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Silbitz Group stellt Produktion nach Windkraft-Kundenverlust um

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Silbitz Group stellt Produktion nach Windkraft-Kundenverlust um Glocalist Press © glocalist.press
Silbitz Group stellt Produktion nach Windkraft-Kundenverlust um © glocalist.press

Nach dem Ausstieg eines Großkunden aus der Windkraftbranche hat die Silbitz Group in Torgelow schnell auf Motorenfertigung umgestellt. Die Auftragsbücher sind jetzt bis 2030 voll.

Im Werk der Silbitz Group in Torgelow läuft seit Monaten alles anders. Der Grund: Siemens Gamesa hat Anfang des Jahres entschieden, zentrale Bauteile wie Rotornaben, Antriebswellen und Lagergehäuse künftig in China fertigen zu lassen. Für die Gießerei in Torgelow war das ein Schock. Die Aufträge aus dem Windkraftgeschäft brachen abrupt weg. Die Produktion musste sich neu ausrichten. Das Werk setzte nicht mehr auf Windkraftkomponenten, sondern auf Großmotoren. Die Umstellung kam schnell. Jetzt ist die Auslastung so hoch, dass das Unternehmen bis 2030 planen kann. Die Produktion folgt dabei den Vorgaben der DIN EN ISO 9001, dem Standard für Qualitätsmanagement in deutschen Gießereien.

Windkraftkunde weg - neue Richtung

Der Schritt von Siemens Gamesa zwang die Silbitz Group, ihre Abhängigkeit von einem einzigen Großkunden zu beenden. Neue Märkte mussten her. Die Verlagerung der Fertigung nach Asien zeigt, wie hart der globale Wettbewerb für deutsche Industrieunternehmen ist. Auch die Industriepolitik des BMWK beschäftigt sich mit diesen Problemen.

Werkleiter Dr.-Ing. Reinhard Weiß sagt, die Umstellung sei in wenigen Monaten gelaufen. Die Gießerei konzentriert sich jetzt auf Motorblöcke mit bis zu 90 Tonnen Gewicht und 11 Metern Länge. Schon im laufenden Quartal hat die Produktion dieser Motorblöcke das gesamte Vorjahresniveau übertroffen. Für solche Großgusskomponenten braucht es moderne Schmelztechnik. Dazu kommen strenge Umwelt- und Arbeitsschutzregeln nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV).

Neue Aufträge, stabile Jobs

Die Auftragsstruktur hat sich klar verschoben. Rund 65 Prozent der Produktion sind jetzt Großmotoren. Windkraftteile machen noch etwa 30 Prozent aus. Weitere Gussprodukte ergänzen das Angebot. Die Belegschaft blieb stabil: Rund 270 Beschäftigte und 15 Auszubildende arbeiten weiter im Werk. Laut Unternehmen gab es keinen Personalabbau.

Die Nachfrage nach Großmotoren, die in Bereichen wie Schiffbau, Rechenzentren für künstliche Intelligenz und dezentraler Energieerzeugung eingesetzt werden, hat die Gießerei gezielt genutzt. Die Motoren sind für verschiedene Kraftstoffe wie Diesel, Ammoniak, Wasserstoff, Erdgas oder Biogas ausgelegt und werden an Kunden in Deutschland und Europa geliefert.

Nordkurier

Die Nachfrage nach Großmotoren ist hoch. Sie kommen im Schiffbau, in Rechenzentren für künstliche Intelligenz und bei dezentraler Energieerzeugung zum Einsatz. Die Motoren laufen mit Diesel, Ammoniak, Wasserstoff, Erdgas oder Biogas. Kunden sitzen in Deutschland und Europa. Die Entwicklung zeigt, wie wichtig Sektorkopplung und flexible Lösungen für die Energiewende sind. Die Bundesnetzagentur hebt das hervor.

Finanzierung und Politik

Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern half mit einem Darlehen der Landesbank über 15 Millionen Euro. Das Geld ist schon komplett ausgezahlt. Geschäftsführer Dr. Karl Asamer und Werkleiter Weiß sagen, die schnelle Finanzierung war entscheidend für die Stabilität des Betriebs. Das Wirtschaftsministerium meldet: Das Werk schreibt trotz des Kundenverlusts weiterhin schwarze Zahlen.

Wirtschaftsminister Dr. Wolfgang Blank und Staatskanzlei-Chef Patrick Dahlemann waren vor Ort. Sie sehen Gießereien als wichtige Industrie in der Region. Sie fordern günstigere Energiepreise, verlässliche Investitionsbedingungen und weniger Bürokratie. Außerdem müsse der Zugang zu lokal erzeugtem Ökostrom besser werden, damit deutsche Betriebe im Wettbewerb mit Drittstaaten bestehen können. Die Landesregierung will einen wirksamen Carbon-Leakage-Schutz, damit die Produktion nicht ins Ausland abwandert.

Perspektiven und Brancheneinordnung

Die Silbitz Group profitiert aktuell von vollen Auftragsbüchern im Motorenbau. Nach Angaben des Unternehmens reicht das bis 2030. Werkleiter Weiß sieht den Erfolg in der gezielten Kundengewinnung und der gestiegenen Nachfrage nach Großmotoren. Die schnelle Umstellung und die Sicherung der Jobs zeigen, dass Industrie auch in schwierigen Zeiten flexibel bleiben kann.

Andere Unternehmen der Branche kämpfen mit ähnlichen Problemen. Im Bereich erneuerbare Energien berichtet Glocalist Press über vergleichbare Herausforderungen. Der Fall der Silbitz Group macht deutlich: Flexible Produktion und politische Unterstützung sind für die Industrie in Deutschland entscheidend. Die Entwicklung in Torgelow zeigt, wie wichtig schnelle Investitionen und eine direkte Reaktion auf den Markt sind.

Produktionskapazität heißt: Wie viel kann ein Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum maximal herstellen? Das hängt von Maschinen, Personal, Material und Technik ab. Hohe Auslastung gibt Planungssicherheit. Sie birgt aber das Risiko, bei Nachfragerückgang schnell reagieren zu müssen. In der Industrie ist die flexible Anpassung der Kapazität ein wichtiger Wettbewerbsfaktor - vor allem, wenn die Nachfrage schwankt oder sich der Markt verändert.

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