Das Schweizer Start-up Foldcast hat eine Finanzierung von 160.000 Euro erhalten, um seine Technologie für recycelbare Papierformen im Betonbau weiterzuentwickeln. Welche Chancen und Unsicherheiten bestehen
Das Schweizer Unternehmen Foldcast, eine Ausgründung der Università della Svizzera italiana (USI), hat eine Finanzierung in Höhe von 160.000 Euro (150.000 Schweizer Franken) von Venture Kick erhalten. Ziel ist es, die Entwicklung und Markteinführung einer Technologie voranzutreiben, die den Einsatz von recycelbaren Papierformen im Betonbau ermöglichen soll. Die Ankündigung erfolgte im Juni 2026 und markiert einen weiteren Schritt in der Kommerzialisierung nachhaltiger Bauverfahren.
Technologieansatz und Zielsetzung
Foldcast entwickelt ein Verfahren, bei dem flexible, papierbasierte Schalungen mit digitaler Fertigung und spezieller Konstruktionssoftware kombiniert werden. Nach Angaben des Unternehmens können so Betonbauteile hergestellt werden, bei denen das Material gezielt dort eingesetzt wird, wo es statisch erforderlich ist. Die Software unterstützt die Planung und Optimierung der Bauteilgeometrien, während die digitale Fertigung die Umsetzung individueller Formen ermöglicht. Ziel ist es, den Materialverbrauch und die damit verbundenen CO₂-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Schalungssystemen aus Holz oder Metall zu reduzieren.
Hintergrund: Materialeffizienz und Emissionen
Beton zählt zu den weltweit wichtigsten Baustoffen, ist jedoch für einen erheblichen Anteil der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Schätzungen zufolge verursacht die Betonherstellung rund acht Prozent der weltweiten Emissionen. Konventionelle Schalungen aus Holz oder Metall sind oft auf einfache Geometrien ausgelegt und erschweren die Umsetzung materialeffizienter Strukturen. Foldcast adressiert dieses Problem, indem das Unternehmen auf wiederverwertbare Papierformen setzt, die nach dem Gussprozess recycelt werden können. Die tatsächliche Reduktion von Materialverbrauch und Emissionen hängt jedoch von der industriellen Umsetzung und der Akzeptanz im Markt ab.
Finanzierung und nächste Schritte
Die aktuelle Finanzierung durch Venture Kick soll Foldcast den Übergang von der Technologievalidierung zur Markteinführung ermöglichen. Geplant sind zwei Pilotprojekte, die Entwicklung eines minimal funktionsfähigen Softwareprodukts sowie der Aufbau von Partnerschaften mit industriellen Fertigungsunternehmen in der Schweiz. Darüber hinaus will das Start-up seine Vertriebs- und Geschäftsentwicklung verstärken. Die Technologie richtet sich zunächst an Immobilienentwickler und institutionelle Eigentümer mit Fokus auf Nachhaltigkeit, perspektivisch aber auch an Hersteller von Betonfertigteilen als potenzielle Lizenznehmer.
Offene Fragen und Marktrelevanz
Ob und in welchem Umfang sich das Verfahren von Foldcast im industriellen Maßstab durchsetzen kann, bleibt offen. Wichtige Faktoren sind die tatsächliche Kosteneffizienz, die Praxistauglichkeit der Papierformen unter Baustellenbedingungen und die Akzeptanz bei Bauunternehmen und Planern. Unabhängige Vergleichsdaten zu Materialeinsparungen und Emissionsreduktionen liegen bislang nicht vor. Für den deutschen und europäischen Markt könnte die Technologie insbesondere dort relevant werden, wo regulatorische Vorgaben zur CO₂-Reduktion im Bauwesen verschärft werden oder nachhaltige Bauweisen nachgefragt sind.
Der Begriff Schalung bezeichnet im Bauwesen die Form, in die Frischbeton gegossen wird, um nach dem Erhärten die gewünschte Geometrie zu erhalten. Traditionell werden hierfür Holz- oder Metallschalungen verwendet, die mehrfach genutzt, aber auch entsorgt werden müssen. Innovative Ansätze wie papierbasierte, digital gefertigte Schalungen zielen darauf ab, Materialverbrauch und Abfall zu reduzieren und komplexere, materialeffiziente Strukturen zu ermöglichen. Die tatsächliche Marktdurchdringung solcher Verfahren hängt von technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Faktoren ab.