und Synatix erwarb Preisvergleich.de. Diese Aktivitäten zeigen, dass trotz einzelner Insolvenzen weiterhin Kapital in den Markt fließt und Konsolidierungen stattfinden.
Venture Studios wie beyondCare Labs spielen eine wachsende Rolle im deutschen Innovationsökosystem. Sie bündeln unternehmerische Erfahrung, Kapital und Netzwerk, um gezielt neue Unternehmen zu entwickeln. Im Unterschied zu klassischen Inkubatoren oder Acceleratoren sind Venture Studios meist operativ an der Entwicklung der Startups beteiligt und übernehmen Mitverantwortung für die Umsetzung. Für Gründerinnen und Gründer kann dies den Zugang zu Ressourcen und Know-how erleichtern, birgt aber auch die Herausforderung, die eigene Unabhängigkeit und strategische Ausrichtung zu wahren.Schlagwörter: Deutsche Technologieunternehmen & Start-ups, Gesundheitstechnologie, Wagniskapital