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Bundeswehr baut eigene KI-Plattform ohne ausländische Cloud auf

Nil Enri Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nil Enri

Bundeswehr baut eigene KI-Plattform ohne ausländische Cloud auf Glocalist Press © glocalist.press
Bundeswehr baut eigene KI-Plattform ohne ausländische Cloud auf © glocalist.press

Erstmals stellt BWI der Bundeswehr und Forschungspartnern eine GPU-basierte KI-Infrastruktur bereit, die unabhängig von ausländischen Clouds funktioniert und auch im Feld einsetzbar ist.

Seit April 2026 läuft bei der Bundeswehr eine eigene, produktive KI-Infrastruktur. Sie basiert auf GPUs und wird komplett auf einer souveränen Plattform betrieben. BWI, der IT-Partner der Bundeswehr, hat das System im Rahmen der "Software Defined Defence"-Strategie aufgebaut. Die Bundeswehr ist damit nicht mehr auf ausländische Cloud-Anbieter angewiesen. Auch im Feld, ohne stabiles Netz, bleibt die Plattform nutzbar.

BWI bleibt der zentrale IT-Dienstleister der Bundeswehr. Die Aufgabe ist klar: stabile und sichere IT-Services, im Inland und im Ausland. Jetzt setzt BWI auf skalierbare Kubernetes-Cluster mit GPU-Unterstützung für KI-Plattformen. Das zeigen auch offizielle Stellenausschreibungen. Die KI-Service-Plattform wird von BWI selbst entwickelt und betrieben. Das CTO-Team steuert die strategische Weiterentwicklung. Die Finanzierung für die eigene KI-Infrastruktur ist mindestens bis Ende September 2026 gesichert.

Mit rund 8.000 Mitarbeitenden betreibt BWI eine der größten IT-Infrastrukturen Deutschlands. Auch einsatznahe Bereiche und Feldszenarien werden abgedeckt. Die Technik muss dort laufen, wo es kaum oder gar keine Verbindung gibt. Die Architektur reicht vom Rechenzentrum bis zum Einsatzort. Sie ist auf maximale Ausfallsicherheit ausgelegt. Das ist Pflicht.

Die BWI ist für die Bundeswehr ein unverzichtbarer Partner, wenn es um die sichere und resiliente Digitalisierung militärischer Kernprozesse geht. Die Herausforderungen im Cyberraum und die Notwendigkeit souveräner KI-Infrastrukturen bestimmen zunehmend die strategische Ausrichtung.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die neue Plattform nutzt mehrere Produkte von Kubermatic. Sie läuft über die Experimentierplattform xPlatforms (BwXLab). Analysten und Forschungspartner arbeiten auf gemeinsamer Hardware. Sprachmodelle laufen in Echtzeit. Auch Computer Vision, Bildgenerierung und 3D-Rendering sind möglich. Es braucht keine separaten Systeme oder Sonderregelungen. Die Plattform funktioniert vom Rechenzentrum bis zum Einsatzort. Auch ohne Netz bleibt sie einsatzbereit.

Im Produktivbetrieb laufen aktuell neun KI-Modelle auf 27 physischen GPUs. Diese sind auf drei Rechenzentren verteilt. Fünf konkrete Anwendungsfälle sind schon im Einsatz. Dazu zählen Projekte zur georäumlichen Rekonstruktion und ein zentrales Sprachmodell-Gateway. Weitere Anwendungen sind in Vorbereitung. Die Hardware steht auch an Orten ohne Netz bereit, noch bevor alle Anwendungen fertig sind.

KI-Infrastruktur im Verteidigungsbereich bringt besondere Anforderungen. GPUs sind teuer. Neue Hardware zu beschaffen dauert oft Monate. Verschiedene Einheiten und Forschungspartner müssen die Ressourcen gemeinsam nutzen. Sicherheit darf dabei nicht leiden. Niemand darf in fremde Umgebungen eindringen. Die BWI-Plattform löst das: Sie stellt einen sicheren, gemeinsam nutzbaren GPU-Pool bereit. Nutzer können kurzfristig im Self-Service Ressourcen buchen. Das spart Kosten und erhöht die Auslastung.

Ein zentrales Kriterium bleibt die Datenhoheit. Alle KI-Anwendungen laufen auf eigener Infrastruktur. Es werden keine Daten über ausländische Clouds übertragen. Gerade im taktischen Einsatz ist das entscheidend. Fällt das Netz aus, müssen die Systeme weiterlaufen. Analysten der Bundeswehr bekommen praktische Schulungen an den neuen GPU-Tools. So bauen sie Know-how für den Betrieb auf.

Seit dem Start im April 2026 zeigt sich laut BWI ein klarer Vorteil: Die lange Hardwarebeschaffung entfällt. Nutzer stellen sich die Infrastruktur selbst bereit, wenn sie gebraucht wird. Die Plattform ist nicht an proprietäre Tools eines Anbieters gebunden. Das sichert die Kontrolle über die Weiterentwicklung. Verschiedene Einheiten und Partner teilen sich die GPU-Ressourcen. Das erhöht die Effizienz. Die Kosten sinken.

Fünf Anwendungsfälle laufen bereits produktiv. Weitere Projekte, etwa für georäumliche Analysen, sind in Arbeit. Die Plattform erfüllt zentrale Vorgaben der "Software Defined Defence"-Strategie. Sie verlagert militärische Fähigkeiten von Hardware auf flexibel einsetzbare Software. Im Unterschied zu anderen KI-Anwendungen im öffentlichen Sektor, wie bei Identitätsprüfungen, die früher berichtet wurden, steht hier Souveränität und Feldtauglichkeit im Mittelpunkt.

Die Entscheidung für eine eigene, netzunabhängige KI-Infrastruktur ist ein Meilenstein für die digitale Souveränität Deutschlands im Verteidigungsbereich. Viele Unternehmen und Behörden setzen weiter auf internationale Clouds. Die Bundeswehr zeigt: Auch hochsensible KI-Anwendungen laufen auf eigener Infrastruktur. Die technische Umsetzung durch BWI und die Wahl von Kubermatic-Produkten zeigen, wie wichtig europäische Anbieter für kritische Infrastrukturen werden. Im aktuellen IT-Auftragspaket der Bundeswehr sind bis 2031 Investitionen von über 10 Milliarden Euro für Rechenzentren, Software und digitale Dienste geplant. Das unterstreicht die strategische Bedeutung solcher Projekte. Details zu den Investitionen und Rahmenbedingungen liefert der Handelsblatt-Bericht.

Offen bleibt, wie sich die Plattform im Langzeitbetrieb unter realen Bedingungen bewährt. Werden weitere staatliche Stellen nachziehen? Die Erfahrungen aus dem Verteidigungsbereich könnten als Vorlage für andere sicherheitskritische Anwendungen dienen. Datenhoheit und Ausfallsicherheit sind dort Pflicht.

Digitale Souveränität heißt: Staaten, Unternehmen oder Institutionen betreiben und kontrollieren ihre digitalen Infrastrukturen, Daten und Anwendungen unabhängig von externen Anbietern oder fremden Rechtsräumen. Bei KI-Infrastruktur bedeutet das: Datenverarbeitung, Speicherung und Modellnutzung laufen auf eigener Hardware und unter eigener Kontrolle. Gerade im Verteidigungsbereich ist diese Unabhängigkeit entscheidend. Sie senkt Risiken und Abhängigkeiten. Digitale Souveränität wird immer mehr zum strategischen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz europäischer Staaten.

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